Datum28.04.2026 10:55
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Bundeswehr lehnt den Einsatz von Palantir-Software für ihre militärisch nutzbare Cloud zur Datenverarbeitung und KI ab. Vizeadmiral Thomas Daum begründet dies mit der mangelnden Datensicherheit, da Nato-Mitarbeiter von Palantir auf nationale Daten zugreifen würden. Obwohl die Nato die Software nutzt, erfülle sie die deutschen Anforderungen nicht. Palantirs umstrittene Zusammenarbeit mit der US-Regierung und die Nähe von Mitgründer Peter Thiel zu antidemokratischen Ideologien sind weitere Hintergründe für die Entscheidung.
InhaltDie Nato setzt KI-Software der US-Firma Palantir ein. Die Bundeswehr schließt das aus – weil sie ihre Daten nicht mit dem umstrittenen Unternehmen teilen will. Die Bundeswehr will beim Aufbau einer militärisch nutzbaren Cloud zur Datenverarbeitung und zur Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) keine Software des US-Anbieters Palantir einsetzen. "Das sehe ich momentan überhaupt nicht", sagte Vizeadmiral Thomas Daum, der Chef der Cybertruppe der Bundeswehr, dem Handelsblatt. Unter dem Namen Maven bietet Palantir eine Software an, die zur Verarbeitung von Echtzeitdaten in der Nato und von mehreren Nato-Ländern genutzt wird. "Bei der Nato ist die Software im Einsatz, das wissen wir, und das nutzen wir auch. Und wir sehen auch die Erkenntnisse, die sich daraus ergeben", sagte Vizeadmiral Daum. Doch für den Einsatz durch die Bundeswehr erfülle Maven die Voraussetzungen nicht. Dabei gehe es um die Frage, wer diese Software bediene. "Das machen in der Nato tatsächlich Vertreter der Industrie, also der Firma Palantir", sagte Daum. "So sehr wir an der Funktionalität interessiert sind (...), so unvorstellbar ist es eben momentan, Industriemitarbeiter auf den nationalen Datenbestand zuzulassen." Palantir steht unter anderem wegen seiner Zusammenarbeit mit der US-Regierung von Präsident Donald Trump, beziehungsweise der dabei eingesetzten Software, in der Kritik. Dabei geht es unter anderem um Überwachungssoftware, die dazu eingesetzt wird, auch in nicht-militärischem Kontext bestimmten Personen als vermeintliche "Gefährder" zu erkennen – unter anderem Migranten und Demonstrierende. Organisationen wie etwa Amnesty International bewerten die Praxis als "diskriminierend, gefährlich und hochgradig intransparent". Zudem steht der Palantir-Mitgründer und Anteilseigner, der in Deutschland geborene Milliardär Peter Thiel, der US-Regierung nahe. Thiel gilt als prominenter Vertreter antidemokratischer Ideologien und Vordenker einer Auffassung der Techbranche als Instrument zum Erhalt und Ausbau der globalen Dominanz der USA. Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.