Datum01.05.2026 18:45
Quellewww.zeit.de
TLDRDie syrische Regierung hat die Festnahme der deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann bestätigt. Sie wurde am 18. Januar in Rakka verhaftet und wird derzeit in Aleppo festgehalten. Michelmann berichtete seit 2022 aus Nordostsyrien für prokurdische Medien. Die Behörden informierten die Bundesregierung und leiteten rechtliche Schritte ein. Michelmann und ihr Kollege behaupteten, humanitär tätig zu sein, doch es besteht Verdacht auf illegale Aufenthalts- und möglicherweise Kämpferaktivitäten. Ihre Anwälte berichten von schlechtem Gesundheitszustand.
InhaltSeit Monaten wird die deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann vermisst. Die syrische Regierung hat nun offiziell bestätigt, dass sie festgenommen wurde. Zum ersten Mal hat die syrische Regierung offiziell bestätigt, dass die in dem Land vermisste deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann in Haft befindet. Sie sei am 18. Januar in der Stadt Rakka während einer Militäroperation festgenommen worden, teilte das Informationsministerium mit. Derzeit werde sie in Aleppo festgehalten. Die Behörden hätten die Bundesregierung über den Fall informiert und um Informationen zur Identität der Frau gebeten, hieß es. Das Ministerium gab an, die Journalistin und einen Kollegen formell verhaftet zu haben. Es seien "rechtliche Schritte eingeleitet worden, um die Überstellung an die zuständigen Justizbehörden vorzubereiten". Konkrete Vorwürfe nannte das Ministerium nicht. Michelmann hatte seit 2022 aus der Demokratischen Selbstverwaltung Nord- und Ostsyrien, auch bekannt unter dem kurdischen Namen Rojava, für prokurdische Medien über die politische Lage berichtet. Am 18. Januar 2026 wurde sie zum letzten Mal gemeinsam mit ihrem kurdisch-türkischen Kollegen Ahmet Polat, bürgerlicher Name Mehmet Nizam Aslan, in Rakka gesehen. Das geht aus Angaben des Komitees zum Schutz von Journalisten hervor. Demnach wurden sie während der Militäroperationen gegen die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) festgenommen. Sie arbeiteten dem Komitee zufolge für die in Istanbul ansässige Nachrichtenagentur ETHA und Özgür TV. Michelmann und ihr Begleiter hätten in einer ersten Befragung "behauptet, humanitäre Arbeit zu leisten und keine journalistische Rolle zu spielen", gab das syrische Informationsministerium an. Sie hätten versucht, zu fliehen und seien erneut festgenommen worden, weil der Verdacht bestehe, "dass es sich bei ihnen um ausländische Kämpfer handeln könnte, die sich illegal in Syrien aufhalten". Anfang der vergangenen Woche hatte eine Vertreterin der deutschen Botschaft in Damaskus die Kölner Publizistin erstmals seit ihrer Festnahme im Gefängnis besucht. Michelmanns deutscher Anwalt sagte vor wenigen Tagen, seiner Mandantin gehe es gesundheitlich wahrscheinlich sehr schlecht. Das Auswärtige Amt teilte mit, es stehe in Kontakt mit der Journalistin. Zuvor hatten sich Hinweise auf ihren Aufenthaltsort und die Haftbedingungen verdichtet. Mehrere Zeugen bestätigten übereinstimmend, dass die 36-jährige Kölnerin in einem Gefängnis in Aleppo festgehalten wird. Das geht aus einer Erklärung der Rechtsanwaltskanzlei Meister & Partner hervor, die Michelmanns Familie und die eines weiteren inhaftierten Journalisten vertritt.