Datum30.04.2026 11:07
Quellewww.zeit.de
TLDRDie deutsche Wirtschaft verzeichnete Anfang 2024 ein unerwartetes Wachstum von 0,3 Prozent im Quartalsvergleich, gestützt durch höhere Konsumausgaben und Exporte. Die Erholung trotz des Irankriegs übertraf die Erwartungen, obwohl Experten und die Regierung ihre Jahresprognosen auf 0,6 Prozent senkten. Die Entwicklung bleibt unsicher, abhängig von der globalen Krisensituation und der Sperrung der Straße von Hormus. BDI-Präsident Leibinger fordert Wirtschaftsreformen.
InhaltÜberraschend wächst das deutsche BIP im ersten Quartal um 0,3 Prozent. Der Anstieg der privaten und staatlichen Konsumausgaben federte die Folgen des Irankriegs ab. Die deutsche Wirtschaft ist Anfang des Jahres etwas gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im ersten Quartal um 0,3 Prozent zum Vorquartal, teilte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mit. Grund dafür sei ein Anstieg der privaten und staatlichen Konsumausgaben sowie ein Anstieg der Exporte. Infolge des Irankriegs haben viele Expertinnen und Experten ihre Konjunktur-Prognosen für Deutschland massiv gesenkt, für das erste Quartal war mit einem Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet worden. Für das gesamte Jahr rechnen die führenden Wirtschaftsinstitute mit einem Wachstum von 0,6 Prozent. Damit senkten die Institute, ähnlich wie die Bundesregierung, zuletzt ihre Prognosen. Die weitere Entwicklung der Wirtschaft hängt mit der Entwicklung des Irankriegs zusammen. Die aktuellen Prognosen basieren laut dem Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Kramer, auf der Erwartung, dass die Straße von Hormus Ende Mai öffnet. "Mit jedem weiteren Monat der Sperrung steigt das Rezessionsrisiko. Die heutigen Zahlen könnten die Ruhe vor dem Sturm sein", sagte Krämer. Zwei wichtige Indikatoren für die Wirtschaftsentwicklung sind zuletzt stark gesunken. Sowohl die Verbraucherstimmung als auch das Geschäftsklima fielen im vergangenen Monat deutlich. Der Geschäftsklima-Index erreichte den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Gleichzeitig nahm bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Bereitschaft ab, Geld für größere Anschaffungen auszugeben. Dass die Wirtschaft gewachsen ist, liegt laut dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vor allem an den Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz sowie den Verteidigungsausgaben. BDI-Präsident Peter Leibinger forderte Wirtschaftsreformen für einen wettbewerbsfähigen Standort. "Globale Krisen dürfen keine Ausrede für fehlende Reformen sein, ganz im Gegenteil", sagte Leibinger. Die ausführlichen Kennzahlen legt das Statistische Bundesamt am 22. Mai vor. Mit der heutigen ersten Schätzung korrigierte das Statistikamt die Wachstumszahlen des vergangenen Quartals. Im vierten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft um 0,2 Prozent statt, wie bisher angegeben, um 0,3 Prozent. Das Gesamtwachstum für 2025 wurde damit auf 0,3 Prozent korrigiert.