Datum30.04.2026 18:59
Quellewww.zeit.de
TLDRFrauke Brosius-Gersdorf führt das Scheitern ihrer Wahl zur Verfassungsrichterin 2025 teilweise auf Frauenfeindlichkeit zurück. Sie sei in der Debatte unfair behandelt und ihr öffentliches Auftreten als Wissenschaftlerin kritisiert worden. Sexistische Hasskommentare in sozialen Medien sowie Vorwürfe zu ihren Positionen und Plagiaten trugen zur Absage der Wahl bei. Brosius-Gersdorf glaubt, diese Kritik wäre einem Mann gegenüber anders geäußert worden.
InhaltDie Wahl Frauke Brosius-Gersdorfs zur Verfassungsrichterin war 2025 gescheitert. Laut der Juristin würden einige Vorwürfe gegen sie gegen einen Mann nicht erhoben werden. Die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf sieht das Scheitern ihrer Wahl zur Verfassungsrichterin im vergangenen Jahr unter anderem auch durch Frauenfeindlichkeit verursacht. "Jetzt mit ein bisschen Abstand und so im Rückblick würde ich sagen, da war schon Frauenfeindlichkeit dabei, auch ein ganzes Stück Frauenfeindlichkeit", sagte sie beim Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group am Tegernsee. "Da muss man nicht nur in die sozialen Medien schauen, wo bis zum heutigen Tag Hass und Hetze im Zusammenhang mit der Richterwahl verbreitet wird und das oft sexistisch frauenfeindlich unterlegt wird". Brosius-Gersdorf ist seit Oktober 2021 Inhaberin des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Universität Potsdam. Im Juli vergangenen Jahres sollte sie auf Vorschlag der SPD zur Richterin des Bundesverfassungsgerichts gewählt werden. Wegen Vorbehalten aus der Union wurde die Wahl jedoch abgesagt. Zu den Vorwürfen gegenüber Brosius-Gersdorfs zählte unter anderem, dass ihre Positionen zum Impfen und zum Schwangerschaftsabbruch angeblich zu liberal seien. Zugleich kam es zu Plagiatsvorwürfen gegen die Juristin, die sich wenig später jedoch als haltlos erwiesen. Im August zog Brosius-Gersdorf ihre Kandidatur schließlich zurück. Sie sei in der Debatte anders behandelt worden, als es bei einem Mann der Fall gewesen wäre, sagte nun Brosius-Gersdorf: "Was mich eigentlich im Nachhinein am meisten gestört und verstört hat, ist, dass mir von Medien, aber auch aus Reihen der Politik vorgeworfen wurde, dass ich überhaupt öffentlich aufgetreten sei als Wissenschaftlerin, dass ich meine Wissenschaft in die Öffentlichkeit transferiert hätte." So sei sie beschuldigt worden, "exponiert, profiliert und selbstbewusst" gewesen zu sein. Außerdem habe man ihr Aktivismus und ein politisches Wirkungsbedürfnis unterstellt. Bei einem Mann wären diese Eigenschaften als souverän, durchsetzungsstark und Führungsqualitäten gewertet worden, sagte die Juristin. Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.