Libanon: Israels Armee meldet trotz Waffenruhe neue Angriffe auf Hisbollah

Datum27.04.2026 16:57

Quellewww.spiegel.de

TLDRTrotz einer von US-Präsident Trump verkündeten Waffenruhe meldet Israels Armee neue Angriffe auf Hisbollah-Ziele im Libanon. Die Hisbollah lehnt direkte Gespräche mit Israel ab. Der Libanon sucht den Kriegszustand zu beenden, stoße aber auf Widerstand der Hisbollah, deren ultimatives Ziel die Vernichtung Israels sei. Die USA vermitteln die Gespräche, nachdem der Libanon Anfang März in den Irankrieg hineingezogen wurde.

InhaltUS-Präsident Donald Trump hat zuletzt eine verlängerte Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah verkündet. Doch die gegenseitigen Attacken gehen weiter. Miliz-Chef Naim Qassem lehnt direkte Gespräche ab. Eigentlich gilt im Krieg im Nahen Osten eine Waffenruhe, auch zwischen Israel und der von Iran unterstützten Hisbollah-Miliz im Libanon. Trotzdem hat Israels Militär eigenen Angaben zufolge erneut die Hisbollah angegriffen. Die israelische Armee sagte am Nachmittag, sie habe begonnen, Infrastrukturanlagen der Terrororganisation im Süden sowie in der Bekaa-Ebene im Nachbarland ins Visier zu nehmen. Die Bekaa-Ebene erstreckt sich im Osten des Landes. Das israelische Militär hat dort seit Beginn der Feuerpause nicht mehr angegriffen. Aus libanesischen Sicherheitskreisen heißt es, dort habe Israels Armee Orte angegriffen, die als Hochburgen der Hisbollah gelten. Demnach gab es am Nachmittag auch heftige Angriffe der israelischen Luftwaffe in mehreren Orten im Süden des Landes. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht. Israelischen Medien zufolge hatten sich Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, Verteidigungsminister Israel Katz und weitere hochrangige Sicherheitsvertreter zuvor getroffen, um über Verstöße der Hisbollah gegen die Waffenruhe zu beraten. US-Präsident Donald Trump hatte die Feuerpause im Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah vor wenigen Tagen verlängert. Netanyahu wies die Armee kürzlich dennoch dazu an, Ziele der Hisbollah "intensiv" anzugreifen. Die israelische Armee darf sich laut der aktuellen Waffenruhe-Vereinbarung gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen, soll aber "offensive" Einsätze gegen Ziele im Libanon unterlassen. Auch die Hisbollah setzt ihre Angriffe weiter fort. Israel meldete am Morgen etwa erneut einen Drohnenangriff der Miliz auf den Norden des Landes. Dort gab es Raketenalarm. Der libanesische Präsident Joseph Aoun verteidigt derweil die Mitte des Monats begonnenen Verhandlungen mit Israel, legt aber rote Linien fest. "Mein Ziel ist es, den Kriegszustand mit Israel zu beenden", sagte Aoun. Er werde "kein demütigendes Abkommen akzeptieren". Der Präsident wies die scharfe Kritik der proiranischen Hisbollah an den Gesprächen mit Israel zurück. "Was wir tun, ist kein Verrat. Vielmehr begehen diejenigen Verrat, die ihr Land in den Krieg führen, um ausländische Interessen durchzusetzen", sagte er, ohne die von Teheran unterstützte Miliz namentlich zu erwähnen. Hisbollah-Chef Naim Qassem bekräftigte derweil die Haltung der Miliz: "Wir lehnen direkte Verhandlungen mit Israel kategorisch ab". Der Hisbollah-Anführer rief die libanesische Regierung auf, "von ihrer schweren Sünde Abstand zu nehmen, die den Libanon in eine Spirale der Instabilität stürzt". Die Hisbollah werde die Ergebnisse der Verhandlungen ignorieren und ihren Kampf fortsetzen. Die USA hatten die Verhandlungen zwischen dem Libanon und Israel vermittelt. Die beiden Nachbarländer unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand. Mitte April trafen sich diplomatische Vertreter Israels und des Libanon zu den ersten direkten Gesprächen seit Jahrzehnten in Washington. Der Libanon war Anfang März in den Irankrieg hineingezogen worden: Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, feuerte als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ali Khamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze. Im Libanon wurden seit Beginn der erneuten Eskalation mehr als 2500 Menschen getötet, mehr als eine Million Menschen mussten ihre Häuser verlassen.