Transatlantische Allianz: Nato soll Abschaffung jährlicher Gipfeltreffen erwägen

Datum27.04.2026 18:52

Quellewww.zeit.de

TLDRMehrere Nato-Mitgliedstaaten erwägen laut Reuters, die jährlichen Gipfeltreffen der Allianz seltener abzuhalten. Als Gründe werden der Druck zu publikumswirksamen Entscheidungen und die Ablenkung von langfristiger Planung genannt. Auch Donald Trump wird als Einflussfaktor erwähnt, dessen Kritik an der Nato und Drohungen mit einem Austritt die Debatte möglicherweise befeuern. Kritiker betonen, dass die Qualität der Entscheidungen wichtiger sei als die Häufigkeit der Treffen.

InhaltMehrere Nato-Mitgliedstaaten plädieren einem Bericht zufolge für seltenere Gipfeltreffen der Allianz. Als einer der Gründe wird auch Donald Trump genannt. Die Nato erwägt offenbar, ihre Gipfeltreffen seltener als im aktuellen Jahresrhythmus abzuhalten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf sechs Quellen aus diplomatischen Kreisen von Nato-Ländern. Demnach sollen einige der Verbündeten sich dafür aussprechen, die Häufigkeit der Gipfeltreffen der Allianz zu reduzieren. Grund dafür sei unter anderem, dass die Treffen im Jahresrhythmus den Druck auf die Nato erhöhten, öffentlichkeitswirksame Entscheidungen zu präsentieren und die Allianz von langfristiger Planung ablenkten. "Es ist besser, weniger Gipfel zu haben, als schlechte Gipfel", zitiert Reuters einen ihrer Gesprächspartner. Eine andere Quelle sagte demnach, die Qualität der Diskussionen und der Entscheidungen und nicht die Häufigkeit der Treffen seien der eigentliche Maßstab für die Stärke der Nato. Zwei der Quellen bezogen sich demnach auch auf den US-Präsidenten Donald Trump. Welche Rolle der öffentlich Nato-kritische Staatschef dabei spiele, geht aus dem Bericht jedoch nicht hervor. Trump hatte die Nato-Verbündeten zuletzt dafür angeprangert, sich dem Krieg der USA gegen den Iran nicht angeschlossen zu haben und Berichten zufolge unter anderem einen möglichen Nato-Austritt der USA erneut ins Spiel gebracht. Laut anderen Berichten sollen die USA erwägen, ihre militärische Präsenz in bestimmten Nato-Ländern, die den Irankrieg besonders kritisiert haben, zu reduzieren. Neu ist Kritik von Trump an dem Militärbündnis jedoch nicht: Bereits während seiner ersten Amtszeit zwischen 2016 und 2020 hatte er mit einem Austritt gedroht und sich über aus seiner Sicht zu niedrige Verteidigungsausgaben der Verbündeten beschwert. Der Beschluss des Bündnisses vom vergangenen Jahr, künftig 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung und weitere 1,5 Prozent für militärisch nutzbare Infrastruktur auszugeben, geht vor allem auf den Druck des US-Präsidenten zurück. In der 77-jährigen Geschichte der Allianz hat die Häufigkeit der Gipfel stark variiert: So fand der erste Nato-Gipfel erst 1957, acht Jahre nach der Gründung der Nato, statt. Zum zweiten Treffen kam es erst 17 Jahre später im Jahr 1974. Immer wieder gab es jedoch Phasen, in denen über mehrere Jahre hinweg jährliche Treffen stattgefunden haben, zuletzt seit 2021. Den Reuters-Gesprächspartnern zufolge sollen sowohl das diesjährige Treffen in der Türkei als auch der Gipfel 2027 in Albanien wie geplant stattfinden. 2028 aber, im letzten regulären Jahr der Trump-Präsidentschaft, könnte ein Gipfel entfallen.  Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.