Datum30.04.2026 19:38
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Jury der Kunstbiennale Venedig trat zurück, nachdem sie angekündigt hatte, Künstler aus Ländern auszuschließen, deren Staatschefs vom IStGH angeklagt sind, was Russland und Israel betraf. Diese Entscheidung löste Kritik, insbesondere wegen des Ausschlusses israelischer Künstler, aus. Das italienische Kunstministerium und Israel äußerten sich kritisch. Die Biennale-Leitung betonte die Unabhängigkeit der Jury. Zuvor gab es bereits Kritik an Russlands Wiedervertretung.
InhaltDie Jury der Biennale wollte bei der Preisverleihung keine Künstler aus Israel und Russland berücksichtigen. Nach schwerer Kritik daran geben die Juroren ihre Ämter ab. Die Jury der Kunstbiennale von Venedig hat nach Kritik an einer Entscheidung zum Ausschluss von Künstlern aus bestimmten Ländern von der Preisvergabe ihren Rücktritt eingereicht. Alle fünf Mitglieder der Jury traten somit kurz vor Beginn der Ausstellung am 9. Mai zurück. Wie sie in einem kurzen Schreiben mitteilten, geschieht dies "in Anerkennung unserer Absichtserklärung vom 22. April 2026". Damit verwies die Jury auf ihre Ankündigung von vergangener Woche, bei der Preisverleihung keine Künstlerinnen und Künstler aus Ländern zu berücksichtigen, deren Staats- oder Regierungschefs vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) beschuldigt werden, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verüben. Konkrete Länder nannte die Jury nicht, die Maßnahme zielt jedoch auf Künstler aus Russland und Israel ab: Gegen Russlands Staatschef Wladimir Putin und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte der IStGH in den vergangenen Jahren Haftbefehle ausgestellt. Die Ankündigung hatte vor allem in Bezug auf Israel schwere Kritik ausgelöst. So warf Israels Außenministerium der Jury "politische Indoktrinierung" vor. Das italienische Kunstministerium erklärte seine Solidarität mit Belu-Simion Fainaru, einem rumänisch-israelischen Künstler, der in diesem Jahr bei der Biennale Israel vertritt und durch die Ankündigung der Jury von der Preisvergabe ausgeschlossen war. Die Leitung der Biennale hatte sich zu der Juryankündigung neutral verhalten: Die Jury handele "in voller Autonomie und Unabhängigkeit des Urteilsvermögens" und ihre Entscheidung ein "natürlicher Ausdruck der Freiheit und Autonomie, deren Garant die Biennale ist", teilte sie mit. In ihrer Rücktrittserklärung gingen die fünf Jurorinnen und Juroren nicht auf die Leitung der Kunstausstellung ein. Kritik an der Biennale gab es schon zuvor, allerdings in Bezug auf Russland: Erstmals seit Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine 2022 ist Russland bei der Ausstellung wieder vertreten. Die EU drohte den Verantwortlichen der Kunstbiennale deswegen damit, Zuschüsse in Millionenhöhe zu streichen. Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.