Datum27.04.2026 19:53
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Kindle Scribe Colorsoft kombiniert E-Book-Reader mit digitalem Notizblock. Sein farbiger E-Ink-Bildschirm bietet ein papierähnliches Schreibgefühl und augenschonende Darstellung. Er eignet sich zum Skizzieren, Notieren und Kommentieren von Dokumenten, kann jedoch keine Apps laden und ist kein Tablet-Ersatz. Das Gerät richtet sich an spezielle Zielgruppen, die Wert auf handschriftliche Notizen und die Arbeit mit Büchern legen, zu einem Preis von über 600 Euro.
InhaltDer neue Kindle soll E-Book-Reader und digitaler Notizblock zugleich sein, mitsamt digitalen Füllern und Buntstiften. Der Test klärt, warum er keine Konkurrenz für iPads ist – und für wen er sich doch lohnen könnte. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Der Kindle Scribe Colorsoft ist das Flaggschiffmodell unter Amazons Lesegeräten. Amazons Entwickler versuchen, mit dem nur 5,4 Millimeter dünnen Gerät mehrere Funktionen in einem Gehäuse zu vereinen: Man kann mit einem Stift darauf schreiben und zeichnen. Der Bildschirm fühlt sich an wie Papier, zerknittert aber nicht, wenn er nass wird. Und all das in Farbe. Wie ein mehrwöchiger Test zeigt, beherrscht der Kindle Scribe Colorsoft allerdings nicht all diese Funktionen gleich gut. Das Gerät ist zwar so groß geraten wie ein iPad, allerdings hat Amazon es nicht als iPad-Killer positioniert, sondern eher an Menschen gedacht, die ein digitales Gerät suchen, das Notiblock und -buch ersetzen kann. Damit haben sich Geräte aus der Scribe-Familie in den vergangenen Jahren eine treue Fangemeinde erarbeitet. Dass der Kindle Scribe Colorsoft nicht gebaut worden ist, um mit iPads zu konkurrieren, zeigt sich schon daran, dass er keine Apps laden und nur begrenzt im Internet surfen kann. Dieser Text enthält mit dem Hinweis "Anzeige" gekennzeichnete Affiliate-Links, über die der Verlag, aber nie der Autor individuell, bei Verkäufen eine geringe Provision vom Händler erhält. Die rohen Eckdaten: Er hat einen elf Zoll (ca. 28 cm) großen E-Ink-Farbbildschirm, ist also so groß wie ein iPad, mit Preisen ab 650 Euro aber deutlich teurer als Apples Einstiegstablet. Der Speicher ist in der Basisversion 32 Gigabyte (GB) groß, gegen 50 Euro Aufpreis gibt es 64 GB. Er wiegt nur 390 Gramm und ist in Schwarz sowie einem dunklen Violett zu bekommen, den Farbton bezeichnet Amazon als "Feige". Eine Angabe dazu, ob das Gerät wasserfest ist, macht Amazon nicht. Man muss also davon ausgehen, dass er nicht wasserfest ist und man ihn lieber nicht ins Schwimmbad oder die Badewanne mitnehmen sollte. Das Display des Kindle arbeitet mit E‑Ink-Technologie, die einen Text möglichst wie auf Papier aussehen lassen soll. iPads arbeiten hingegen mit OLED- oder LCD-Displays. Ein Vorteil von E-Ink-Displays liegt dabei in der Akkulaufzeit. Diese gibt Amazon beim Kindle Scribe Colorsoft mit "bis zu acht Wochen" an. Allerdings nur, wenn man WLAN und Bluetooth abschaltet und maximal eine halbe Stunde pro Tag bei mittlerer Bildschirmhelligkeit liest. Wer seinen Kindle Scribe Colorsoft liebt und regelmäßig nutzt, wird ihn wesentlich häufiger aufladen müssen. Bei Frühlingssonne, voller Helligkeit, viel Schreiberei und Ausprobieren war das im Test nach zwei, drei Tagen nötig. Eine USB-C-Strippe wird mitgeliefert. Etwas versteckt ist ein Webbrowser eingebaut. Der ist allerdings bestenfalls als Notlösung brauchbar und scheitert an der Darstellung vieler Elemente moderner Websites. Bei dem Versuch, online die "New York Times" zu lesen, meldet die etwa Probleme mit JavaScript, von der Techseite "The Verge" ist nur eine rohe Vorschau zu sehen, heise.de wird nur langsam geladen. Doch auch wenn eine Seite lädt, macht das hakelige Scrollen den Besuch