Datum28.04.2026 18:32
Quellewww.spiegel.de
TLDRBerlins Bildungssenatorin entschuldigt sich bei Oziel Inácio-Stech. Der Pädagoge sah sich an seiner Schule Mobbing und falschen Anschuldigungen ausgesetzt, fühlte sich von der Schulaufsicht im Stich gelassen. Nach öffentlicher Aufsehen erregender Schilderung seiner Erfahrungen, u.a. wegen seiner Homosexualität, rehabilitiert die Senatorin ihn nun offiziell. Sie bedauert den Umgang mit den Verdachtsmomenten und bestätigt, dass ihm kein dienstliches Fehlverhalten zur Last liegt. Inácio-Stech zeigt sich erleichtert und dankbar.
InhaltDer Pädagoge Oziel Inácio-Stech sah sich an seiner Schule Mobbing und falschen Vorwürfen ausgesetzt. Von der Schulaufsicht fühlte er sich im Stich gelassen. Die Bildungssenatorin hat ihn nun rehabilitiert. Der Fall Oziel Inácio-Stech sorgte im Sommer 2025 deutschlandweit für Aufsehen: Der Pädagoge schilderte öffentlich, dass er von vorwiegend muslimischen Schülern der Carl-Bolle-Grundschule im Berliner Stadtteil Moabit wegen seiner Homosexualität angefeindet worden sei. Gleichzeitig sah er sich durch eine Kollegin und die damalige Schulleitung falschen Verdächtigungen ausgesetzt. Nun hat sich Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) bei Inácio-Stech entschuldigt. Das berichten "Tagesspiegel" und "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf einen Brief, den die Senatorin Inácio-Stech übergeben haben soll. "Ich entschuldige mich ausdrücklich dafür, dass selbst, nachdem die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren nach § 170 Absatz 2 Strafprozessordnung eingestellt hat, weiterhin gegen Sie schulintern ermittelt worden ist und die Konfliktsituation an der Carl-Bolle-Grundschule im Interesse aller Kolleginnen und Kollegen nicht gelöst werden konnte", schreibt Günther-Wünsch den Berichten zufolge in dem Brief. Inácio-Stech hatte öffentlich beklagt, weder Schulleitung noch Schulaufsicht hätten ihm gegen das Mobbing geholfen. Stattdessen sei ihm von einer Kollegin vorgeworfen worden, Kindern zu nahe gekommen zu sein. Die polizeilichen Ermittlungen wurden später eingestellt. Inácio-Stech sagte dem SPIEGEL im Juni 2025 , die Anfeindungen seien "die Hölle" gewesen. Dass so viel über seinen Fall berichtet werde, finde er gut, die Öffentlichkeit solle von den Problemen erfahren. "Viele Lehrer erleben das, was ich erlebt habe, jeden Tag", sagte er. "Das sind nicht nur ein oder zwei, sondern eine ganze Welle." Außerdem sprach der Pädagoge in dem Zusammenhang von einem "kompletten Systemversagen". Bildungssenatorin Günther-Wünsch wies das damals zurück. Nun versicherte Günther-Wünsch dem Pädagogen "noch einmal, dass mir der Umgang mit den Verdachtsmomenten gegen Sie sehr leidtut". Darüber hinaus wolle sie "noch einmal klarstellen, dass Ihnen kein dienstliches Fehlverhalten, keine Pflichtverletzung und kein disziplinarisch relevantes Verhalten zur Last gelegt wird". Sie "bedauere, dass die damaligen Auseinandersetzungen Sie weiterhin stark belasten". Oziel Inácio-Stech sagte laut "Süddeutscher Zeitung", er sei "erleichtert" und "überglücklich", nach fast einem Jahr durch die Bildungssenatorin rehabilitiert worden zu sein. Senatorin Günther-Wünsch habe "Rückgrat bewiesen" und nun in der Öffentlichkeit sämtliche Fehler im Umgang mit seinem Fall eingeräumt. Dem Bericht zufolge ist der Pädagoge noch immer wegen einer "starken posttraumatischen Belastungsstörung" krankgeschrieben und in psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung. Angst- und Panikattacken seien mittlerweile "größtenteils weg", nachdem die Senatorin sich mehrfach mit ihm getroffen und sich persönlich bei ihm entschuldigt habe.