Datum30.04.2026 20:32
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer langjährige SPIEGEL-Literaturkritiker Volker Hage ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Über zwanzig Jahre prägte er die Literaturkritik des Magazins. Hage pflegte enge Beziehungen zu Autoren wie John Updike und Philip Roth, was seine wohlwollenden, aber dennoch kritischen Rezensionen beeinflusste. Er förderte auch junge Talente und veröffentlichte Essays. Nach seiner Pensionierung begann er eine Schriftstellerkarriere, die durch Krankheit vorzeitig beendet wurde.
InhaltEr war befreundet mit John Updike und Philip Roth, förderte deutsche Nachwuchsautorinnen: Mehr als zwanzig Jahre lang war Volker Hage beim SPIEGEL für die Literaturkritik verantwortlich. Jetzt ist er im Alter von 76 Jahren gestorben. Wer über Literatur schreibe, so hatte ihm einst sein Lehrmeister und Freund Marcel Reich-Ranicki geraten, solle die Nähe zu den Schriftstellern meiden, jeder Kontakt korrumpiere das eigene Urteil. Doch Volker Hage tat genau das Gegenteil: Immer wieder traf der Hamburger Literaturkritiker die Helden seiner Bücher-Welt persönlich. Seine Rezensionen der Romane von Max Frisch, Martin Walser und Siegfried Lenz, von Philip Roth oder John Updike fielen deswegen nicht weniger kritisch aus, im Ton aber blieben sie stets wohlwollend. Volker Hage war ein freundlicher Mensch, und so waren auch seine Texte. Schon mit 17 Jahren führte er sein erstes Interview mit Günter Grass. Hage, damals Redakteur einer Schülerzeitung, hatte den prominenten Autor am Hamburger Flughafen abgepasst. Nach dem Studium der Literaturwissenschaften wurde er 1975 von Reich-Ranicki zur "Frankfurter Allgemeinen" geholt, 1986 wechselte er zur "Zeit" und 1992 zum SPIEGEL. Er förderte junge Schriftstellerinnen wie Zeruya Shalev, Judith Hermann oder Karen Duve und veröffentlichte provokante Essays namhafter Autoren wie Botho Strauß ("Anschwellender Bocksgesang"). Nach der Pensionierung 2014 machte er sich an die Verwirklichung seines Jugendtraums, einer eigenen Karriere als Schriftsteller: Den ersten Band einer Romanbiografie über Arthur Schnitzler ("Des Lebens fünfter Akt") konnte er noch veröffentlichen, eine Krebserkrankung verhinderte den Abschluss des zweiten. Volker Hage starb am 29. April im Alter von 76 Jahren in Hamburg.