Datum30.04.2026 20:46
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Jury der Biennale Venedig trat geschlossen zurück, nachdem sie Israel und Russland von der Preisvergabe ausgeschlossen hatte. Grund war der Ausschluss von Ländern, deren Staatschefs vom Internationalen Strafgerichtshof angeklagt sind – was auf Russland und Israel zutraf. Dies löste Empörung aus, der israelische Künstler drohte mit Klage. Die Biennale betonte die Unabhängigkeit der Jury. Statt der Jury-Entscheidung wählen nun die Besucher die Preisträger. Die Teilnahme Russlands ist weiterhin umstritten.
InhaltDie Biennale in Venedig gilt als eine der wichtigsten Kunstschauen der Welt. Kurz vor Beginn tritt die Jury nun geschlossen zurück – wegen eines Streits über die Teilnahme von Israel und Russland. Die Kunstbiennale von Venedig, eine der weltweit wichtigsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, kommt nicht zur Ruhe. Neun Tage vor Beginn der Ausstellung in der italienischen Lagunenstadt hat die internationale Jury geschlossen ihren Rücktritt erklärt. Wegen der Beteiligung Russlands an der Biennale trotz des Angriffskriegs gegen die Ukraine gibt es seit Monaten Streit. Zudem geriet die Jury vergangene Woche in die Kritik, weil sie Russland und Israel von der Vergabe der Biennale-Preise ausschloss. Die fünfköpfige Jury hatte am 23. April angekündigt, "zur Verteidigung der Menschenrechte" keine Werke aus Ländern zu berücksichtigen, deren Staatschefs vom Internationalen Strafgerichtshof angeklagt sind. Betroffen waren damit faktisch primär die potenziellen Teilnehmerländer Russland und Israel: Der Strafgerichtshof hat Haftbefehle gegen Kremlchef Wladimir Putin wegen des Ukrainekriegs sowie gegen Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu wegen des Gazakriegs erlassen. Die Erklärung wurde von den fünf Mitgliedern der Jury gemeinsam veröffentlicht . Unterzeichnet ist sie von Jurypräsidentin Solange Oliveira Farkas, einer Kunsthistorikerin aus Brasilien, sowie Zoe Butt, Elvira Dyangani Ose, Marta Kuzma und Giovanna Zapperi. Eine nähere Begründung lieferte die Jury zunächst nicht. Laut "New York Times" verwies sie in einer kurzen Mitteilung auf der Kunstplattform e-flux lediglich "in Anerkennung" ihrer Ankündigung vom 23. April auf den Rücktritt. Der israelische Bildhauer Belu-Simion Fainaru, der sein Land in Venedig vertritt, hatte die Jury der rassistischen Diskriminierung beschuldigt und mit einer Klage gedroht. Laut dem Bericht der "New York Times" rief ihn Italiens Kulturminister an, um ihm Unterstützung auszusprechen. Fainaru sagte demnach, er sei froh über den Rückzug der Jury. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Die Biennale kritisierte den Boykott der Jury nicht und betonte, das Gremium habe in "voller Autonomie und Unabhängigkeit" gehandelt. Erstmals sollen nun die Besucher ihre Favoriten wählen. Die Preise werden zum Ende der Schau am 22. November vergeben. Auch die italienische Regierung kritisiert die Russland-Teilnahme scharf. Die EU-Kommission hatte gedroht, einen Zuschuss von zwei Millionen Euro wieder zu streichen. Am Mittwoch entsandte das italienische Kulturministerium Personal nach Venedig, um nach bürokratischen Fehlern zu suchen, mit denen die Einladung rückgängig gemacht werden könnte. Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco hatte die Einladung verteidigt: Die Schau sei "ein Raum der Koexistenz für den ganzen Planeten". Offiziell eröffnet wird die sechsmonatige Ausstellung am Samstag kommender Woche. Zuvor sind die Pavillons, die von Künstlern aus verschiedenen Nationen gestaltet werden, für die Fachwelt zu besichtigen.