Gestrandeter Wal: Der Wal ist weg – und auf Poel kehrt der Alltag zurück

Datum29.04.2026 16:01

Quellewww.zeit.de

TLDRNach vier Wochen ist ein gestrandeter Buckelwal von Poel abtransportiert worden. Das über 12 Tonnen schwere Tier wurde auf eine mit Wasser gefüllte Barge verladen und ist nun auf dem Weg zur Nordsee. Die Bergungsaktion beendete den Ausnahmezustand in Kirchdorf, der zu Verkehrsbehinderungen und Einschränkungen für Anwohner und Gewerbetreibende führte. Trotz anfänglichen Unmuts äußern sich viele erleichtert über die Rückkehr zur Normalität.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Gestrandeter Wal“. Lesen Sie jetzt „Der Wal ist weg – und auf Poel kehrt der Alltag zurück“. Allmählich kehrt der Alltag zurück in den kleinen Küstenort auf der Insel Poel. Einen Tag nach der großen Bergungsaktion des hier gestrandeten Buckelwals ist der Einsatz in Kirchdorf beendet. Viele vor Ort sind erleichtert. "Dadurch war ja ganz Poel dicht", sagt Peter Richter, der am Vormittag im Hafen sein Boot mit einem Kran ins Wasser setzt. Jeden Morgen auf dem Weg zur Bootshalle hätte er seinen Ausweis vorzeigen müssen, erzählt der 80-Jährige aus dem nahegelegenen Neukloster. "Nee, das war nicht schön." Das Schlimmste sei der Trubel gewesen, "durch die Demonstranten, die noch unvernünftig waren und Zäune umgerissen haben und quer über den Acker gelaufen sind", sagt Richter. "Der Wal hat uns theoretisch ja gar nicht gestört." Der rund zwölf Meter lange und etwa zwölf Tonnen schwere Meeressäuger hatte vier Wochen lang in der Bucht vor Kirchdorf festgesteckt. Am Dienstag war es der privaten Initiative gegen den Rat von Wissenschaftlern gelungen, das Tier in eine sogenannte Barge zu bugsieren. Das mit Wasser gefüllte Lastschiff ist aktuell auf dem Weg in Richtung Nordsee. Für Kathrin Anders, die vom Fischkutter "Kumm wedder" ihres Sohns hier im Hafen Pommes und Fischbrötchen verkauft, waren die vergangenen Wochen "schon stressig", wie sie sagt. "Allein schon, weil hier alles abgesperrt war." Dadurch seien spürbar weniger Leute an den Kutter gekommen. Ansonsten habe sie den ganzen Trubel gar nicht so schlimm gefunden. Und es sei ja für etwas Gutes gewesen. "Ist ja nicht jeden Tag so", sagt sie. Doch es gab auch Unmut über die Stimmung. Einige Gäste seien "dumm angemacht" worden, weil sie sich ein Fischbrötchen gekauft hätten, während hier ein Wal gerettet wurde, erzählt Oliver Schöne. Der Poeler geht gerade mit seiner Hündin Uschi an der Kaikante spazieren. "Das geht ein bisschen zu weit." Auf die Frage, ob die aufsehenerregenden Aktionen dafür nicht in Zukunft mehr Gäste anziehen könnten, winkt er allerdings ab. "Wir haben hier mehr als genug Touristen." Am Mittwochnachmittag packen die Helferinnen und Helfer der DLRG und der privaten Initiative am Hafen ihre letzten Sachen zusammen. Transporter werden beladen, die Zelte und Absperrbänder sind schon abgebaut. Vereinzelt sind noch Live-Schalten und Fernsehteams zu sehen. Ansonsten ist es im Vergleich zu den vergangenen Tagen ruhig. Das Ehepaar Wagner aus Hamburg ist am Tag nach der großen Aktion zu Besuch in Kirchdorf. "Und jetzt haben wir auch einen Parkplatz bekommen", sagt Dirk Wagner. In der einen Hand hält er ein Fischbrötchen, in der anderen die Hand seiner Frau. "Davor wäre es schwierig geworden. Wir wurden schon nach Timmendorf auf den Parkplatz verwiesen, aber den Weg wollten wir nicht." Der Rummel sei "doch recht heftig" gewesen. Der dürfte nun aber erst mal vorbei sein. © dpa-infocom, dpa:260429-930-10784/1