Datum28.04.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Artikel beleuchtet verschiedene Hamburger Themen. Er lobt die deutliche Verbesserung der Kundenzentren. Zudem werden Pläne zur Verschiebung der Fischmarktöffnungszeiten, eine Spur im Paternosterkrimi und die Festnahme eines Verdächtigen im Fall Christina Block erwähnt. Aktuelle Meldungen umfassen eine Kokain-Beschlagnahmung, einen schwerverletzten Mann im Gleisbett und die Vorzüge der Deutschen Schule in Montevideo, die trotz deutscher Sparmaßnahmen exzellent ist.
InhaltDie Elbvertiefung am Dienstag – Mit neuen Zeiten für den Fischmarkt, einer Spur im Paternosterkrimi und einer deutschen Schule fern der Regulierungswut "Die Hamburger Kundenzentren gelten als Vorhölle des Wartens", hieß es vor neun Jahren in einem Artikel auf den Hamburg-Seiten der ZEIT. Ich erinnere mich gut an die Zustände damals: Hatte man endlich einen Termin, konnte man sich auf eine quälend lange Warterei einstellen. Mein persönlicher Rekord waren vier Stunden und acht Minuten, die ich mit steigendem Puls absaß, um mein Abiturzeugnis beglaubigen zu lassen. Dies soll aber keine Tirade über die Mühlen der Verwaltung werden. Im Gegenteil! Hamburg hat seine Kundenzentren in den vergangenen Jahren umgebaut, Personal aufgestockt, Abläufe digitalisiert. Klingt trocken, scheint aber zu wirken. Ich jedenfalls war neulich im "Hamburg Service vor Ort" – so heißen die Kundenzentren heute – in der Innenstadt, und was soll ich sagen: Es lief wie geschmiert. Trotz meiner Dusseligkeit. Am Empfang: zwei kumpelige Typen, die kurz meine Nummer suchten. Nach einer Minute blinkte sie schon auf der Anzeigetafel. Ich wollte einen Umzug melden, die Mitarbeiterin fragte lächelnd nach der Vermieterbestätigung – die ich morgens auf der Flurkommode vergessen hatte. Ups. "Schaffen Sie es, die heute noch vorbeizubringen? Dann buche ich Ihnen direkt einen Termin für den Nachmittag." Ich fuhr nach Hause und wieder zurück, wartete erneut kaum eine Minute und landete bei einer anderen, nicht minder tiefenentspannten Mitarbeiterin. "Ich lieb den Job hier", sagte sie und strahlte das auch aus. Früher habe sie in der Gastro gearbeitet, nach der Pandemie dann im Amt angefangen. "Ich sehe hier den Querschnitt der ganzen Stadt: so viele verschiedene Menschen, Kulturen, so spannende Geschichten." Natürlich gebe es Ungeduldige, deren Frust bei ihr lande. "Aber die meisten Leute sind einfach nett. Und ich begegne allen mit einem Lächeln." Wir plauderten eine Weile, über den Geburtstag ihres Sohnes und meinen Job. Als der Drucker streikte, kam ein Kollege zu Hilfe und machte Scherze, als ein anderer Kollege in den Feierabend ging, rief sie ihm hinterher: "Mach’s gut, Schatz!" Ich vermute, dass es nicht in allen Ämtern immer so fröhlich zugeht. Aber in einer Zeit, in der man oft hört, die Menschen würden immer unfreundlicher, dünnhäutiger, fand ich dieses Erlebnis richtig schön. Also: ein Gruß an das Haus am Großen Burstah. Und besonders an die nette Kollegin mit den braunen Locken, nach deren Namen ich leider nicht gefragt habe. Falls Sie mitlesen: Bleiben Sie bitte auch so, wie Sie sind. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Annika Lasarzik Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de. SPD und Grüne wollen einen späteren Start des traditionell sonntags um 5 Uhr morgens öffnenden Fischmarkts prüfen. So sollen neben den Nachtschwärmern neue Besuchergruppen gewonnen und die wirtschaftliche Grundlage des Marktes langfristig gesichert werden. Über einen entsprechenden Antrag soll die Bürgerschaft am 6. Mai entscheiden. Im Fall des verschwundenen denkmalgeschützten Paternosters im Flüggerhaus gibt es eine neue Spur: Fotos und Videos, die dem NDR vorliegen, zeigen mutmaßliche Bauteile in einem Container direkt vor dem Gebäude am Rödingsmarkt. Die Polizei öffnete den Container am Sonntagabend auf Veranlassung der Denkmalschutzbehörde, eine offizielle Bestätigung, dass es sich tatsächlich um Teile des Aufzugs handelt, steht aber noch aus. Am 46. Prozesstag im Gerichtsverfahren gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block hat ein weiterer mutmaßlicher Entführer der Kinder als Zeuge ausgesagt und beteuert, kein Verbrecher zu sein. Der 35-jährige Israeli habe nur helfen wollen – er sei der Fahrer gewesen. Mehrmals sei betont worden, es sei legal, die Kinder zur Mutter zurückzubringen. 