zur Tortur. Der Kindle kann blättern, scrollen fällt ihm schwer. Das herausragende Merkmal des neuen Kindle ist sein großer Farbbildschirm. Die Kombination aus E-Ink-Technologie und Farbe ist noch relativ neu und wenig verbreitet, die Technik dahinter teuer und wohl nicht ganz simpel in der Herstellung. Möglicherweise ist das einer der Gründe, weshalb Amazon dieses Modell erst jetzt nach Deutschland bringt, während es in den USA schon Ende 2025 in den Verkauf ging. Jedenfalls glänzt der Bildschirm mit einer ruhigen, augenschonenden Darstellung. Weil E-Ink nur beim Umblättern oder anderen Änderungen des Bildschirminhalts aktiv wird, ist die Technik gegenüber LCD-Bildschirmen, die 60-mal oder häufiger pro Sekunde aktualisiert werden, sparsam. Dass das Display "hochkontrastierende Farben wie auf Papier gedruckt" anzeigt, wie es bei Amazon heißt, sollte man nicht wörtlich nehmen. Die Farbdarstellung ist für diese Art von Bildschirm super, kommt aber nicht ansatzweise an Druckfarben oder LCD- oder OLED-Displays heran. Dafür glänzt der Bildschirm damit, nicht zu glänzen. Seine Oberfläche hat eine feine Struktur, die einfallendes Licht so streut, dass es nur diffus reflektiert wird, nicht blendet, nicht spiegelt. Anders als bei Smartphones und Tablets wird dieser Bildschirm besser lesbar, wenn die Sonne scheint. Er wirkt fast wie Papier. Noch wichtiger: Er fühlt sich beim Schreiben auch so an. Ganz anders als beim Schreiben auf einem glatten iPad-Display rutscht der Stift nicht nahezu widerstandslos übers Glas. Stattdessen fühlt man Friktion und hört, wie die Spitze des Stifts über die Oberfläche schleift, fast wie ein Bleistift. Wer gern schreibt, wird darauf gern schreiben. Genau darum geht es beim "Scribe", Schreiben. Im Grunde ist das Gerät ein digitaler Notizblock, dem nie die Seiten ausgehen. Im Arbeitsbereich liegen dafür 30 Vorlagen bereit, die vom Collegeblock über Wochenplaner bis zum Notenpapier allerlei Vorbilder aus der realen Welt imitieren. Auf diesen Blättern kann man mit unterschiedlichen virtuellen Schreibwerkzeugen, vom Bleistift über einen Füller bis zum Textmarker, schreiben und zeichnen. Neu gegenüber früheren Modellen ist, dass das nun auch in Farbe möglich ist. Allerdings nicht in jeder beliebigen. Amazon stellt neun Farben sowie Schwarz zur Auswahl. Während sich all das auch mit Stift und Papier erledigen ließe, sind es KI-Funktionen, die laut Amazon den Mehrwert liefern sollen. So kann man seine handschriftlichen Notizen zusammenfassen lassen, was etwa bei Mitschriften von Vorlesungen nützlich sein mag. Oder man lässt sie "verfeinern", wobei die Handschrift in eine digitale Schreibschrift umgewandelt wird. Das alles klappt freilich nur, wenn man eine halbwegs lesbare Handschrift hat. Über reine Notizen hinaus lassen sich auf dem Kindle Scribe Colorsoft auch Word-Dokumente und PDF-Dateien mit Anmerkungen versehen. In Word-Dateien kann man Notizen als kleine Boxen platzieren, Textabschnitte markieren und Ähnliches. Man arbeitet also im Dokument. Bei PDF-Dateien hingegen arbeitet man auf dem Dokument, kann zwar auch Anmerkungen und Markierungen hinzufügen, verändert dadurch aber nicht den Aufbau der Seite. Das ist eher wie auf Papier. Im Test ließen sich auch Bilddateien importieren. Jeder Versuch, die zu bearbeiten, endete aber damit, dass zwar die Notiz, aber das Bild nicht mehr zu sehen war. Um an Dokumente heranzukommen, die man bearbeiten möchte, kann man seine Cloudspeicher wie etwa Google Drive, OneDrive sowie OneNote mit dem Kindle verbinden. Das setzt allerdings ein gehöriges Maß an Vertrauen in Amazon voraus, weil man dabei nicht nur dem Kindle, sondern Amazon Zugriff gewährt. Wenn es um vertrauliche Daten, womöglich unternehmensrelevante Dinge geht, sollte