Ausgrabungen: Archäologen erforschen NS-Zwangsarbeiterlager in Leipzig

Datum30.04.2026 12:32

Quellewww.zeit.de

TLDRArchäologen untersuchen das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager "Mangold" in Leipzig. Bei den Ausgrabungen auf dem 9.000 Quadratmeter großen Areal wurden Fundamente von Baracken, Wege und Objekte aus dem Alltag der Zwangsarbeiter geborgen. Ziel ist es, Einblicke in die Lagerstruktur und die Lebensumstände der Zwangsarbeiter zu gewinnen, die ab 1942 Kriegsgüter produzierten. Das Lager diente auch nach dem Krieg als Unterbringung für Flüchtlinge und in der DDR als Quarantänelager.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Ausgrabungen“. Lesen Sie jetzt „Archäologen erforschen NS-Zwangsarbeiterlager in Leipzig“. Das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager "Mangold" in Leipzig ist das Ziel zeitgeschichtlicher archäologischer Ausgrabungen. Im Vorfeld einer geplanten Bebauung werde das 9.000 Quadratmeter große Areal untersucht, wie das Landesamt für Archäologie mitteilte. Bislang konnten etwa 600 Befunde erfasst werden. Den Angaben zufolge zählen dazu vor allem Fundamente, Pfosten und Holzböden der Baracken, Wege, Gruben, ein Heizraum und die Splitterschutzgräben. Zudem wurden Objekte aus dem täglichen Leben der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wie Lederschuhe, Teller, Tassen, Löffel und Glasflaschen gesichert. "Mit der Ausgrabung der im Boden verbliebenen Reste des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers "Mangold" bietet sich letztmalig die Chance, Einblicke in Struktur und Geschichte des Lagers zu erhalten und dies für die Nachwelt zu dokumentieren", sagte Landesarchäologin Regina Smolnik. Es sollen auch Erkenntnisse zu der Versorgung und zu den Lebensumständen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gesammelt werden. Das Zwangsarbeiterlager war 1942 in Betrieb genommen worden. Gearbeitet wurde vor allem für ein Unternehmen, welches kriegsrelevante Produkte wie Gespanne, Maschinengewehr-Wagen, Hülsen für Bomben und Granaten sowie Grabenpflüge herstellte. Bis zum Kriegsende erhöhte sich die Zahl der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf 3.000. Nach Kriegsende brachte man in dem ehemaligen Zwangslager Menschen unter, die sich durch die Kriegsereignisse außerhalb ihrer Heimat aufhielten. Im Frühjahr 1945 lebten in den Baracken zeitweise fast 1.300 Menschen. Nach deren Rückführung richtete die sowjetische Militärregierung ein Quarantänelager für deutsche Flüchtlinge aus dem Osten ein, das bis 1950 in Betrieb war. Danach riss man die Baracken ab, ein Gebäude blieb weiterhin in Benutzung und wurde erst 1996 abgerissen. © dpa-infocom, dpa:260430-930-15123/1