Datum30.04.2026 17:41
Quellewww.spiegel.de
TLDRDeutschland wirbt international für Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, fördert aber gleichzeitig Gasheizungen und bremst erneuerbare Energien. Die Bundesregierung schwächt die Energiewende durch Subventionen für Gaskraftwerke und unsichere Bedingungen für Wind- und Solarenergie. Dies führt zu Abhängigkeit von teuren Importen und belastet Verbraucher sowie Steuerzahler.
InhaltDas nennt man wohl "mixed messages": In Kolumbien wirbt Deutschland für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Zugleich fördert die Koalition Gasheizungen, verschreckt Windpark-Investoren und bremst die Energiewende. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Lesen Sie mehr über die neuesten Entwicklungen, Hintergründe und spannenden Lösungsansätze in unserem Themenspezial. In der kolumbianischen Hafenstadt Santa Marta ist am Mittwoch die erste internationale Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zu Ende gegangen. Die Initiative war aus dem Frust über die Uno-Klimakonferenz im November im brasilianischen Belém entstanden. Damals hatten rund 40 ölreiche Staaten, darunter Saudi-Arabien und Russland, die Verhandlungen blockiert und so verhindert, dass auf den Klimagipfeln künftig über konkrete Fahrpläne für ein Ende von Kohle, Öl und Gas gesprochen wird. Nun wollten es rund 50 Länder ohne diese Bremser versuchen und erhofften sich Rückenwind durch die aktuelle Lage – immerhin steckt die Welt durch den Krieg im Nahen Osten in einer massiven Öl- und Gaskrise. Das Treffen in Santa Mate hatte allerdings kein offizielles Mandat und es gab auch keine verbindliche Abschlusserklärung. Es war eher ein loser Zusammenschluss von Europäern, Kanadiern und vielen Entwicklungsländern außerhalb der Uno. Die größten Verschmutzer und Öl- und Gasförderer wie China, Indien oder die Golfstaaten waren nicht dabei. Das Treffen war daher eher eine Koalition der Willigen – ohne die Mächtigen. (Mehr zu dem Treffen lesen Sie in meiner Analyse hier ). Immerhin legte Frankreich auf dem Treffen einen konkreten Ausstiegsfahrplan vor: 2030 soll Schluss mit Kohle sein, 2045 kein Öl mehr, 2050 kein Gas. Kein anderer Staat hat bisher so klare Daten genannt. Auch andere Länder können mit erstaunlichen Erfolgen aufwarten, etwa Spanien mit einem enormen Zubau von Windparks, Uruguay mit der Abkehr vom Öl oder Pakistan mit seiner Solarrevolution. Die Hoffnung: Solche Vorbilder ermutigen mehr Länder, sich der neuen Klimaallianz anzuschließen. Auch Deutschland war in Santa Marta vertreten. Allerdings schickte die Bundesregierung nur einen Staatssekretär, den Klimadiplomaten Jochen Flasbarth. Für den Umweltminister selbst war das Treffen anscheinend nicht bedeutend genug. Die vergleichsweise schwache deutsche Präsenz in Santa Marta passt ins Bild. Denn hierzulande streitet die Bundesregierung erbittert um die Energiewende – und es ist längst nicht mehr ausgemacht, ob Deutschland zu den Vorreitern oder Bremsern des Klimaschutzes gehört. Dabei legt die Blockade der Straße von Hormus schonungslos offen, wie abhängig Deutschland von Öl- und Gasimporten ist. Jedes Jahr fließen rund 80 Milliarden Euro an ausländische Energiekonzerne, in diesem Jahr dürften es laut Berechnung der KfW-Bank mindestens 20 Milliarden Euro mehr werden. Geld, das für heimische Energiequellen genutzt werden könnte. Einen Plan, wie Deutschland so schnell wie möglich von diesen teuren Brennstoffen für Heizungen, Autos und Fabriken loskommt, gibt es nicht. Die derzeit von der schwarz-roten Koalition angeschobenen Reformen verlangsamen eher die Energiewende: Das Ergebnis dieses Reformstraußes ist ernüchternd. Die schwarz-rote Koalition verlängert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen – und subventioniert sie auch noch. Gas- und Ölheizungen dürfen ohne Einschränkungen weiter eingebaut werden. Gaskraftwerke werden staatlich gefördert. Wer auf erneuerbare Energien setzt, bekommt weniger Geld, schlechtere Bedingungen, unsicherere Renditen. Technologieoffenheit gibt es stets zulasten von Wind- und Solarenergie und zugunsten teurer oder knapper Energiequellen wie Wasserstoff oder Biogas. Darunter leidet am Ende nicht nur der Klimaschutz, sondern auch die Verbraucher und Steuerzahler: durch höhere Energiepreise, weil Deutschland abhängig von importiertem Gas und Öl bleibt, und durch teure Subventionen für neue Gaskraftwerke, da solche Importe absehbar weiterhin das Problem, nicht die Lösung im deutschen Energiesystem sind. Der SPIEGEL berichtet für Sie über die Klimakrise. Alle Beiträge finden Sie immer laufend aktualisiert hier. Wenn Sie mögen, informieren wir Sie einmal in der Woche über das Wichtigste zur Klimakrise – Storys, Forschungsergebnisse und die neuesten Entwicklungen zum größten Thema unserer Zeit. Zum Newsletter-Abo kommen Sie hier. Bleiben Sie zuversichtlich! Ihre Susanne GötzeRedakteurin Wissenschaft