Islamlehrer wegen Missbrauchs in Internat verurteilt

Datum30.04.2026 18:48

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Islamlehrer wurde in Baden-Württemberg zu acht Jahren und sechs Monaten Haft wegen sexuellen Missbrauchs und Körperverletzung Minderjähriger verurteilt. Er nutzte seine Position als religiöse Autorität in einem Internat, um Jungen zwischen zwölf und 17 Jahren zu missbrauchen. Das Gericht berücksichtigte das Geständnis des 35-Jährigen, der einst selbst in dem Internat lebte.

InhaltEin 35-Jähriger hat in Baden-Württemberg nach Überzeugung eines Gerichts mehrere Kinder und Jugendliche auf grausame Weise missbraucht. Dabei nutzte er offenbar seine Autorität als Islamlehrer. Wegen sexuellen Missbrauchs und Körperverletzung Minderjähriger ist ein Islamlehrer vom Landgericht Ellwangen zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Zudem darf der Mann nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa fünf Jahre lang nicht mehr als Erzieher von männlichen Jugendlichen arbeiten. "Es sind mehrere Kinder Opfer schwerer sexueller Straftaten geworden", begründete der Vorsitzende der Kammer, Jochen Fleischer, das "harte Urteil". In seiner einstündigen Urteilsbegründung erläuterte er, dass die Kammer das umfangreiche Geständnis des Angeklagten honoriert habe. Das habe verhindert, dass die Kinder bis ins Detail hätten befragt werden müssen. Der 35-Jährige saß bereits seit Mitte Januar in Untersuchungshaft. Der verheiratete Islamgelehrte und Vater von zwei kleinen Kindern hatte sich in einem Internat in Giengen an der Brenz (Kreis Heidenheim) in seiner Funktion als sogenannter Hodscha in 18 Fällen an Jungen vergangen. Bei den Betroffenen handelt es sich um Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren. Deshalb fand ein Großteil des Verfahrens unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In dem Internat leben Kinder und Jugendliche aus teils schwierigen Verhältnissen, die unter der Woche die öffentlichen Schulen besuchen. Der im bayerischen Günzburg geborene deutsche Staatsbürger hatte in seiner Jugend selbst in dem Giengener Internat gelebt. Als Erzieher und Lehrer übernachtete er öfter in dem Schülerheim. Das nutzte er offensichtlich aus, um am späten Abend die Jungen unter anderem mit gemeinsamen Filmabenden in sein Büro zu locken und sie dort zu missbrauchen. Laut Anklage zwang er die Minderjährigen zu intimen Massagen und sexuellen Handlungen, bis zum Oralverkehr. Das wertete die Kammer als Vergewaltigung. Der Mann hatte seine Stellung als religiöse Autorität betont, die Kinder unter Druck gesetzt und so zum Schweigen gebracht. Ein Hodscha ist ein Religionsgelehrter, der Kindern und Erwachsenen unter anderem die Grundlagen des Islams beibringt. Er ist auch Ansprechpartner für religiöse und persönliche Fragen der Gemeindemitglieder. Die Hodschas genießen deshalb unter den muslimischen Gläubigen hohen Respekt und gelten als Autoritätsperson. Teil des Verfahrens waren auch körperliche Misshandlungen. Einzelnen Kindern wurden Mund und Nase zugehalten. Ein Kind wurde durch einen Schlüsselbund am Bein verletzt. "Sie haben die Chance, nach zwei Dritteln der Haft freizukommen", erklärte Richter Fleischer dem Mann. Die Gerichte prüften bei Sexualstraftaten eine vorzeitige Entlassung aber sehr kritisch: "Sie müssen sich auf den Hosenboden setzen und mitarbeiten. Sonst sitzen sie die ganze Zeit ab."