Datum28.04.2026 15:54
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Prozess um millionenschwere Veruntreuung bei einer Infineon-Tochter wurde erneut vertagt. Ein Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin, begründet mit ihrer Teilnahme an einem früheren Verfahren, das zur Verurteilung eines vom Angeklagten geführten Unternehmens führte, hat zur Absage des Prozessauftakts geführt. Der Angeklagte, ein Ex-Manager, soll 7,5 Millionen Euro über ein Treuhandkonto abgezweigt und weitere Gelder veruntreut haben. Das Verfahren war bereits mehrfach wegen ähnlicher Probleme verschoben worden.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Befangenheitsantrag“. Lesen Sie jetzt „Prozess um Veruntreuung bei Infineon-Tochter erneut vertagt“. Der geplante Prozessauftakt in einem Veruntreuungsprozess in Millionenhöhe gegen einen ehemaligen Manager einer Infineon-Tochterfirma ist erneut kurzfristig abgesagt worden. Es liege seit dem Vorabend ein Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin vor, teilte das Landgericht in Arnsberg mit. Die Besorgnis der Befangenheit werde damit begründet, dass die Richterin 2022 an einem Zivilverfahren mitgewirkt habe, in dessen Zuge ein vom Angeklagten geführtes Unternehmen zu einer Schadenersatzzahlung in Höhe von 4,25 Millionen Euro verurteilt worden war. Über den Antrag sei noch nicht entschieden worden. Die Verfahrensbeteiligten haben noch Gelegenheit, auf eine Stellungnahme der Richterin zu reagieren, so eine Gerichtssprecherin. Das Verfahren war bereits mehrfach geplatzt und wieder neu gestartet - unter anderem wegen der möglichen Befangenheit beteiligter Schöffen. An diesem Dienstag sollte der Prozess zum vierten Mal neu beginnen. Hauptangeklagter ist ein Ex-Manager eines Tochterunternehmens des Chipherstellers Infineon Technologies. Ihm wird die millionenschwere Veruntreuung von Unternehmensgeldern vorgeworfen. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll er als Manager des Unternehmens mit Sitz in Warstein allein über ein von ihm eingerichtetes Treuhandkonto mit mehreren Transaktionen 7,5 Millionen Euro abgezweigt und für eigene Immobiliengeschäfte und einen gehobenen Lebensstil ausgegeben haben, hieß es bei einem früheren Prozessauftakt. Weitere Millionenbeträge, unter anderem in Form von Darlehen seines Arbeitgebers, soll er über den Ankauf zweier Zulieferfirmen und die Gründung einer eigenen Holding veruntreut haben. In diesem zweiten Anklagekomplex ist auch ein Ehepaar aus Düsseldorf wegen Beihilfe mitangeklagt, das den Ex-Manager unterstützt haben soll. Laut Gericht hatte sich der angeklagte Manager im September 2020 seinem Arbeitgeber offenbart. Früheren Angaben eines Unternehmenssprechers zufolge habe er letztlich keine andere Wahl gehabt, weil die Veruntreuungen andernfalls zeitnah aufgedeckt worden wären. Das Unternehmen hat sich auf die Halbleitertechnologie im Bereich der Stromerzeugung spezialisiert und ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Infineon und Siemens. Es tritt früheren Angaben eines Unternehmenssprechers zufolge als Nebenklägerin in dem Prozess auf und betrachtet sich als Geschädigte. Der Angeklagte sei mit hoher krimineller Energie vorgegangen - unter anderem durch den Einsatz von Strohleuten sowie durch Urkundenfälschung, hatte der Sprecher 2024 am Rande der früheren Prozessstarts erklärt. © dpa-infocom, dpa:260428-930-4906/1