690 Kilogramm Kokain sind im Hamburger Hafen in einem Container sichergestellt worden. Das Rauschgift mit einem geschätzten Straßenverkaufswert von mehr als 14 Millionen Euro wurde zwischen Holzpellets aus Brasilien gefunden, wie das Zollfahndungsamt mitteilte. Kurz danach wurde ein 34 Jahre alter Inhaber der Empfängerfirma festgenommen. Am Sonntagabend ist ein 41-jähriger Mann von einer S-Bahn in der Nähe des Bahnhofs Hammerbrook überrollt worden. Laut Polizei wurde er schwer verletzt, jedoch bestand zum Zeitpunkt der Einlieferung ins Krankenhaus keine Lebensgefahr. Warum er sich im Gleisbett aufhielt, ist bislang unklar. Die Deutsche Schule in Montevideo zählt zu den besten Uruguays. Der Schulleiter erklärt, was dort besser läuft – und welche deutschen Themen im Unterricht irritieren. Die Fragen stellte ZEIT-Redaktuer Michael Schlieben; lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview. Mitten in Montevideo, morgens um kurz vor acht: Hunderte Kinder laufen zum Schulgebäude, auf dem Worte in deutscher Sprache geschrieben stehen: "Disziplin", "Solidarität", "Respekt". Die Kinder rufen fröhlich auf Spanisch durcheinander, aber sie tragen Schuluniformen mit schwarz-rot-goldenen Streifen am Ärmel. Sie besuchen die Deutsche Schule Montevideo, die als eine der besten Schulen Uruguays gilt. Aber auch diese traditionsreiche Institution (gegründet 1857) ist betroffen von Kürzungen der deutschen Regierung in der Kulturpolitik. Ingo Straub-Weszkalnys ist hier seit vier Jahren Schuldirektor. Vorher leitete er eine Gesamtschule in Hamburg. Die vorbeirennenden Kinder begrüßen ihn mit "Hola, Ingo!" DIE ZEIT: Herr Straub-Weszkalnys, was ist für Uruguayer typisch deutsch? Ingo Straub-Weszkalnys: Klare Strukturiertheit, Direktheit, Pünktlichkeit. Ich merke als Schulleiter jeden Tag, dass ich hier anders kommunizieren muss, weil es sonst als konfrontativ wahrgenommen wird. Obwohl es gar nicht so gemeint ist. ZEIT: Zum Beispiel? Straub-Weszkalnys: Etwa bei Elterngesprächen: In Deutschland kamen Eltern zu mir, weil es einen Konflikt gab. Man hat sich getroffen, das Problem diskutiert und im besten Fall eine Lösung gefunden. Hier spricht man mit den Eltern erst mal über den Urlaub oder das Wochenende. Gespräche bewegen sich aus deutscher Perspektive teilweise mäandernd, nicht linear. Würde ich ein Elterngespräch wie in Deutschland führen, empfänden die uruguayischen Eltern das als unhöflich, zu sachlich. Auch im Unterricht wird Kritik schnell als unhöflich empfunden. ZEIT: Steht "Deutsch" hier also eher für streng und spaßbefreit? Straub-Weszkalnys: Die meisten assoziieren Positives mit Deutschland. Es gibt großes Interesse, verbunden teilweise mit einem – wie ich finde – nicht gerechtfertigten Minderwertigkeitsgefühl: Warum kommst du als Deutscher überhaupt hierher? ZEIT: Und was ist für Sie typisch uruguayisch? Straub-Weszkalnys: Familie, Freunde, soziale Netzwerke, also physische, nicht digitale Kontakte. Viele haben von klein auf bis ins Erwachsenenalter dieselben Freunde. Viele strahlen auch aus: Ich bin zufrieden mit meinem Land und bescheiden. Welche Perspektiven ein deutsches Abitur in Uruguay eröffnet, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Wer gesund ist, muss nicht zum Arzt. Oder doch? Die Krebsvorsorge soll Leben retten. Sie kann aber auch falschen Alarm auslösen, mit schweren Folgen. Nun finden Wissenschaftler neue Wege, das Dilemma zu lösen. ZEIT-Redaktuer Jan Schweitzer hat hier aufgeschrieben, welche das sind. → Zum Artikel (Z+) Morgen Abend liest der im Gazastreifen geborene Autor Hamza Abu Howidy im Literaturhaus aus seinem gerade erschienenen Buch Muscheln am Strand von Gaza. Er erzählt vom Aufwachsen in Gaza, seiner Familie und von den Kämpfen in Gaza. Er plädiert für eine demokratische und friedliche Lösung des Nahostkonflikts. Howidy protestierte gegen die Hamas, wurde gefangen genommen und gefoltert und konnte nach Deutschland fliehen, sein Asylantrag wurde bisher nicht anerkannt. "Muscheln am Strand von Gaza", 29.04., 19.30 Uhr; Literaturhaus, Schwanenwik 38; Tickets auch für den Livestream gibt es hier. In der U-Bahn sitzt neben mir ein Mann. Ihm gegenüber sitzt eine Frau. Kurz vor einer Haltestelle entwirrt die Dame ihre übergeschlagenen Beine, der Herr stellt rücksichtsvoll seine Füße nebeneinander, auch ich mache Platz. Keiner von uns steigt aus. Die Bahn fährt wieder, wir lächeln und der Herr fragt: "Wollen wir noch einmal?" Gehört von Gisela Ricke Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.