Datum28.04.2026 18:28
Quellewww.spiegel.de
TLDRKönig Charles spricht vor dem US-Kongress über den Konflikt im Nahen Osten, während die Bundesregierung eine Zuckersteuer zur Finanzierung der Krankenkassen plant. In der Ostsee wurde ein gestrandeter Wal erfolgreich auf eine Barge verladen, um in die Nordsee gebracht und freigelassen zu werden. Hollywoods Casting-Methoden werden kritisiert und der Film "Apex" wird als spannender, aber harmloser Thriller beschrieben.
InhaltKönig Charles ist auf heikler Mission im US-Kongress. Die Regierung will uns nicht weiter das Leben versüßen. Und in der Ostsee dürfen die Walretter hoffen. Das ist die Lage am Dienstagabend. Die drei Fragezeichen heute: Mein Name ist Windsor, Charles Windsor: Wenn der britische Monarch heute Abend vor dem US-Kongress spricht, ist er nicht nur in historischer, sondern ähnlich heikler Mission unterwegs wie so oft der fiktionale Agent in den Diensten Ihrer Majestät, James Bond. (Lesen Sie hier mehr ) Dreieinhalb Jahrzehnte sind seit dem bislang einzigen royalen Auftritt vor dem Kongress vergangen, damals sprach dort Königin Elizabeth II. Kurz zuvor hatte eine von den USA angeführte internationale Koalition das vom Irak besetzte Kuwait befreit. Die Monarchin betonte in ihrer Rede die Gemeinsamkeiten der beiden Länder, etwa deren demokratische Grundwerte. Gewaltvolle Aggression, so die Königin, werde auf Dauer nicht bestehen. Ihr Sohn spricht nun wieder zu den Amerikanern vor der Kulisse eines Konflikts in Nahost, allerdings redet König Charles diesmal mit dem Aggressor: Die USA hatten Ende Februar Iran angegriffen, zusammen mit Israel. Das amerikanisch-britische Verhältnis ist seitdem zerrüttet: Der britische Premierminister Keir Starmer hatte zu Beginn der Angriffe jegliche Beteiligung an den Militäreinsätzen abgelehnt und den USA zunächst auch die Nutzung britischer Militärbasen verweigert. Damit hatte er US-Präsident Donald Trump erzürnt. "Ich hoffe, Sie können mich alle gut sehen" – mit ihren ersten Worten erntete Elizabeth II. 1991 sofort einen Lacher (falls Sie sich die Rede anschauen wollen – hier entlang ). Ihr Sohn wird es nicht so leicht haben: Er soll die Amerikaner besänftigen, aber sich nicht anbiedern. Die meisten Briten lehnen den Irankrieg ab. Wie sich König Charles dabei schlägt, können Sie bei uns im Liveticker verfolgen – ab voraussichtlich 20.35 Uhr auf SPIEGEL.de. In den gesetzlichen Krankenkassen klafft ein Milliardenloch. Die Regierung will es künftig mit einer Zuckersteuer schließen – oder zumindest Teile davon. Wie heute aus Kreisen des Finanzministeriums bekannt wurde, plant die Bundesregierung eine sogenannte Zuckerabgabe, außerdem will sie demnach die Alkohol- und Tabaksteuer erhöhen. (Lesen Sie hier mehr zu den geplanten Änderungen ) Anders als der Tankrabatt wäre das eine sinnvolle Maßnahme: Die Zahl der Menschen mit Übergewicht in Deutschland nimmt seit Jahren zu, die Folgeerkrankungen belasten das Gesundheitssystem enorm. Allerdings frage ich mich, warum die Abgabe nach jetzigem Stand nur für zuckerhaltige Getränke gelten soll. Wenn ich den Naschkonsum meiner Kinder (und meinen) ehrlich bewerte, könnte meinetwegen sämtlicher Süßkram unerschwinglich werden (Lesen Sie dazu auch den Kommentar meines Kollegen Markus Deggerich ). Außerdem frage ich mich, ob die Limo-Hersteller die Steuer nicht mit "Light"- oder "Zero"-Produkten mit Zuckerersatzstoffen einfach umgehen können. Hoffentlich denkt jemand daran, diese Lücke im künftigen Gesetz zu schließen. Was haben Ihre Großeltern Ihnen erzählt? Welche Mythen kursieren in Ihrer