Datum29.04.2026 05:30
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Ruhrtalradweg feiert 20-jähriges Jubiläum und ist eine beliebte Route, die Industriekultur mit Natur verbindet. Von der Quelle im Sauerland bis zur Mündung führt er vorbei an Zechen, grünen Landschaften und Fachwerkdörfern. Obwohl meist gut ausgeschildert und verkehrsarm, gibt es auf der Strecke noch Baustellen. Die Infrastruktur mit Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten ist gut ausgebaut, die Fahrradmitnahme in Zügen kann jedoch schwierig sein.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Radtourismus“. Lesen Sie jetzt „Industriekultur und grüne Idylle – Ruhrtalradweg wird 20“. Aus dem beschaulichen Sauerland rein in die größte Metropolregion Deutschlands: Die Ruhr ist wohl einer der faszinierendsten Flüsse in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Fahrrad kann man in einigen Tagen die komplette Strecke von der Quelle bis zur Mündung schaffen - vorbei an alten Zechen, grünen Landschaften und Fachwerkdörfern. Nun feiert der Ruhrtalradweg 20. Geburtstag. Am 30. Juni 2006 wurde die Strecke eröffnet. Ein Blick auf einen der beliebtesten Flussradwege in Deutschland. "Kein anderer Fluss in Deutschland verbindet Industriekultur und Natur auf so engem Raum wie der Ruhrtalradweg", verspricht der Arbeitskreis Ruhrtalradweg. Meist geht es auf extra Radwegen direkt am Fluss entlang. Wer die Strecke von der Quelle bis zur Mündung fährt, startet im waldreichen Sauerland. Nach rund 100 Kilometern erreicht man in Fröndenberg die Ausläufer des Ruhrgebiets. "Man radelt dann ganz sanft hinein in dieses durch die Industrie verdichtete Ruhrtal", sagt Harald Spiering, der den Ruhrtalradweg schon 20 Mal gefahren ist und zu den Gründungsvätern des Weges zählt. "Industriekultur und Landschaft vermischen sich. Das ist ein einzigartiger Spannungsbogen." Sehr sportliche Radfahrer fahren den gesamten Ruhrtal-Radweg in zwei bis drei Tagen. Wer mehr Muße hat, nimmt sich eher eine Woche Zeit oder fährt einzelne Etappen - und kann dabei je nach Vorliebe zwischen den verschiedenen Streckenabschnitten entscheiden. Im Sauerland fließt die Ruhr durch wunderschöne Waldgebiete vorbei an Naturschutzgebieten und unberührten Landschaften. Später im Ruhrgebiet ist es entlang des Flusses zwar oft auch noch grün, aber im Mittelpunkt steht die Industriekultur. An vielen Stellen kann man sehen, wie die Kohle die Region geprägt hat. Ein Höhepunkt sind die sechs Stauseen, die gerade am Wochenende Wassersportler, Spaziergänger und Radler anziehen. Auf dem letzten Abschnitt hinter Mülheim prägt dann häufiger die moderne Industrie das Landschaftsbild. Direkt an der Strecke oder mit kleinen Abstechern zu erreichen gibt es unzählige Museen und nette Städtchen. Ein beliebtes Ziel ist das Besucherbergwerk der Zeche Nachtigall in Witten - eine der ältesten Zechen des Ruhrgebiets. Oder die Henrichshütte in Hattingen - mit dem ältesten Hochofen im Revier, wo früher bis zu 10.000 Menschen gearbeitet haben. Dazu gibt es wunderschöne Altstädte wie in Hattingen oder den Essener Stadtteil Kettwig. Auf den ersten 35 Streckenkilometern im Sauerland gibt es einige knackige Steigungen, im weiteren Verlauf ist der Weg dann auch für Kinder leicht zu bewältigen. Autoverkehr gibt es entlang der ausgeschilderten Route nur selten. Denn auch wenn man die großen Städte des Ruhrgebiets durchquert und manch staugeplagtes Autobahnkreuz sieht, bekommt man entlang der Ruhr vom Verkehrschaos auf den Straßen kaum etwas mit. Der weit überwiegende Teil der Strecke verläuft auf separaten Radwegen, Wirtschaftswegen und Nebenstraßen. Der Fahrradclub ADFC bewertet den Ruhrtalradweg seit Jahren als Qualitätsradroute mit vier Sternen. Leichte Abzüge gab es von den Testern zuletzt bei der Wegbreite und der Ausschilderung. Im Gegenzug gab es Bestnoten für Übernachtungsmöglichkeiten, Gastronomie und Spielplätze. "Der Ruhrtalradweg überzeugt mit seiner sehr guten Oberflächenqualität, einer sehr geringen Verkehrsbelastung und einer großartigen touristischen Infrastruktur", sagt ADFC-Radtourismusexpertin Mandy Schwalbe-Rosenow. An der Strecke wird immer wieder gebaut - auch mit Auswirkungen für Radtouristen. Die beiden aktuell größten Baustellen gibt es ganz zum Beginn und ganz zum Schluss: Vor ein paar Wochen haben Bauarbeiten zwischen Winterberg und Olsberg begonnen. Dadurch müssen Radfahrer gut einen Kilometer an einer Bundesstraße entlangfahren und auch einige zusätzliche Höhenmeter bewältigen. Wer das nicht will, kann erst in Olsberg-Bigge starten - verpasst dadurch aber natürlich die Ruhrquelle. In Duisburg an der Mündung gibt es eine Großbaustelle. Die offizielle Wegführung des Ruhrtalradwegs endet deshalb im Moment schon im Duisburger Innenhafen an der Altstadt. Wer trotzdem sehen will, wie die Ruhr in den Rhein fließt, muss mehrere Kilometer durch ein Industriegebiet fahren. Im dicht besiedelten Ruhrgebiet gibt es viele Zugverbindungen. Doch der Knackpunkt ist gerade an sonnigen Wochenendtagen oft die Fahrradmitnahme im Zug. Im Fernverkehr ist die Fahrradmitnahme reservierungspflichtig, und die wenigen Plätze sind oft schnell vergeben. Im Regionalverkehr kann man das Rad spontaner mitnehmen - wenn denn noch Platz im Zug ist. Das ist vor allem zu Stoßzeiten nicht garantiert. Wer mit dem Zug nach Winterberg will, hat es nachmittags oft deutlich einfacher als morgens, rät der Tourismus-Verband. Unter anderem zwischen Dortmund und Winterberg setzt die Bahn in der Hauptsaison auch zusätzliche Busse mit Fahrradanhängern ein. Ob im Restaurant, beim Bäcker, am Rathaus oder am Museum: Entlang der Ruhr gibt es inzwischen viele Möglichkeiten, um unterwegs etwas Strom nachzutanken. Einen Überblick gibt es vom Tourismusverband. In allen 23 Orten entlang der Strecke gibt es Hotels und Pensionen. Mehr als 200 sind inzwischen vom ADFC als Bett+Bike-Betrieb zertifiziert - bieten also spezielle Angebote für Radler. "Dazu gehört insbesondere eine sichere Abstellmöglichkeit für Fahrräder, ein Reparaturset oder die kurzfristige Aufnahme auch für eine Nacht", sagt Geschäftsführer Stephan Durant. Die meisten haben außerdem Lademöglichkeiten für E-Bikes. Wer sich seine Hotels nicht einzeln zusammensuchen will, findet bei mehreren Tourismus-Anbietern auch Komplettpakete. Teilweise kann man sogar den Gepäcktransport von Unterkunft zu Unterkunft mitbuchen. © dpa-infocom, dpa:260429-930-7179/1