Einzelhandel: In Deutschland werden deutlich weniger Schnittblumen gekauft

Datum30.04.2026 04:01

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Schnittblumenverkauf in Deutschland ist 2025 um 9,5 Prozent gesunken. Weniger Menschen kauften Blumen und gaben dafür im Schnitt mehr Geld aus, bedingt durch gestiegene Preise. Ökonomische Unsicherheit, steigende Produktions- und Transportkosten sowie weniger Produktionsfläche in Deutschland sind Hauptursachen. Auch demografische Veränderungen und das geringere Angebot in Geschäften tragen dazu bei.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Einzelhandel“. Lesen Sie jetzt „In Deutschland werden deutlich weniger Schnittblumen gekauft“. Die Menschen in Deutschland haben 2025 deutlich weniger Schnittblumen gekauft. Die Menge ging im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent zurück, wie Zahlen des Marktforschungsunternehmens YouGov zeigen. Käufer griffen demnach in dem Jahr im Schnitt 6,2-mal zu Sträußen oder einzelnen Stielen und damit seltener als 2024 (6,5-mal). Zudem kauften weniger Menschen Blumen. In den Zahlen enthalten sind neben einzelnen Schnittblumen auch Kränze, Gestecke, Gebinde, Trockenblumen sowie Mono- und Mischsträuße. Ein Strauß zählt als eine Einheit. Abgebildet sind ausschließlich private Käufe. Die Mengen sinken bereits seit einigen Jahren. 2025 lag die Zahl der gekauften Schnittblumen 19 Prozent unter dem Niveau von 2022. YouGov-Marktforscherin Petra Süptitz sieht dafür mehrere Gründe. "Wir leben in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Die Sparneigung liegt auf hohem Niveau. Die Menschen hinterfragen beim Einkaufen, was sie wirklich brauchen." Schnittblumen seien etwas, was man sich gönne oder für andere kaufe, wenn man ihnen eine Freude machen wolle. "Aber man braucht sie nicht unbedingt, sie sind verzichtbarer Luxus", sagte Süptitz. Verstärkt wird die Entwicklung durch steigende Preise. 2025 kostete ein Bund im Schnitt 7,26 Euro, im Vorjahr 6,59 Euro. "Die Teuerung der Betriebsmittel wie Energie, Transport und Arbeitskraft wirkt ebenso stark auf die Produktionskosten ein wie die Preissteigerungen bei Dünger und Pflanzenschutzmaßnahmen", sagte Britta Tröster, Marktanalystin der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Die Betriebe seien gezwungen, höhere Produktionskosten weiterzugeben. Andrea Kirchhoff vom Verband des Deutschen Blumen-, Groß- und Importhandels nennt noch andere Gründe: "Die Produktionsfläche von in Deutschland produzierten Schnittblumen nimmt immer weiter ab, das erhöht die Notwendigkeit von Importen." Sie verweist auf erhöhte Transportkosten sowie auf die in Krisenzeiten zunehmende Konkurrenz um Transportkapazitäten. Auch das führe zu einem Anstieg der Preise. Die sinkende Nachfrage hat laut Kirchhoff weitere Ursachen wie die demografische Entwicklung sowie das Verschwinden von Blumen aus der täglichen Wahrnehmung. Dies sei auch auf den Rückgang von Blumengeschäften und öffentlichen Blumendekorationen zurückzuführen. In Deutschland wurden 2025 laut YouGov im Schnitt pro Käufer 64,64 Euro für Schnittblumen ausgegeben und damit trotz geringerer Mengen etwa drei Prozent mehr als im Vorjahr. Dies liegt an den gestiegenen Preisen. Die mit Abstand beliebteste Schnittblume ist unverändert die Rose. Auf sie entfallen 42 Prozent der Gesamtausgaben, gefolgt von Tulpe (13 Prozent) und Chrysantheme (11 Prozent). Die meisten Schnittblumen werden den Marktforschern zufolge in Supermärkten und Discountern gekauft. Der Mengenanteil lag zuletzt bei etwa zwei Dritteln, der Rest entfällt unter anderem auf Blumenläden, Gartencenter und Tankstellen. Die Absätze gingen im Lebensmittelhandel sowie im Blumenfachhandel laut YouGov zuletzt in ähnlicher Höhe zurück. Eine Verschiebung sei nicht zu beobachten gewesen.  Nach Angaben des Fachverbandes Deutscher Floristen gibt es in Deutschland derzeit etwa 8.000 Blumenläden, vor zehn Jahren waren es noch rund 12.000. © dpa-infocom, dpa:260430-930-12861/1