Kinderbetreuung: Wohlfahrtsverband und GEW warnen vor Kita-Versorgungslücken

Datum30.04.2026 13:00

Quellewww.zeit.de

TLDRWohlfahrtsverband und GEW warnen in Sachsen vor Kita-Versorgungslücken im ländlichen Raum. Geburtenrückgang und hohe Fixkosten zwingen Kitas zur Schließung, was zu langen Anfahrtswegen für Eltern und zum Verlust von Arbeitsplätzen führt. Viele Erzieherinnen reduzieren Stunden, was finanzielle Einbußen bedeutet. Eine Neugestaltung der Finanzierung und eine Netzplanung sind gefordert.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Kinderbetreuung“. Lesen Sie jetzt „Wohlfahrtsverband und GEW warnen vor Kita-Versorgungslücken“. Durch Kita-Schließungen aufgrund des Geburtenknicks in Sachsen drohen laut Paritätischem Wohlfahrtsverband und der Gewerkschaft GEW Versorgungslücken im ländlichen Raum. Die sinkenden Kinderzahlen und gleichzeitig bleibenden Fixkosten würden Kitas vor riesige Kostenprobleme stellen, sagte Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Sachsen.  Das führe dazu, dass einzelne Kita-Standorte geschlossen werden müssen. Im vergangenen Jahr fielen bereits 15 Einrichtungen weg, wie aus Daten des Statistischen Landesamtes hervorgeht. "Es entstehen weiße Flecken im Land", warnte Richter. Außerhalb von Leipzig, Dresden und Chemnitz liege die nächste Kita oft nicht auf dem Weg zur Arbeit, sondern in entgegengesetzter Richtung. "Das heißt, es entstehen Riesenwege, die Kita im Umfeld der Familie ist weg." Zudem gehen bei Schließungen oder reduzierten Öffnungszeiten Arbeitsplätze verloren. 2025 reduzierte sich die Anzahl der Erzieherinnen und Erzieher in Sachsen laut Richter um fast 900. Weitere 1.000 Fachkräfte wechselten demnach in die Teilzeit.  Die Stundenreduktion stellt Betroffene laut Burkhard Naumann, Vorsitzender der GEW Sachsen, vor finanzielle Probleme. "Wenn eine Vollzeitkraft mal eben auf 30 Stunden reduziert wird, ist ein Viertel des Einkommens von einem auf den anderen Tag weg." Viele pädagogische Fachkräfte suchten sich daher gerade einen Zweitjob.  Richter und Naumann warnten vor einem Verlust von Fachkräften, der wie bereits nach dem letzten Geburtenknick in den 1990ern vor allem junge Frauen treffe. Sie würden dann später fehlen, wenn es wieder mehr Kinder gibt und ältere Erzieherinnen in den Ruhestand gehen, so Richter. GEW und der Paritätische Wohlfahrtsverband fordern daher eine Reform der Kita-Finanzierung. Statt einem "Pro-Köpfchen-Modell" soll sich der Freistaat stärker an den Fixkosten beteiligen. Um Kindern und Eltern weiterhin kurze Wege zu den Kitas zu ermöglichen, wird zudem gefordert, Kitas als Teil der regionalen Infrastruktur zu betrachten. Ähnlich wie bei Schulen könne man vor Ort mit einer Netzplanung über die Standorte entscheiden, sagte Richter. © dpa-infocom, dpa:260430-930-15380/1