Datum30.04.2026 17:32
Quellewww.spiegel.de
TLDRTrump droht mit US-Truppenabzug aus Deutschland nach Kritik an seiner Irankrieg-Strategie. Seine Rhetorik erinnert an manipulatives Verhalten in toxischen Beziehungen. Die Gesundheitsreform von Ministerin Warken benachteiligt gesetzlich Versicherte. Ein Wal wird nach einer aufwendigen Rettungsaktion in die Nordsee entlassen, während über seinen Gesundheitszustand und die Rettungsmethoden Unklarheit herrscht.
InhaltAuf der Therapeuten-Couch mit dem US-Präsidenten. Eine Last-Minute-OP verhunzt Warkens Gesundheitsreform. Und: Die Deutschen und ihr seltsames Walverhalten. Das ist die Lage am Donnerstagabend. Die drei Fragezeichen heute: Es gibt Alarmsätze: "Hab Dich nicht so, war doch nur ein Witz" zum Beispiel. Oder: "DAS hab ich nie gesagt". Und: "Du wirst niemanden finden, der Dich so liebt wie ich". Wenn Sie mit solchen Ansagen beim Paartherapeuten sitzen, wird der emsig in sein Notizbuch kritzeln. Und wahrscheinlich ein Wort mehrfach umkringeln: toxisch. Denn in einer vergifteten Beziehung geht es genau darum: Manipulation, Lüge, Abwertung und Gewalt. Na, müssen Sie auch gerade an Donald Trump denken? Sein befremdliches Jesus-KI-Foto? "Just a joke". Dass er noch eine dritte Amtszeit dranhängen will? Stellt Euch doch nicht so an, just a joke. Oder doch nicht? Und erst seine Gaslighting-Vibes: Die Washington Post hat in Trumps erster Regentschaft alle seine Lügen gesammelt: 30.573 sind dokumentiert. Zugegeben hat er keine. Nun hat sich der POTUS auf unseren Kanzler eingeschossen: "Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!", so Trump über Merz, der es gewagt hatte, sich kritisch über den Irankrieg zu äußern: "Die Amerikaner", so Merz, hätten "keine wirklich überzeugende Strategie." Trumps Reaktion: Auf seinem Lieblingskanal Truth Social kündigt er an, den Abzug von US-Soldaten aus Deutschland zu prüfen. Wann? "Over the next short period of time". Wüten. Drohen. Alle in Unsicherheit wiegen: Trump macht die Welt zum Spielplatz seines Egos. "Oh, die Zeit ist um", würde der Paartherapeut uns jetzt wahrscheinlich sagen. Und dringend zur Trennung raten. Tja. Ist eigentlich der Mars noch frei? Machen wir ein Experiment: Ich habe, sagen wir, Rückenschmerzen und brauche einen Arzt. Über die App Doctolib kann ich nach Terminen in Hamburg suchen. "Sind Sie gesetzlich versichert?", werde ich gefragt. Ja, bin ich. Schwupp: Am 5. Mai wäre was frei. Hm, und als Privatversicherter? "Heute um 17.20 Uhr." Oder 17.30 Uhr, 19.20 Uhr oder 19.30 Uhr. Anything goes. Ähnlich groß denkt auch unsere Gesundheitsministerin Nina Warken: Mit ihrer Gesundheitsreform will sie nicht weniger als das System vor dem Kollaps bewahren – ständig steigende Beiträge, immer weniger Leistung. 66 Vorschläge haben Fachleute für sie erarbeitet, klug, ausgewogen, durchdacht. Doch im Gesetzesentwurf, den das Kabinett gestern beschlossen hat, ist von diesem Geist nicht mehr viel übrig, schreibt mein Kollege Benjamin Bidder: "Die gesetzlich Versicherten müssen bluten und sollen jetzt auch noch die Löcher im Staatshaushalt stopfen." Kurz vor der Kabinettssitzung wurde dann auch noch ein wichtiger Punkt geändert: Die gesetzlich Versicherten sollen auch weiter die Kosten von Bürgergeldempfängern tragen. Macht rund zwölf Milliarden Euro pro Jahr. "Die Vorschläge