Datum30.04.2026 15:21
Quellewww.spiegel.de
TLDRAb Mai 2026 fährt in Stavanger Europas erster autonomer Linienbus ohne menschliche Aufsicht an Bord. Ein türkischer Midibus wird eine 2,6 km lange Route mit fünf Haltestellen befahren und dabei komplexen innerstädtischen Verkehr meistern, einschließlich eines Tunnels. Eine Leitstelle überwacht den Betrieb und greift bei Bedarf ein. Dieses Projekt, das 2022 begann, soll die Alltagstauglichkeit autonomer Busse demonstrieren und den öffentlichen Nahverkehr flexibler gestalten.
InhaltIn diesem Wagen sitzt kein Fahrer am Steuer, keine Aufsichtsperson ist an Bord: In Stavanger darf bald erstmals in Europa ein Bus vollkommen autonom im Linienverkehr fahren. Jetzt kommt es auf die Leitstelle an. Norwegen geht den nächsten Schritt auf dem Weg zum autonomen Straßenverkehr. Die Straßenbehörde Statens Vegvesen gab Mitte April grünes Licht für den ersten autonom fahrenden Bus ohne Aufsichtsperson im Linienverkehr. "Im Laufe des Monats Mai 2026 soll ein autonomer Midibus des Typs e‑ATAK des türkischen Herstellers Karsan im Regelbetrieb durch das Stadtgebiet von Stavanger fahren", teilt das norwegische Technologieunternehmen Applied Autonomy AS nun mit . Das Projekt begann bereits im Mai 2022. Seitdem fuhr ein autonomer Bus mit einer Aufsichtsperson an Bord im Regelbetrieb eine 2,6 Kilometer lange Strecke mit fünf Haltestellen. Auf Basis der Betriebserfahrungen habe die Straßenbehörde das Projekt schrittweise erweitert, heißt es. Die Strecke sei verlängert, die zulässige Geschwindigkeit erhöht und anspruchsvollere Abschnitte wie Tunnelpassagen freigegeben worden. "Mit der Entscheidung vom April 2026 entfällt nun erstmals in Europa die Pflicht zu einer Aufsichtsperson im Fahrzeug. Stattdessen überwacht eine Leitstelle den Betrieb und greift bei Bedarf ein", heißt es in der Mitteilung. Die Route des Buses führe jetzt durch komplexe innerstädtische Verkehrssituationen, darunter mehrere Knotenpunkte und einen rund 800 Meter langen Tunnel. Der Bus fahre mit bis zu 40 Kilometern pro Stunde. Damit wechsele das Projekt vom Versuchsbetrieb in den Alltag des öffentlichen Personennahverkehrs. "Es ist ein Meilenstein", hatte Gry Johansen, Abteilungsleiter bei der norwegischen Straßenverwaltung, Mitte April gesagt. Der Bus könne insbesondere für die Universität und ein Krankenhaus von Stavanger hilfreich sein. Verkehrsminister Jon Ivar Nygård sagte: "Es ist sehr spannend zu sehen, dass wir hier in Stavanger nun einen Schritt in Richtung autonomes Fahren machen." "Stavanger zeigt, dass autonome Busse im Alltag funktionieren", sagte Olav Madland, CEO von Applied Autonomy. "Der Fernbetrieb macht den Einsatz ausbaufähig. Verkehrsunternehmen können ihr Angebot sichern, auch wenn Fahrpersonal fehlt."