Datum29.04.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRNavigationssysteme auf der Ostsee sind zunehmend gestört, was auf russische Sabotage hindeutet. Dies ist ein Thema auf der Nationalen Maritimen Konferenz in Emden, wo Sicherheit im Fokus steht. Gleichzeitig feiert Hamburg seinen Hafengeburtstag, der auch für die Olympiabewerbung genutzt wird. Derweil fordert der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen zügige Bauprojekte trotz steigender Preise.
InhaltDie Elbvertiefung am Mittwoch – Mit den Opfern von Frauenmörder Fritz Honka, einem Gespräch mit Schauspieler Sebastian Bezzel und dem Programm vom Hafengeburtstag wenn Sie gerade einen Segeltörn auf der Ostsee planen, sollten Sie tunlichst klassische Seekarten, einen Kompass oder auch einen Sextanten einpacken. Der Grund: Seit Monaten verzeichnen private Skipper und Kapitäne von Frachtern einen Anstieg absichtlicher Störungen der Navigationssysteme der Schiffe, bis hin zu kompletten Ausfällen. Kurz: Der Törn auf der Ostsee kann für Minuten und manchmal sogar für Stunden zur Blindfahrt werden. "Die Zahl hybrider Angriffe auf die Handelsschifffahrt nimmt spürbar zu", sagt Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder. "Beinahe täglich" würden Störungen gemeldet. Häufig würden Störsender eingesetzt. Als Folge würden das satellitengestützte Navigationssystem GPS gestört oder das automatische Identifikationssystem AIS, das die Position, den Kurs und die Geschwindigkeit an andere Schiffe übermittelt. In der Fachsprache gibt es dafür eigene Begriffe: Beim Jamming senden Störsender so starke Signale aus, dass der Empfang blockiert wird und keine Positionsdaten mehr verfügbar sind. Beim Spoofing werden gezielt falsche Signale eingespeist, sodass ein Schiff etwa eine verfälschte Position angezeigt bekommt. Die Ursache der Störungen ist nur schwer nachzuweisen. Was auffällt: Seitdem Russland die Ukraine 2022 überfallen hat, nehmen solche Attacken auf der Ostsee zu, ebenso wie Drohnenüberflüge in Häfen wie Hamburg oder Bremerhaven oder die Sabotage von Marineschiffen. Angesichts der Angriffe warnt auch der Inspekteur der Deutschen Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, vor einer zunehmenden Bedrohung durch Russland. "Die Bedrohung ist real, die Lage ist ernst", sagt Kaack. Besonders in der Ostsee habe die Aggressivität zuletzt zugenommen, so der deutsche Marinechef. Entscheidern wie Kaack oder Kröger dürfte heute und morgen sehr genau zugehört werden. Zwei Tage lang treffen sich Vertreter aus Häfen, Schiffbau, Offshore-Windkraft und Politik zur 14. Nationalen Maritimen Konferenz in Emden – im Fokus steht das Thema Sicherheit. Etwa 800 Gäste haben sich zum Spitzentreffen der maritimen Branche angemeldet. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche werden nach Ostfriesland reisen, vielleicht können sie danach ja etwas gezielter navigieren. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Kristina Läsker PS: Ab heute können Sie am Kiosk übrigens die neue Ausgabe der ZEIT kaufen – wie immer am Ende des Monats mit eigenem Hamburg-Teil. Dieses Mal geben wir darin auch zwölf Antworten auf wichtige Fragen rund um Hamburgs Olympiabewerbung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de. Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen fordert die Kommunen auf, geplante Bauprojekte angesichts steigender Baupreise zügig umzusetzen. "Alle Beteiligten müssen jetzt rasch ins Bauen kommen, um zu retten, was noch zu retten ist", sagte Verbandsdirektor Andreas Breitner. Er warnte davor, dass die steigenden Kosten die Einsparungen durch den Hamburger "Bau-Turbo" aufzehren könnten. Betroffen sind demnach Baustoffe wie Stahl, Beton, Dämmstoffe oder Folien auf Rohölbasis, hier geht der Verband von drei bis fünf Prozent höheren Kosten aus. Schiffe aus aller Welt, Schlepperballett, Feuerwerk, Auftritte von Stars wie Max Giesinger oder Michael Schulte und eine Show mit etwa 900 Drohnen: Vom 8. bis 10. Mai wird Hamburg den 837. Hafengeburtstag feiern. Der rot-grüne Senat will das Fest nutzen, um für ihre Olympiabewerbung zu werben. Laut Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard bietet das Programm Optionen, "um sich mit der Olympischen Idee vertraut zu machen". Am 31. Mai werden