Irankrieg: Asiens Reisbauern fehlt Dünger – Uno warnt vor Hungerwelle

Datum01.05.2026 08:22

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Iran-Krieg und ein chinesischer Exportstopp für Dünger bedrohen die Ernährungssicherheit in Asien. Die Schließung der Straße von Hormus und Chinas Ausfuhrbeschränkungen führen zu Düngerkrise, steigenden Preisen und führen dazu, dass Bauern die Aussaat einstellen. Das Welternährungsprogramm warnt vor 45 Millionen neuen Hungernden bis 2026, insbesondere in Südostasien, wo die Ernährungsunsicherheit voraussichtlich um 24 Prozent steigen wird.

InhaltKrieg gegen Iran, Exportstopp aus China: Asiens Reisbauern fehlt der Dünger. Das Welternährungsprogramm warnt vor 45 Millionen neuen Hungernden. In weiten Teilen Asiens droht eine Reiskrise. Weil Dünger knapp wird, setzen immer mehr Bauern die Aussaat aus. Schuld sind der Krieg gegen Iran und ein Exportstopp aus China, berichtet die britische BBC . Seit dem amerikanisch-israelischen Angriff auf Iran am 28. Februar ist die Straße von Hormus faktisch geschlossen. Durch sie läuft rund ein Drittel des weltweit auf dem Seeweg gehandelten Düngers. Im März verhängte China zusätzlich ein Ausfuhrverbot für mehrere Düngersorten. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) rechnet damit, dass die Folgen des Nahostkonflikts 2026 weltweit 45 Millionen Menschen zusätzlich in akuten Hunger treiben könnten. In Asien und im Pazifikraum dürfte die Ernährungsunsicherheit nach Schätzung des WFP um 24 Prozent steigen, der stärkste relative Anstieg aller Weltregionen. Besonders betroffen sind die Länder Südostasiens. Vietnam ist einer der größten Reisexporteure weltweit. Im ersten Quartal 2026 bezog das Land mehr als 480.000 Tonnen Dünger aus China, über die Hälfte seiner gesamten Importe. Die Philippinen sind zu 75 Prozent von chinesischem Dünger abhängig. Gleichzeitig stammen rund 80 Prozent ihrer Reisimporte aus Vietnam. Thailand bezog 2024 etwa ein Fünftel seines Düngers aus China und 32 Prozent aus der Golfregion. Beide Korridore sind nun gleichzeitig blockiert. Binnen weniger Wochen nach Kriegsbeginn sprang der Preis für Harnstoff um mehr als 40 Prozent, den weltweit am häufigsten eingesetzten Stickstoffdünger. Ein Sack Dünger kostete in Thailand vor gut einem Monat noch 800 bis 900 Baht. Inzwischen sind es mehr als 1100 Baht; im Umlauf sind bereits Preise von 1200 Baht. Viele Bauern setzen die Aussaat deshalb aus. "Ich habe beschlossen, es nicht zu tun", sagt Suchart Piamsomboon, ein 60-jähriger Reisbauer aus der Provinz Chachoengsao, der BBC. "Mit der Landwirtschaft mache ich nur Verluste. Ich arbeite lieber als Tagelöhner und verdiene 100 bis 200 Baht am Tag, nur um über die Runden zu kommen." China stand im vergangenen Jahr für 25 Prozent der globalen Düngerproduktion und exportierte Dünger im Wert von mehr als 13 Milliarden Dollar. Doch Peking springt nicht ein. Das Ausfuhrverbot vom März kommt zu Beschränkungen hinzu, die seit 2021 schrittweise verschärft wurden. Nach einer Reuters-Auswertung chinesischer Zolldaten sind inzwischen zwischen 50 und 80 Prozent der Düngerexporte beschränkt. Ein Exporteur aus der Provinz Shandong, der nicht namentlich genannt werden möchte, berichtet von Verträgen mit "mindestens fünf oder sechs Ländern", die nicht mehr beliefert werden dürften: "Wir hatten die Aufträge bereits erhalten. Die Kunden warteten. Aber jetzt wurde uns gesagt, wir dürfen nicht verschiffen." Hintergrund ist ein Gesetz zur nationalen Ernährungssicherheit von 2023. Es verpflichtet chinesische Lokalregierungen, feste Produktionsziele in ihre Wirtschaftspläne aufzunehmen. "In China ist Ernährungssicherheit eine zentrale politische Frage, und genug Nahrung für die heimischen Körbe sicherzustellen, ist nichts, wo die Regierung Kompromisse machen will", sagt Paul Teng, Senior Fellow für Ernährungssicherheit in Singapur gegenüber der BBC. Erschwerend kommt hinzu: Auch Chinas Zugang zu Flüssigerdgas, dem entscheidenden Rohstoff für Stickstoffdünger, ist durch die Schließung von Hormus gefährdet. Die einzige Düngersorte, die China noch in nennenswerten Mengen ausführt, ist Ammoniumsulfat. Das minderwertige Industrienebenprodukt trägt den Reisanbau kaum. "Der kombinierte Effekt von Chinas Exportstopp und der Schließung der Straße von Hormus wird den globalen Düngermarkt und die Ernährungssicherheit unweigerlich erschüttern", sagt Joseph Glauber vom International Food Policy Research Institute in Washington. Sichtbar werde das erst zum Jahresende, wenn die Ernten kleiner ausfielen als erwartet – oder ganz ausblieben. "Manchmal wünschte ich mir, die Reisbauern im ganzen Land würden ganz aufhören zu pflanzen, damit die Regierung keinen Reis mehr zu essen hätte und versteht, wie wir uns fühlen", sagt Pratheuang Piamsomboon, eine 48-jährige Reisbäuerin aus dem Bezirk Nong Chok in Bangkok. "Die Härte ist unmöglich in Worte zu fassen."