Familie? Der SPIEGEL sammelt Ihre Geschichten (hier mehr dazu). Schreiben Sie uns unter: MeinGrossvater.Reporter@spiegel.de Deutschland hat in den vergangenen Stunden eine maritime Vokabel gelernt: Barge. Das ist ein antriebsloser Lastkahn, oft auch Schute genannt. In ein solches mit Wasser gefülltes Transportschiff ist am Nachmittag der in Poel gestrandete Wal unter dem Jubel der versammelten Retter hineingeschwommen. Aus eigener Kraft. Die Bilder berühren. Ein wenig schäme ich mich dafür, dass ich den Wal hier an dieser Stelle vergangene Woche schon abgeschrieben habe. Ich glaube an den Lauf der Natur, mir erschien es, als würde der ganze Trubel das Leiden des Tiers nur verlängern. Umweltminister Till Backhaus fand ich mit seinen walversteherischen "Timmy macht dies, Timmy fühlt das"-Aussagen possierlich. Ich bin auch immer noch nicht restlos überzeugt, dass dem Wal wirklich geholfen wurde. Meine Kollegin Julia Merlot hat viele gute Argumente dafür, dass wir ihn einfach hätten in Ruhe lassen sollen, auch wenn das kein Happy End gegeben hätte (Hier können Sie Julias Kommentar lesen ). Man kann das aber auch anders sehen. In Poel haben sich Menschen zusammengefunden, die unter hohem finanziellen und persönlichen Einsatz ein Lebewesen retten wollen. Sie wurden belächelt, kritisiert, teils sogar angefeindet. Sie haben sich davon nicht beirren lassen. Heute Abend geht der Wal in seiner Barge auf die Reise in die Nordsee, wo er in Freiheit entlassen werden soll. Durch einen Tracker sollen wir ihn verfolgen können. Falls der Wal doch verendet, hoffe ich, dass das Gerät versagt – dann können wir weiter glauben, ihn gerettet zu haben. Ich hoffe für ihn, dass er zurück in die richtigen Gewässer findet. Am schlimmsten wäre es, wenn er zurück nach Poel schwimmt. "Ob die Nato überlebt, wage ich zu bezweifeln": Trump findet er "zutiefst unsympathisch": Hier sagt Ex-Außenminister Joschka Fischer, welchen Fehler der US-Präsident gemacht hat, warum er Putin nie getraut hat und wofür Europa eine Atombombe braucht . Wisch und weg vom Fenster: Meryl Streep, 76, hadert mit dem jüngsten Casting-Trend in Hollywood. Ab Donnerstag ist die Schauspielerin mit "Der Teufel trägt Prada 2" in den Kinos zu sehen. Im Interview mit der "Bild"-Zeitung kritisierte sie die Bedingungen für den Schauspielernachwuchs. Statt persönlich vorzusprechen, dürfe man sich nur online auf Rollen bewerben, indem man Filmchen einschicke. Man müsse sich zu Hause ein Set aufbauen. "Dein eigenes Licht, deine eigene Kamera, und anschließend etwas verschicken. Dann wischen sie durch, und wenn das, was du da bei dir zu Hause gemacht hast, nicht gefällt, dann wischen sie dich weiter, wie bei Tinder." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Können Sie sich vom Survival-Thriller "Apex" entspannt die Nerven kitzeln lassen. Die Handlung ist schnell erzählt: Hauptdarstellerin Charlize Theron will in der australischen Wildnis ihre Grenzen austesten und gerät dabei leider in die Fänge eines psychopathischen Serienkillers, ein fesselndes Katz-und-Maus-Spiel beginnt. "Wer unter Höhenangst leidet oder angesichts wilder Kamerafahrten durch schäumende Stromschnellen zu Übelkeit neigt, sollte diesen Film meiden", schreibt mein Kollege Oliver Kaever über den Film. Ansonsten fordere "Apex" die Zuschauer nicht besonders: "Trotz seiner anspruchsvollen Action-Oberfläche bleibt der Film ein völlig harmloser, jeder Prätention unverdächtiger Spaß." Warum Oliver das als Kompliment meint, lesen Sie hier . Einen schönen Abend. Herzlich Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort