Datum29.04.2026 03:09
Quellewww.spiegel.de
TLDRBei der Fußball-WM wird das Bedecken des Mundes bei verbalen Auseinandersetzungen mit Gegnern mit Rot bestraft, um diskriminierendes Verhalten zu verhindern. Fifa-Präsident Infantino argumentiert, dass Spieler, die nichts zu verbergen haben, ihren Mund nicht zudecken müssten. Diese Regeländerung des Ifab war eine Reaktion auf einen Vorfall im Champions-League-Spiel zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon.
InhaltAuf dem Fußballplatz wird gern und oft gepöbelt. Viele Profis bedecken dabei ihren Mund, um bei Schiedsrichter und Kameras nicht aufzufallen. Während der Weltmeisterschaft greift nun eine strengere Regel. Mal eben eine Beleidigung an den Gegenspieler loswerden: Das kann künftig auch hinter vorgehaltener Hand vom Schiedsrichter geahndet werden. Nach einer Forderung von Fifa-Präsident Gianni Infantino können Spieler, die in einer Konfrontation mit dem Gegner ihre Hand vor den Mund halten, bei der Fußball-WM mit der Roten Karte bestraft werden. Diese Änderung beschlossen die internationalen Regelhüter des International Football Association Board (Ifab) bei einer Sondersitzung in Vancouver. Damit solle diskriminierendes Verhalten verhindert werden, teilte das Ifab weiter mit. Ob die Regel auch in anderen Wettbewerben wie beispielsweise der Bundesliga oder der Champions League zur Geltung kommt, ist zunächst den Organisatoren überlassen. Es sei aber möglich, dass dies langfristig verpflichtender Bestandteil der Regeln werde, teilte das Ifab mit. "Wenn ein Spieler seinen Mund bedeckt und etwas sagt und dies rassistische Folgen hat, dann muss er natürlich vom Platz gestellt werden", hatte Infantino bei Sky vor knapp zwei Monaten gesagt. Mit der Hand vor dem Mund wollen Spieler auf dem Platz häufig für die Öffentlichkeit verschleiern, was sie sagen. Das ist auch in anderen Sportarten üblich. Basketballer in der nordamerikanischen Profiliga NBA nutzen den Handtrick oft, um sich vor Lippenlesern zu schützen. Geahndet wird das bisher nicht. Im Fußball sieht das nun anders aus. "Warum muss ein Spieler seinen Mund zudecken, wenn er etwas zu einem anderen Spieler sagt?", so Infantino. Man müsse in so einem Fall davon ausgehen, dass der Spieler auf dem Fußballplatz etwas gesagt hat, was er nicht gesagt haben sollte. "Wenn man nichts zu verbergen hat, hält man sich beim Sprechen nicht den Mund zu. So einfach ist das", sagte Infantino. Die Debatte war nach einem Vorfall im Champions-League-Spiel zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon entbrannt. Lissabons Profi Gianluca Prestianni hatte sich in einer Auseinandersetzung mit Real-Star Vinícius Júnior das Trikot vor den Mund gezogen. Prestianni stand im Verdacht, sich rassistisch geäußert zu haben. Er bestritt das. Die Europäische Fußball-Union Uefa sperrte den Argentinier wegen einer homophoben Äußerung für sechs Spiele, davon drei zur Bewährung. Auch in einem anderen Punkt wurden die Regeln für die WM verschärft. Spieler, die den Platz aus Protest gegen eine Schiedsrichterentscheidung verlassen, können die Rote Karte sehen. Dies gilt auch für Offizielle, die Spieler auffordern, dies zu tun. Wenn ein Team damit einen Spielabbruch verursacht, wird die Partie grundsätzlich für den Gegner gewertet. Auch diese Regel gilt bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko, die am 11. Juni beginnt. Das Ifab reagiert damit auf die Vorkommnisse beim Afrika-Cup-Finale zwischen Marokko und dem Senegal. Nach einem späten Elfmeterpfiff für Marokko hatten Senegals Spieler beim chaotischen Endspiel Mitte Januar in Rabat aus Protest den Platz zwischenzeitlich verlassen erst nach längerer Unterbrechung wurde die Partie fortgesetzt. Senegal gewann nach Verlängerung, später wurde ihnen der Titel vom CAF wieder aberkannt. Das chaotische Finale von Rabat gewann Senegal – doch zwei Monate später muss das Team den Titel wieder abgeben. Welche Regel wurde der Mannschaft zum Verhängnis? Und wie geht es jetzt weiter? Mehr dazu hier .