der Kommission hat die Koalition damit in ihr Gegenteil verkehrt", so Benjamin. "Bis 2031 übernimmt der Bund nicht mehr Verantwortung, sondern weniger." Sein Fazit: "Wer privat versichert ist, kann sich freuen." Oder hat heute Abend gleich noch einen Arzttermin bekommen. Was haben Ihre Großeltern Ihnen erzählt? Welche Mythen kursieren in Ihrer Familie? Der SPIEGEL sammelt Ihre Geschichten (hier mehr dazu). Schreiben Sie uns unter: MeinGrossvater.Reporter@spiegel.de Irgendwie hat es ja was von der Arche Noah, finden Sie nicht? Plot: Mensch baut Schiff, um Tier zu retten. Gut, in diesem Fall geht es nur um eine Art Lastkahn und das Tier kann sogar selbst schwimmen. Aber hey, Gottes Wege sind so unergründlich wie die Tiefen der Ostsee, wo ja gerade "Timmy" aka "Hope" in seiner Barge gen Nordsee schippert. Halleluja. "Endet für ihn damit seine Odyssee oder geht die Quälerei weiter?", fragt meine Kollegin Julia Köppe in ihrer Geschichte. Unklar ist dabei vor allem, wie es dem Wal tatsächlich geht: "Mensch Karin, der schwimmt ganz allein ins Dock und bedankt sich", sagt einer der Helfer im Video der, ähm, Hauruck-Aktion vom Dienstag, merklich angetan von soviel Großsäuger-Empathie. Und Walminister Backhaus jubelt: "Wir haben einen Maßstab gesetzt, den es auf der Welt nicht gegeben hat." Doch nicht alle sind so optimistisch: Julia hat mit mehreren Meeresbiologen gesprochen, die sich sorgen. Woher kommt das Blut, das auf NDR-Aufnahmen der Strandung zu sehen ist? Hat der Wal womöglich Netze verschluckt, die ihn quälen? Und wird ihn der Dauerlärm des Transports taub machen? Immerhin: "Sollte der Wal am Ziel sterben, wird es sehr wahrscheinlich keine Obduktion geben, die klären könnte, was genau ihn plagte", schreibt Julia. So oder so: Friede sei mit ihm. Diese Plakate sollen Nazis verspotten – und können gefährlich sein: "Deutsche Sonne, deutscher Wind": Sie werben für erneuerbare Energien und nehmen gleichzeitig Rechtsextreme aufs Korn. Im Netz tauchen immer mehr "Heimatstrom"-Plakate auf – Doch Experten warnen vor dem Spiel mit der NS-Ästhetik. Teuflisch hoch gepokert: Meryl Streep, 76, hat sich für die Rolle der eiskalten Modezarin Miranda "Das ist alles" Priestly, nun ja, angemessen bezahlen lassen. Damals ging es um den ersten Teil von "Der Teufel trägt Prada": "Sie riefen mich an und machten mir ein Angebot, und ich sagte: ›Nein, das mache ich nicht‹", erzählte Streep nun bei einem TV-Auftritt. "Ich wollte sehen, ob ich mein Honorar verdoppeln könnte. Und sie sagten sofort ›klar‹." Ob sich dieser Dialog wohl auch beim zweiten Teil des Kinofilms wiederholt hat? Dann wäre ich persönlich sehr gespannt auf Teil 3 . Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Tanzen Sie natürlich in den Mai: In ganz Deutschland scheint die Sonne, es ist frühlingswarm und Sie sind am Leben, mehr Gründe sollten Sie nicht brauchen. Und später am Abend, wenn der DJ langsam die 80er-Schlager anspielt und Horst und Gisela neben ihnen discofoxen, gucken Sie doch mal in den Nachthimmel: Denn im Mai werden wir den seltenen "Blue Moon" erleben, zwei Vollmonde, einen am 1. und einen am 31. Mai. Warum das nun ausgerechnet "Blue Moon" heißt? Stellen Sie Ihr Bier kurz ab und lesen Sie es hier nach. Oder morgen. Ich wünsche Ihnen einen beschwingten Abend. Herzlich Ihr Jens Radü, Chef vom Dienst