»Ikea-Kartell«: Gericht in Freiburg verurteilt mehrere Angeklagte

Datum27.04.2026 18:15

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Gericht in Freiburg verurteilte fünf Personen wegen Diebstahls im großen Stil bei Ikea. Eine ehemalige Kassiererin soll mit Familie und Bekannten Waren im Wert von 130.000 Euro gestohlen oder per Auftrag beschafft haben. Die Bande nutzte offenbar interne Schwachstellen aus und verkaufte die Beute online. Die Angeklagten erhielten Bewährungsstrafen. Das Verfahren gegen die Hauptbeschuldigte wurde abgetrennt.

InhaltEine Angestellte soll mit Familie und Bekannten eine Ikea-Filiale beklaut haben, der Schaden wird auf 130.000 Euro geschätzt. Die Bande schlug offenbar auch auf Bestellung zu. 150 Diebstähle, 130.000 Euro Schaden: Eine Kassiererin soll das Ikea-Möbelhaus in Freiburg bestohlen haben. Auch ihr Mann, ihre Tochter und eine enge Freundin sowie Bekannte waren offenbar eingebunden, in Chats bezeichnete man sich laut Staatsanwalt als "Ikea-Kartell". Das Amtsgericht Freiburg hat nun fünf Angeklagte im Alter von 26 bis 46 Jahren unter anderem wegen schweren Bandendiebstahls zu Strafen von einem Jahr und vier Monaten bis zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Die Ex-Kassiererin selbst ist nicht von dem Urteil betroffen, wenngleich sie mit angeklagt war. Laut ihrem Anwalt hatte ein Arzt sie am Morgen mehrere Wochen krankgeschrieben. Daher wurde ihr Verfahren abgetrennt. Die heute 50-jährige Frau soll die Komplizen mit Waren durchgelassen haben, ohne sie abzukassieren. Die Bande behielt die Beute, verkaufte sie im Internet weiter – oder beschaffte sogar im Auftrag spezielle Möbel, Lampen, Regale, Esstische und Stühle. In einigen Fällen soll die Kassiererin Belege von Kunden einbehalten haben, damit Komplizen die Artikel darauf mitnehmen und anschließend gegen Erstattung zurückgeben konnten. Vor Gericht sprach eine Polizistin als Zeugin von einem großen Ermittlungskomplex: 15 Tatbeteiligte und mehr als 150 Diebstahlhandlungen seien ermittelt worden. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einem Schaden von rund 130.000 Euro, gemessen am Wert der Waren, die von Februar 2019 bis Januar 2023 aus der Filiale gestohlen wurden. Hinzu kämen zahlreiche Auftraggeber, die Waren bestellt hätten: Einige hätten nichts geahnt, andere hätten wussten, dass es nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Manche hätten sich der Hehlerei strafbar gemacht, sagte die Polizistin. Mehrere Verfahren seien abgetrennt worden. Gegen Mitarbeiter der Logistikabteilung liefen separate Verfahren. Die Zeugin las Chatverläufe vor, aus denen die Absprachen hervorgehen: "Gibt's Großauftrag?", fragt einer der Komplizen. An anderer Stelle heißt es: "Nimm' so viel du tragen kannst." Besonders Kommoden seien begehrt gewesen, schilderte die Beamtin. So sehr, dass die Kassiererin mal einen Mitnahmestopp verhängte: "Sorry, fehlen schon zu viele." Die Bande habe für die Beute oft weniger als den Verkaufspreis verlangt. Ikea äußerte sich auf Anfrage nicht. Kameraüberwachung habe es damals im Kassenbereich der Freiburger Filiale nicht gegeben, sagte die Polizistin. Bei Inventuren seien jedoch immer wieder Differenzen festgestellt worden, im Jahr 2022 sogar der höchste Fehlwert deutschlandweit. Vor Gericht zeigte sich auch, dass das Einrichtungshaus schon früher Verdacht geschöpft hatte. 2021 habe es einen ersten Hinweis gegeben, die Hauptbeschuldigte sei seit 2018 bei Ikea angestellt gewesen. Zwischenzeitlich setzte Ikea Privatdetektive auf die Frau an, die sogar Teppichkäufe im Internet fingierten. Zunächst geschah jedoch nichts. Ende 2022, einen Tag vor Heiligabend, habe Ikea dann Anzeige erstattet. Bei Durchsuchungen hätten die Einsatzkräfte nicht nur Dutzende verpackte Artikel sichergestellt, sagte die Polizistin. Auch die Wohnungen der Betroffenen seien größtenteils mit hochwertiger Ikea-Ware ausgestattet gewesen. Dem Urteil war eine Verständigung zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung vorausgegangen. Dabei einigten sie sich auf einen Strafrahmen gegen Geständnisse der Angeklagten.