Datum01.05.2026 09:43
Quellewww.spiegel.de
TLDRAb dem 1. Mai sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um etwa 17 Cent pro Liter, was zu Preissen unter zwei Euro führt, insbesondere bei E10. Frühzeitiges Tanken bis 12 Uhr lohnt sich wegen der "Zwölf-Uhr-Regel" und typisch niedriger Vormittagspreise. Die vollständige Weitergabe der Steuersenkung wird erwartet, ist aber teils verzögert möglich. Engpässe sind unwahrscheinlich, dennoch wird der 1. Mai teuer bleiben, da die Senkung die Preise nicht auf das Vorkriegsniveau zurückführt.
InhaltDie Steuersenkung auf Benzin und Diesel tritt heute in Kraft. Einzelne Tankstellen weisen in Apps schon günstigere Preise aus, was nach 12 Uhr passiert, ist offen. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Wird der 1. Mai für Autofahrer in diesem Jahr zum doppelten Feiertag? Seit Mitternacht gilt der Tankrabatt der Bundesregierung: Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt um rund 17 Cent pro Liter. Bis Ende Juni soll das so bleiben. Der seit Mitternacht geltende Nachlass hat bereits in den frühen Morgenstunden an vielen Tankstellen die Spritpreise purzeln lassen. Beim Blick in die Tankstellen-App des ADAC zeigten sich vielerorts bereits Preise unter zwei Euro – insbesondere beim günstigeren Superbenzin der Sorte E10, teilweise auch bei Diesel. In München kostete E10 kurz nach 6 Uhr bei den meisten angezeigten Tankstellen deutlich unter zwei Euro – teilweise sogar weniger als 1,90 pro Liter. Bei Diesel wurde die Zwei-Euro-Marke in mehr als der Hälfte der Fälle unterschritten. Auch in Berlin war E10 bei der klaren Mehrheit der angezeigten Tankstellen am Morgen billiger als zwei Euro. Bei Diesel war dies nur selten der Fall. In Hamburg war E10 an mehr als der Hälfte der angezeigten Tankstellen billiger als zwei Euro. Auch hier wurde teilweise die Marke von 1,90 unterschritten. Diesel blieb aber in der Regel teurer als zwei Euro. Wer jetzt bis spätestens 12 Uhr an die Zapfsäule fährt, profitiert dabei gleich doppelt. Die sogenannte Zwölf-Uhr-Regel verbietet Tankstellen, ihre Preise vor Mittag zu erhöhen. Am Vormittag sind die Spritpreise ohnehin typischerweise am niedrigsten – der Rabatt kommt also gerade dann, wenn die Preise sowieso nach unten zeigen. Was nach Mittag passiert, ist dagegen offen. Wie stark die Preise dann anziehen, lässt sich kaum vorhersagen. ADAC-Kraftstoffmarkt-Experte Christian Laberer dämpft zu hohe Erwartungen an purzelnde Preise: "Das war auch 2022 nicht der Fall. Stattdessen sind die Preise sukzessive gefallen." Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie betont zwar, die Steuersenkung werde vollständig weitergegeben – räumt aber ein, dass das "mancherorts erst mit Verzögerung an der Zapfsäule bemerkbar" sein könnte. Das erwartet auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Reiche fordert bei der Mineralölwirtschaft ein, dass die Steuersenkung bei Diesel und Benzin bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt. "Das ist keine Bitte, das ist eine klare Erwartung", sagte die CDU-Politikerin. "Das Bundeskartellamt hat nach unserem ersten Maßnahmenpaket bessere Instrumente als je zuvor und erste Untersuchungen aufgenommen. Wenn es Anzeichen für eine Nichtweitergabe der Steuersenkung gibt, erwarte ich unverzügliche Maßnahmen." Günstig wie vor Kriegsbeginn wird Sprit vorerst ohnehin nicht. Am letzten Tag vor dem Irankrieg Ende Februar kostete ein Liter Super E10 im Bundesschnitt 1,78 Euro – zuletzt waren es gut 2,10 Euro. Der Rabatt reicht schlicht nicht, um diese Lücke zu schließen. Bei Diesel sieht es kaum anders aus. Auch Engpässe sind nicht völlig ausgeschlossen: Weil der Steuerrabatt nur für Sprit gilt, der nach Mitternacht geliefert wurde, haben viele Tankstellen bewusst mit kleinen Lagerbeständen in den Mai gestartet, ähnlich einem Urlauber, der kurz vor der günstigeren Grenze nicht mehr tanken will. Dazu kommt, dass der 1. Mai ein Feiertag ist und das folgende Wochenende die Liefermöglichkeiten einschränkt. Der Tankstellenverband warnte bereits vor möglichen Engpässen, der Wirtschaftsverband spricht von einem "logistischen Kraftakt". Der ADAC hält das für übertrieben – nennenswerte Versorgungsprobleme erwartet er nicht.