Datum30.04.2026 10:31
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie deutsche Wirtschaft wuchs im ersten Quartal um 0,3 %, besser als erwartet. Trotz des Irankriegs und dessen Auswirkungen auf Energieversorgung und weltweite Konjunktur, trugen erhöhte Konsumausgaben und Exporte zum Wachstum bei. Analysten senkten ihre Prognosen für 2026, sehen jedoch durch Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben eine mögliche Vermeidung der Rezession. Der BDI mahnt Strukturreformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit an.
InhaltDie deutsche Wirtschaft ist Anfang des Jahres etwas gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März um 0,3 Prozent zum Vergleichsquartal des Vorjahres, ein besseres Ergebnis, als Experten erwartet hatten. Trotz des Irankriegs ist die deutsche Wirtschaft Anfang des Jahres etwas stärker gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Januar bis März um 0,3 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur ein leichtes Wachstum von 0,2 Prozent erwartet. Sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben waren höher als Ende 2025. "Auch die Exporte nahmen den vorläufigen Erkenntnissen nach zu", erklärte das Amt. Im Schlussquartal 2025 war die Wirtschaft um 0,2 Prozent gewachsen und damit etwas schwächer als bisher mit 0,3 Prozent gemeldet. Die Angriffe der USA und Israels auf Iran sowie dessen Gegenschläge bremsen seit Ende Februar die Wirtschaft weltweit und hier vor allem die Energieversorgung. Wegen des Nahost-Konflikts haben Wirtschaftsforscher und Analysten ihre Konjunktur-Prognosen für Deutschland 2026 massiv gesenkt. Hatten sie ursprünglich ein Wachstum von mehr als einem Prozent auf dem Zettel, so erwarten viele nur noch einen geringen BIP-Anstieg knapp über der Stagnation. Sollte der Irankrieg länger dauern, dürfte das die Wirtschaft weiter bremsen. Dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zufolge kommt Europas größte Volkswirtschaft in diesem Jahr womöglich um eine Rezession herum - vor allem durch das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie die Ausgaben für Verteidigung. "Aber staatliches Geld allein ersetzt keine Strukturreformen", sagte BDI-Präsident Peter Leibinger. Geopolitische Krisen erhöhten den Druck. Sie seien aber nicht die Ursache der hausgemachten wirtschaftlichen Schwäche. "Das beste Rezept gegen externe Schocks ist ein wettbewerbsfähiger Standort", fügte Leibinger hinzu. "Globale Krisen dürfen keine Ausrede für fehlende Reformen sein, ganz im Gegenteil."