Datum29.04.2026 18:21
Quellewww.zeit.de
TLDRDie proiranische islamistische Gruppe Hayi bekennt sich zu einem Messerangriff in Golders Green, London, bei dem zwei Männer verletzt wurden. Die britische Polizei ermittelt wegen Terrorverdachts gegen einen Festgenommenen. Hayi droht mit weiteren Anschlägen, sollte ein israelisches Gesetz für die Todesstrafe nicht gestoppt werden. Die Tat wird als gezielter Angriff auf die jüdische Gemeinde gewertet, was zu Forderungen nach besserem Schutz und internationaler Besorgnis führt.
InhaltDie proiranische Gruppe Hayi hat den Messerangriff in London für sich beansprucht. Die britische Polizei ermittelt wegen Terrorverdachts. Die proiranische, islamistische Gruppierung Hayi beansprucht den Messerangriff in einem jüdisch geprägten Viertel im Norden Londons für sich. "Einzelkämpfer" der Gruppe hätten zwei "Zionisten" im Stadtviertel Golders Green angegriffen und verletzt, heißt es in einer Stellungnahme, die die Gruppe heute auf proiranischen Kanälen im Internet verbreitete. In einem kurzen Clip zeigte die Gruppe auch Szenen des Angriffs, die Überwachungskameras und Augenzeugen gefilmt hatten. Die Gruppe verweist in dem Clip offenbar auch auf ein israelisches Gesetz vom März, mit dem die Todesstrafe ausgeweitet wird. Es sieht vor, dass bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel auch die Todesstrafe verhängt werden kann. "Wenn das Gesetz für die Hinrichtung von Gefangenen nicht gestoppt wird, werdet ihr auf der Straße hingerichtet", heißt es in dem Propagandaclip. Die britische Polizei ermittelt in dem Fall inzwischen wegen eines mutmaßlichen Terrorakts. Ein 45-jähriger Verdächtiger wurde festgenommen. Er soll im jüdisch geprägten Viertel Golders Green zwei Männer mit einem Messer angegriffen haben. Polizisten stoppten den Mann mit einem Elektroschocker. Dabei versuchte der Verdächtige laut Polizei auf die Beamten einzustechen, diese blieben jedoch unverletzt. Die Ermittler prüfen nun die Nationalität des Angreifers und die genauen Hintergründe der Tat. Nach Angaben des Londoner Polizeichefs Mark Rowley ist der Verdächtige in der Vergangenheit bereits durch schwere Gewalttaten aufgefallen und hat psychische Probleme. Auf einer Pressekonferenz erklärte Rowley, es handele sich um einen "entsetzlichen Gewaltakt", der sich gegen die jüdische Gemeinde gerichtet habe. Der britische Premierminister Keir Starmer berief das nationale Krisenkomitee der Regierung ein. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte von der britischen Regierung umgehende Schritte für einen besseren Schutz von Juden. Er warf den Behörden "Untätigkeit" vor. "Worte reichen nicht aus", sagte Netanjahu. Israels Präsident Isaac Herzog warnte, es sei mittlerweile gefährlich geworden, sich in London als Jude offen auf der Straße zu bewegen. Auch der deutsche Verfassungsschutz hatte unlängst vor Hayi gewarnt und von einer möglichen Ausweitung und größeren Intensität der Anschläge gesprochen. Die Gruppe hat bereits diverse Anschläge auf jüdische Einrichtungen in ganz Europa für sich beansprucht, vor allem in London, aber auch auf ein jüdisches Lokal in München. Seit Beginn des Irankriegs wurden in der britischen Hauptstadt zahlreiche Synagogen und andere jüdische oder israelische Einrichtungen mit Brandanschlägen attackiert. Weltweit nahmen die antisemitischen Übergriffe stark zu.