Datum28.04.2026 09:22
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Bundesregierung hat offenbar erneut Straftäter nach Afghanistan abgeschoben. Ein Charterflug vom Flughafen Leipzig/Halle brachte rund 25 afghanische Männer, darunter mutmaßliche Täter verschiedener Delikte, in ihre Heimat. Diese Abschiebungen basieren auf einem Abkommen mit der Taliban-Regierung, das trotz fehlender offizieller diplomatischer Beziehungen zur umstrittenen Herrschaft der Islamisten kontrovers diskutiert wird.
InhaltVom Flughafen Leipzig/Halle ist laut einem Bericht ein Abschiebeflug nach Afghanistan gestartet. An Bord waren demnach 25 Männer. Sie sollen straffällig geworden sein. Die Bundesregierung hat einem Bericht zufolge erneut mehrere Afghanen in ihre Heimat abgeschoben. In der Nacht auf diesen Dienstag sei ein Charterflieger der Gesellschaft Freebird in Leipzig/Halle gestartet, berichtete der Spiegel. An Bord waren demnach rund 25 Afghanen. Es habe sich ausschließlich um männliche Straftäter gehandelt. Der Airbus A320 sollte demnach nach einem Zwischenstopp im türkischen Trabzon direkt weiter nach Kabul fliegen. Am Dienstagvormittag sollten die Männer an die in Afghanistan herrschenden Taliban übergeben werden. Mitreisende Bundespolizisten sollten dann mit derselben Maschine wieder nach Deutschland zurückreisen. Die meisten Abgeschobenen seien direkt aus der Haft zum Flughafen gebracht worden, heißt es in dem Bericht weiter. Sie seien in mehreren Bundesländern wegen unterschiedlicher Delikte inhaftiert worden, darunter Diebstahl, Hehlerei, Drogenhandel, Gruppenvergewaltigung, Totschlag, Geiselnahme, erpresserischer Menschenraub und politisch motivierte Kriminalität. Im Februar hatte die Bundesregierung bereits 20 Straftäter per Charterflug nach Afghanistan abgeschoben. Zuvor hatte es lediglich einzelne Abschiebungen von Straftätern nach Afghanistan gegeben. Grundlage für die Abschiebungen ist ein Abkommen mit der Taliban-Regierung. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach in dem Zusammenhang von einem zentralen "Baustein von Kontrolle, Kurs und klarer Kante in der Migrationspolitik". Die Vereinbarung schaffe "eine verlässliche Grundlage für direkte und dauerhafte Abschiebungen nach Afghanistan". Die Kontakte zu den Taliban sind umstritten, denn offiziell unterhält die Bundesregierung keine diplomatischen Beziehungen zu den Islamisten, die seit August 2021 wieder in Afghanistan an der Macht sind. Wegen ihrer Missachtung von Menschen- und vor allem Frauenrechten sind sie international isoliert.