Datum01.05.2026 14:16
Quellewww.spiegel.de
TLDRSPD-Chef Lars Klingbeil hat US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert und ihn aufgefordert, sich um die Folgen seiner Politik zu kümmern, anstatt Deutschland Ratschläge zu erteilen. Klingbeil verteidigte Bundeskanzler Olaf Scholz und betonte die Notwendigkeit europäischer Wirtschaftsstärke, um Erpressung zu vermeiden. Die Kritik folgt auf einen öffentlichen Schlagabtausch zwischen Scholz und Trump bezüglich des Iran-Kriegs und der deutschen Wirtschaft.
InhaltErst der Kanzler, nun der Vizekanzler: Lars Klingbeil hat in einer Rede am 1. Mai gegen den US-Präsidenten ausgeteilt. Vizekanzler Lars Klingbeil hat Kanzler Friedrich Merz (CDU) gegen die Kritik aus den USA verteidigt. "Wir brauchen nun wirklich keine Tipps von Donald Trump. Der soll sehen, welche Scherbenhaufen er angerichtet hat. Der soll dafür sorgen, dass ernsthafte Friedensgespräche jetzt im Iran geführt werden", sagte der SPD-Chef laut der Deutschen Presse-Agentur. Klingbeil sprach bei einer Veranstaltung zum Tag der Arbeit in Bergkamen im Ruhrgebiet. Er sage das "gerade vor dem Hintergrund der letzten Tage, wo er sich dann über die deutsche Bundesregierung, über den Bundeskanzler äußert." In Bezug auf Trump sagte Klingbeil weiter: "Ich glaube, der hat wirklich gedacht, das ist eine Sache von zwei, drei Tagen und dann ist alles in Ordnung. Er trägt jetzt die Verantwortung dafür, dass dieser Krieg im Iran schnell aufhört. Vor allem soll er dafür sorgen, dass die Belastungen, die durch seinen Krieg entstanden sind, nicht bei uns, bei den Arbeitnehmern, bei den Verbrauchern und in der Wirtschaft ankommen." Europa müsse zudem wirtschaftlich so stark werden, "dass wir uns von niemandem erpressen lassen müssen", so Klingbeil. "Ich möchte nicht, dass wir davon abhängig sind, welche Laune Donald Trump heute oder morgen hat." Zuletzt hatte es einen öffentlichen Schlagabtausch zwischen Merz und Trump gegeben. Der Kanzler warf den USA am Montag bei einer Diskussion mit Schülern im Sauerland vor, "ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen" zu sein. Mit Blick auf die stockenden Friedensverhandlungen mit Iran sagte Merz: Da werde "eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung, vor allem durch diese sogenannten Revolutionsgarden". Die Sätze gingen um die Welt, wurden auch in internationalen Medien berichtet – vor allem, weil der Kanzler sich bisher wesentlich vorsichtiger geäußert hatte. Der US-Präsident reagierte am Mittwoch. Auf Truth Social schimpfte er über Merz: "Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!" Es sei kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht gehe. "Sowohl wirtschaftlich als auch sonst!" Am Tag darauf wetterte Trump weiter. Merz solle sich darauf konzentrieren, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden und "sein eigenes Land wieder auf Vordermann" zu bringen. Merz selbst hatte zuletzt versucht, den Streit nicht noch weiter einzuheizen. Im Gespräch mit dem SPIEGEL sagte der Bundeskanzler: "Ich habe Donald Trump gesagt, warum wir den Irankrieg für falsch halten. Ich versuche trotzdem, mit dem amerikanischen Präsidenten ein gutes persönliches Verhältnis aufrechtzuerhalten. Bis jetzt gelingt das auch."