Syrien: »Ansonsten gibt es ein Massaker«

Datum28.04.2026 15:53

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Kurden in Kobanê/Syrien sind vom IS belagert. Die Stadt wird angegriffen, Einwohner, darunter Frauen und Kinder, bereiten sich auf eine mögliche Flucht in die Türkei vor. Männer wollen die Stadt verteidigen. Die Kurden kritisieren die USA und ihre Verbündeten, da deren Luftangriffe die IS-Kämpfe in Kobanê nicht beeinflussen. Ohne ernsthafte militärische Unterstützung drohe ein Massaker.

InhaltIm Norden Syriens belagert der IS bislang unbehelligt die Stadt Kobanê. Die Präsidentin der Region warnt vor dramatischen Folgen, sollte militärische Hilfe ausbleiben. ZEIT ONLINE: Frau Abdullah, Sie sind gerade in Kobanê (kurdische Bezeichnung für Ain al-Arab), die IS-Terroristen rücken immer weiter vor. Gibt es noch genug Essen und Strom? Asia Abdullah: Wir haben gerade andere Probleme als unsere Mägen. Alle Gedanken kreisen um die Verteidigung von Kobanê. ZEIT ONLINE: Die IS-Terroristen sollen bereits so nah sein, dass man von der Stadt aus die Einschläge der Mörsergranaten hören kann. Stimmt das? Abdullah: Ja. Die IS-Männer kommen von allen Seiten und haben mittlerweile auch das Stadtzentrum angegriffen. ZEIT ONLINE: Und die Stadt wurde nicht evakuiert? Abdullah: Nein. Kobanê wird evakuiert, sobald die Stadt mit schwersten Waffen angegriffen wird. Auch in den Dörfern zwischen uns und der türkischen Grenze wohnen noch Menschen. Noch sind die Angreifer aber nicht da. Sollte es so weit kommen, müssen die Frauen und Kinder über die türkische Grenze fliehen, die Männer werden bleiben und die Stadt verteidigen. ZEIT ONLINE: Aber bei den kurdischen Volksverteidigungseinheiten kämpfen auch Frauen mit, oder? Abdullah: Ja, ein paar Hundert sind im Einsatz. Es sind auch schon einige ums Leben gekommen. ZEIT ONLINE: Spüren Sie eine Wirkung der Luftangriffe von den USA und den arabischen Verbündeten?

 Abdullah: Kein bisschen. Die Allianz bombardiert den IS, aber nicht bei uns. Die sind viel zu weit weg, um die IS-Angriffe auf Kobanê auch nur zu verlangsamen. Außerdem bekommen die Terroristen ständig Nachschub an modernen Waffen und Rekruten aus den IS-Zentren Rakka und Mossul. Ohne ernsthafte Unterstützung von den USA, der EU und anderen Verbündeten haben wir keine Chance.