die Bürger der Hansestadt darüber abstimmen, ob Hamburg sich für die Olympischen Spiele bewirbt. Der 35-jährige Zeuge, der bei der Entführung der Block-Kinder der Fahrer eines Autos gewesen sein soll, hat am Dienstag zum zweiten Mal im Prozess ausgesagt. Dabei berichtete er von einer angeblichen Drohung einer Mitarbeiterin des Chefs der israelischen Sicherheitsfirma, die für die Tat verantwortlich sein soll. Der gestrandete Buckelwal ist vor der Ostsee-Insel Poel mit einer Barge von seiner Position wegbewegt worden. Der mit Wasser gefüllte Lastkahn wurde gestern Abend von mehreren Booten weggeschoben. Der seit Ende März festliegende Wal war zuvor durch eine eigens gebaggerte Rinne zu der Barge bugsiert worden. Im tieferen Wasser soll der Lastkahn samt Wal von einem Schlepper übernommen und in die Nordsee gezogen werden. Gerettet ist der Wal aber längst noch nicht: Experten des Meeresmuseums warnen explizit vor dem Transport des geschwächten Tieres. In Bayern kennt den Schauspieler Sebastian Bezzel jeder – als Kommissar Franz Eberhofer. Mit seiner Familie lebt er in Ottensen und freut sich, dass er nicht ständig erkannt wird. Und dass ihm hier keiner eine Lederhose aufzwingt. ZEIT:Hamburg-Ressortleiterin Maria Rossbauer hat ihn getroffen; lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview. DIE ZEIT: Herr Bezzel, Sie sind in Bayern geboren und leben seit 17 Jahren in Hamburg. Wie häufig müssen Sie sich dafür rechtfertigen? Sebastian Bezzel: Nicht mehr so oft wie früher. Als ich vor 20 Jahren nach Berlin gezogen bin, haben mich die Leute zu Hause angeschaut und gesagt: "Können wir dir helfen?" Da musste ich sagen: "Nein, ich will da hin!" Hamburg ist zwar noch weiter weg, aber das finden im Süden viele cooler. ZEIT: Sie haben einmal in einem Interview gesagt, dass Sie nicht damit gerechnet hatten, so lange in Hamburg zu bleiben. Bezzel: Ich hatte früher Hamburg einfach nicht auf dem Schirm. Ich wusste, ich will aus Berlin weg und wäre eigentlich wieder nach München gezogen. Das ist für mich einer der schönsten Orte der Welt, und wenn ich meine Frau nicht kennengelernt hätte, würde ich jetzt dort leben. Aber ich habe sie kennengelernt, war viel bei ihr in Ottensen und habe irgendwann gesagt: "Wir probieren das jetzt aus." Und jetzt bin ich immer noch hier. ZEIT: Bereut haben Sie das nie? Bezzel: Nein, gar nicht. Ottensen ist super, es ist genau die richtige Mischung aus Berlin und München. Ein bisschen bürgerlicher als Berlin, aber mehr open-minded als München. Ich muss aber auch sagen, dass ich mit dem St. Pauli Theater eine künstlerische Heimat gefunden habe, die es für mich in München so nicht gäbe. Ich fühle mich in diesem Haus sehr wohl, das liegt am Intendanten, an der intelligenten Unterhaltung, die wir da machen, aber auch an dem Live-Erlebnis mitten auf dem Kiez, das ist super. Wie sehr Sebastian Bezzel das Hamburger "Sie" schätzt, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Vier Frauen im Schatten eines Mythos Den Frauenmörder Fritz Honka aus Hamburg kennt fast das ganze Land. Doch seine Opfer blieben lange unsichtbar. In zwei Folgen des ZEIT-Podcasts "Verbrechen" erzählen Anne Kunze, Daniel Müller und Leonie Daumer ihre Geschichten. → Zu der ersten Podcastfolge Scott Galloway ist ein weltbekannter Podcaster. Der Marketingprofessor an der New York University gründete selbst neun Unternehmen. Im Live-Podcast "Alles gesagt" spricht Galloway am 5. Mai mit den Gastgebern Christoph Amend und Jochen Wegner im Kleinen Saal der Laeiszhalle unter anderem darüber, welche Konzerne die KI-Ära dominieren werden – und wer die Kontrolle verliert. Und es geht darum, was passiert, wenn das Vertrauen in Institutionen, Märkte und Medien weiter erodiert. Das Gespräch findet auf Englisch statt. Wir verlosen für die Veranstaltung 10-mal zwei Tickets. Teilnahme an der Verlosung unter diesem Link. "Alles gesagt?" live mit Scott Galloway; 5. Mai., 13 Uhr, Laeiszhalle, Kleiner Saal, Johannes-Brahms-Platz Zwei SUP-Boards gleiten die Oberalster hoch, vorbei am Skulpturengarten in Wohldorf. Sagt der vordere Paddler: "Guck mal rechts!" Der hintere: "Was ist da?" Der vordere: "Kultur!" Der hintere: "Oh, cool!" Gehört von Rembert Müller Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.