Datum01.05.2026 09:57
Quellewww.spiegel.de
TLDREin angeblicher Abschiedsbrief von Jeffrey Epstein wird seit 2019 unter Verschluss gehalten, berichtet die "New York Times". Ein Zellennachbar behauptet, den Brief nach Epsteins erstem Suizidversuch gefunden zu haben. Das Dokument wurde als Beweismittel in einem anderen Fall versiegelt. Ob die Ermittler Epsteins Tod, der als Selbstmord eingestuft wurde, mit diesem potenziell wichtigen Beweisstück vollständig untersuchen konnten, ist unklar.
InhaltHat der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein einen Abschiedsbrief hinterlassen? Das behauptet zumindest ein ehemaliger Zellennachbar. Die "New York Times" hat nun Einsicht in das Schriftstück beantragt. Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist seit mehr als sechs Jahren tot. Laut Obduktionsbericht hat er sich im Gefängnis erhängt. Die "New York Times" berichtet nun , dass ein New Yorker Gericht seit 2019 ein Dokument unter Verschluss halte, das ein angeblich von Epstein geschriebener Abschiedsbrief sein soll. Ein Zellengenosse Epsteins hat demnach angegeben, das Schreiben nach einem ersten Suizidversuch des Sexualstraftäters entdeckt zu haben. Epstein wurde nach dem missglückten Selbstmordversuch innerhalb des Gefängnisses verlegt. Wenige Wochen später war er tot. Das Schreiben wurde als Beweisstück in dem Fall des Mitinsassen Nicholas Tartaglione durch einen Bundesrichter versiegelt und damit unter Verschluss gehalten, heißt es bei der "New York Times". Das würde bedeuten, dass den Ermittlern, die Epsteins Tod untersuchten, ein möglicherweise wichtiges Beweisstück fehlte. Warum genau der Brief versiegelt wurde, ist nicht bekannt. Die "New York Times" hat den Brief nicht gesehen, aber Einblick in das Schriftstück beantragt. Der Mitgefangene Tartaglione fand den Brief nach eigenen Worten Epsteins in einem Comic und übergab diesen seinen Anwälten. Damit wollte er demnach den Vorwurf entkräften, dass er Epstein angegriffen habe. Nach dem ersten mutmaßlichen Suizidversuch hatte Epstein erklärt, dass er nicht versucht hatte, sich umzubringen, sondern von Tartaglione angegriffen worden sei. Der Sexualstraftäter erklärte damals gegenüber Gefängnismitarbeitern auch, dass er nicht suizidgefährdet sei. Laut Tartaglione, einem ehemaligen Polizisten, der wegen vierfachen Mordes verurteilt wurde, stand in dem Brief unter anderem etwas in der Art von: "Was soll ich denn machen, in Tränen ausbrechen? Es ist Zeit, Abschied zu nehmen." Der Brief ist nicht Teil der vom US-Justizministerium freigegebenen Akten zum Fall Epstein. Die Behörde selbst hat nach eigenen Angaben auch keine Kenntnisse zu dem Schreiben. Kritiker werfen dem Ministerium seit Langem vor, dass nicht alle Unterlagen in dem Fall freigegeben wurden. Die US-Regierung hatte Anfang des Jahres neue Akten im Fall Epstein veröffentlicht, doch vieles bleibt auch damit ungeklärt. Der Missbrauchsskandal um den Finanzberater, der in besten Kreisen verkehrte und jahrelang Mädchen und Frauen missbraucht haben soll, dürfte damit nicht enden, bis heute melden sich immer neue mutmaßliche Opfer. Erste Vorwürfe gegen Epstein gab es bereits vor mehr als 20 Jahren. Lesen Sie hier eine Chronologie des Falls.