man das zweimal überlegen und sich die Verbindung im Zweifel von der hauseigenen IT genehmigen lassen – oder die Cloud-Verbindungen lieber nicht nutzen. Abgesehen davon, dass der Scribe Colorsoft ein gewaltiges Notizbuch mit KI-Funktionen und unendlich vielen Seiten ist, ist er aber immer auch ein Kindle, also ein E-Book-Reader. In diesem Bereich spielt er seine Stärken besonders dann aus, wenn man Bücher mit Illustrationen, Mangas oder Comics lesen möchte. Geht es aber einfach nur um Bücher, also lange Texte, kann der Bildschirm zu groß wirken, um darauf bequem zu lesen. Zumindest in der Standardeinstellung sind die Zeilen einfach zu lang für ein entspanntes Lesegefühl. Ich komme jedenfalls beim Zeilenwechsel gern mal durcheinander, welches die nächste ist. Wenn man die viele Fläche allerdings nutzt, um die Schrift so groß einzustellen, dass man als weitsichtige Person ohne Brille lesen kann, mag das ganz praktisch sein. Für Lesen im Bett ist mir das Elf-Zoll-Format allerdings zu sperrig, da greife ich lieber zu einem kleineren E-Book-Reader. Ein Ersatz für ein Tablet ist der neue Kindle Scribe Colorsoft nicht, da er keine Apps laden, keine Videos anzeigen und nur sehr eingeschränkt im Web surfen kann. Doch bei dem, was er macht, macht ihm keiner was vor. Sein Farbbildschirm treibt die Möglichkeiten der E-Ink-Technik an ihre Grenzen, zumindest vorläufig. Dass er dabei nicht so brillant strahlt wie ein iPad-Display, ist in Ordnung, seine Stärken liegen woanders. Er erzeugt ein extrem ruhiges Bild, das eher wie gedruckt wirkt als wie ein Bildschirm. Statt darunter zu leiden, profitiert er sogar davon, wenn die Sonne scheint. Der farbige XL-Kindle ist ein Gerät für Menschen, die Bücher gern in großen Formaten oder Comics lesen. Vor allem für Menschen, die Ideen, Gedanken, Vorträge und Meetings am liebsten mit handschriftlichen Notizen protokollieren, könnte das Gerät interessant sein. Und für solche, die mit Büchern arbeiten, sie mit Anmerkungen versehen, die sie später wiederfinden und ordnen wollen. Und natürlich für Personen, die regelmäßig digitale Dokumente überarbeiten oder überprüfen müssen. Der Scribe Colorsoft ist also kein Kindle für jedermann, sondern ein spezielles Gerät für spezielle Zielgruppen. Die für die speziellen Funktionen des Geräts aber auch mit über 600 Euro einen hohen Preis zahlen müssen. Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen. Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen. Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. Wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind, kaufen wir Produkte in einigen Fällen auf eigene Kosten ein. In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und langfristige Leihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen. Oft werden Rezensionsexemplare am Ende eines Jahres zum Beispiel gesammelt und im Rahmen eines firmeninternen Flohmarkts verkauft, wobei die Erlöse für gemeinnützige Zwecke gespendet werden. Teilweise werden sie auch direkt an gemeinnützige Einrichtungen gespendet. Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt DER SPIEGEL stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt. Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom, Entwicklerveranstaltungen wie die Google i/O, WWDC und Build sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind. Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln sogenannte Affiliate-Anzeigen, die sogenannte Links zu Onlineshops enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link einen dieser Shops und kauft dort online ein, wird DER SPIEGEL, aber nie die Autorin oder der Autor individuell, in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. 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