Datum27.04.2026 18:01
Quellewww.spiegel.de
TLDRBundesfinanzminister Klingbeil will die Strafen für Steuerhinterziehung verschärfen, indem Selbstanzeigen nicht mehr generell zur Straffreiheit führen sollen. Die Zahl der Verkehrstoten unter Radfahrern ist gestiegen, was unter anderem auf den E-Bike-Boom zurückgeführt wird. Indes kursieren Berichte über Trumps angebliches Verhalten während eines Attentats, während andere Kurzmeldungen von einem viralen Internetphänomen und satirischen Auseinandersetzungen handeln.
InhaltUS-Präsident Trump soll den Secret Service beim Attentat in Washington gebremst haben. Finanzminister Klingbeil will härter gegen Steuerbetrug vorgehen. Und immer mehr Radfahrer sterben im Straßenverkehr. Das ist die Lage am Montagabend. Die drei Fragezeichen heute: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat dieser Tage ganz schön viel um die Ohren. Heute besucht er die mächtigen SPD-Landesgruppen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen/Bremen, die sich in Bielefeld zur gemeinsamen Klausur treffen. Und am Mittwoch will er die Eckpunkte für den Haushalt 2027 und seine Planung für die Folgejahre ins Kabinett bringen (hier mehr dazu ). Aufsehen erregt heute aber vor allem ein Interview mit der Funke Mediengruppe, in dem er ankündigt, bei Steuerbetrügern künftig härter durchgreifen zu wollen. "Ich will, dass eine Selbstanzeige nicht mehr generell zur Straffreiheit führt", sagte der SPD-Vorsitzende (hier mehr). "Kriminelle dürfen sich nicht mehr so einfach freikaufen können." Können sie das denn, fragt man sich als brave Steuerzahlerin? Tatsächlich wird Steuerhinterziehung zwar in der Regel mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft, eine Selbstanzeige kann jedoch zur Straffreiheit führen. Die hinterzogenen Steuern müssen dann zwar samt Zinsen nachgezahlt werden, aber das Führungszeugnis bleibt makellos. Der Plan klingt erst mal super, Steuerbetrüger sind schließlich immer die anderen. Fraglich bleibt allerdings, ob Klingbeil wirklich über die Ankündigung hinaus aktiv wird. Oder ob das Vorhaben versandet, sobald die nächste Krise aufscheint. Im vergangenen Jahr sind 462 Menschen, die mit dem Fahrrad unterwegs waren, bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Das waren 3,8 Prozent mehr als im Jahr 2024, wie das Statistische Bundesamt mitteilte (hier mehr). Nun sind die Zahlen das eine; wie man sie interpretiert, das andere. Denn es sterben zwar immer mehr Menschen hierzulande durch Fahrradunfälle (im Vergleich zu 2015 waren es 2025 sogar 20,6 Prozent mehr). Die Menschen fahren einfach immer mehr mit dem Rad oder E-Bike. Klar, dass sie dann auch häufiger an Unfällen beteiligt sind. Hauptgrund für die hohen Unfallzahlen ist der Boom der E-Fahrräder oder Pedelecs. Die deutsche Fahrradindustrie verkauft inzwischen mehr elektrische als konventionelle Räder. Gerade ältere Menschen fahren gern mit elektrischer Unterstützung, weil sie sich dann weniger anstrengen müssen. Wenn sie fallen, sind sie allerdings verletzlicher als Jüngere. Im EU-Schnitt ist mehr als die Hälfte der getöteten Radfahrer über 65 Jahre alt (hier mehr dazu). Mein Kollege Lukas Kissel zeigt, was andere Länder besser machen: In Litauen etwa sinkt die Zahl der Verunglückten stark – dort hat die Regierung mehr Mittel für Radinfrastruktur zur Verfügung gestellt und im Straßenverkehrsrecht Fahrradstraßen eingeführt (lesen Sie hier mehr ). Alles also mal wieder eine Frage des Geldes. Ob Bundesfinanzminister Klingbeil bei seinen Haushaltsplänen auch an die Radlerinnen und Radler denkt? Jetzt, wo die Gefahr gebannt ist, brüsten sie sich damit, wie mutig sie während des Attentats auf eine Gala in Washington waren. Wie entspannt. Angst? Iwo, Angst hatte niemand. US-Präsident Donald Trump etwa behauptet jetzt in einem Interview, er habe den Secret Service gebremst (hier mehr dazu). "Ich wollte sehen, was passiert, und ich habe es ihnen nicht einfach gemacht, ich wollte alles sehen." Er sei nicht besorgt gewesen, es sei für ihn nicht die erste Situation dieser Art gewesen. Dann habe er sich aber doch in einen sicheren Raum bringen lassen. Kampfsport-Promoter Dana White saß offenbar ganz vorn im Ballsaal. "Plötzlich wurde es laut", erzählte White in einem Interview (hier mehr). "Tische wurden umgeworfen, Typen rannten mit Waffen herein und schrien: ›Runter!‹ Ich bin nicht runtergegangen – es war verdammt großartig (fucking awesome)", sagte White. Er habe jede Minute in sich aufgesogen. Es sei eine "ziemlich verrückte, einzigartige Erfahrung" gewesen. Mag sein, dass es sich so zugetragen hat. Videos gibt es nicht von White, sondern vor allem von einem namenlosen grauhaarigen Mann, der in aller Seelenruhe seinen Salat verspeist, während um ihn herum Panik ausbricht. Das Internet hat ihm den Spitznamen "salad man" verpasst und feiert ihn für seine Coolness (hier das Video). Warum nicht die fragen, die es betrifft? Klingt eigentlich logisch. Passiert aber offenbar viel zu selten, wenn es um die Belange von Kindern geht. Eine neue Studie hat sich damit beschäftigt, was gutes Spielen ausmacht. Und die gefragt, die es betrifft: Kinder. Dabei haben die Forschenden Grundlegendes über deren Bedürfnisse gelernt. Und sich immer wieder über lustige Antworten gefreut wie diese: "Das Spielen war toll, weil ich ein rosa Prinzessinnen-Hündchen sein konnte." Da hört der Spaß auf: "Sag mal, spinnst du?", motzte der Sänger Howard Carpendale, 80, den ZDF-Moderator Oliver Welke, 60, in einem Instagram-Post an. Welke hatte in seiner satirischen "heute show"-Sendung gesagt: "Hundert Beine, stinkt alles nach Urin. Was ist das? Die erste Reihe bei Carpendale". Carpendale forderte Welke in dem Video auf, eines seiner Konzerte zu besuchen: "Komm mal vorbei, ich bring dir ein bisschen bei, was Empathie heißt, okay?" Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Falls Sie nicht zu den Nachteulen dieses Landes gehören, die die neueste Ausgabe der Literatursendung "Druckfrisch" schon gestern Nacht im linearen Fernsehen gesehen haben, könnten Sie das heute in der ARD-Mediathek nachholen. In den vergangenen Wochen war Moderator und Literaturkritiker Denis Scheck in die Kritik geraten, weil er Bücher von Sophie Passmann und Ildikó von Kürthy verrissen und dabei vermeintlich sexistische Klischees bedient hatte (hier mehr). Nun traf er auf die Schriftstellerinnen Judith Schalansky und Siri Hustvedt oder, wie es in der Ankündigung hieß, auf "starke Frauen". Eine "solide und völlig akzeptable" Sendung, urteilt meine Kollegin Anja Rützel. Und hat dennoch so einiges auszusetzen (hier die ganze Kritik ). Einen schönen Abend. Herzlich Ihre Laura Backes, Autorin