Datum30.04.2026 09:38
Quellewww.zeit.de
TLDRBelgien hat den Rückbau seiner Atomreaktoren gestoppt und verhandelt über eine staatliche Übernahme der Anlagen. Dies soll Optionen für die Energieversorgung sichern, da die Laufzeit zweier noch aktiver Reaktoren bis 2035 verlängert wurde. Die belgische Regierung strebt eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung mit geringerer Abhängigkeit von fossilen Importen an.
InhaltDie belgische Regierung und der AKW-Betreiber Engie wollen nach eigenen Angaben über eine staatliche Übernahme der Atomreaktoren verhandeln. Der Abbau sei gestoppt. Belgien hat den Rückbau aller Atomreaktoren im Land unterbrochen. Die belgische Regierung und der bisherige Betreiber Engie hätten sich auf den Stopp und die Aufnahme von Verhandlungen über eine staatliche Übernahme der Atomreaktoren geeinigt, teilte Regierungschef Bart De Wever mit. Beide Seiten veröffentlichten zudem eine gemeinsame Erklärung. Der Stopp aller Rückbauarbeiten solle "sicherstellen, dass dem belgischen Staat alle Optionen offenstehen", hieß es darin. Das belgische Parlament hatte 2025 veranlasst, den Atomausstieg des Landes rückgängig zu machen. Diese Regierung entscheide sich für sichere, bezahlbare und nachhaltige Energie, argumentierte De Wever, "mit weniger Abhängigkeit von fossilen Importen und mehr Kontrolle über unsere eigene Versorgung". In Belgien sind derzeit noch zwei Reaktoren in Betrieb. Beide sollten bereits im vergangenen Jahr abgeschaltet werden, aufgrund der Energiekrise 2022 wurde ihre Laufzeit jedoch bis 2035 verlängert. Einer der aktiven Reaktoren befindet sich im Kraftwerk Doel an der niederländischen Grenze, der andere im Kraftwerk Tihange bei Lüttich, etwa 50 Kilometer Luftlinie von der deutschen Grenze entfernt. Darüber hinaus gibt in beiden Orten stillgelegte Reaktoren – drei in der Anlage Doel und zwei in Tihange. Dazu gehört auch der umstrittene Reaktor Tihange 2, der 2023 abgeschaltet wurde. Deutsche Politiker und Atomkraftgegner hatten jahrelang für die Stilllegung plädiert. Zuvor hatten Experten im Jahr 2012 tausende kleine Risse im Reaktordruckbehälter entdeckt. Alle Reaktoren stammen aus den 1970er- und 1980er Jahren.