Ostsee: Experten warnen vor Transport des Buckelwals

Datum27.04.2026 16:39

Quellewww.zeit.de

TLDRExperten des Deutschen Meeresmuseums raten dringend von einem geplanten Transport eines kranken Buckelwals in der Ostsee ab. Sie befürchten, dass die Bergung das Tier weiter belasten und zu Verletzungen führen könnte. Angesichts des schlechten Gesundheitszustandes des Wals halten sie eine palliative Versorgung und das Sterbenlassen des Tieres für die humanere Option. Umweltminister Till Backhaus hat trotz der Bedenken einer privaten Rettungsinitiative zugestimmt, die am Dienstag starten soll.

InhaltDer Buckelwal soll am Dienstag zu einem Lastkahn bewegt werden. Experten warnen vor der Belastung für das wohl kranke Tier und plädieren dafür, es sterben zu lassen. Experten des Deutschen Meeresmuseums haben kurz vor dem Start einer privaten Initiative vor dem Transport des verirrten Buckelwals in der Ostsee gewarnt. Der Zustand des Wales habe sich weiter verschlechtert, teilte das Museum in einer Stellungnahme mit, die der ZEIT vorliegt. Die Experten wiederholten ihre Forderung, der Wal solle "palliativ versorgt" und in Ruhe gelassen werden. "Die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung sind aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes des Wildtieres und der schlechten Gesamtprognose sehr gering." Der Buckelwal war am 23. März das erste Mal im flachen Wasser am Timmendorfer Strand aufgesessen. Danach hatte er sich mehrere Male freigeschwommen, war aber immer wieder gestrandet und liegt nun vor der Insel Poel auf einer Sandbank. Die wiederholte Strandung des Tieres deute auf "ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hin", teilten die Experten des Museums, die das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zu Beginn wissenschaftlich beraten hatten, erneut mit. Aus diesem Grund hatte Umweltminister Till Backhaus (SPD) bereits vor mehr als drei Wochen angekündigt, das Tier dort sterben zu lassen und Rettungsaktionen aufgrund der niedrigen Überlebenschancen zu beenden. Vergangene Woche änderte Backhaus jedoch seine Meinung und kündigte an, eine private Initiative zur Rettung des Tieres zu dulden. Dabei soll das zwölf Tonnen schwere Säugetier über mehr als 100 Meter zu einem Lastkahn bewegt werden, der den Wal schließlich wegtransportiert. Die Experten des Museums halten die Erfolgsaussichten der Aktion "aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes des Wildtieres und der schlechten Gesamtprognose" für sehr gering. Eine Bergung sei mit "enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden". Der Transport in einer "Metallbarge wäre aufgrund der hohen Schallreflexion mit einer sehr großen Lärmbelastung verbunden", warnt das Museum zudem. Diese Einschätzung teilen dem Museum zufolge auch andere nationale und internationale Expertinnen und Experten. Einem ersten Rettungskonzept der Initiative hatte das Umweltministerium vergangenen Freitag nicht zugestimmt. Ein neues werde man nun jedoch dulden, hatte Backhaus einen Tag später angekündigt. Die Rettungsaktion soll am Dienstagmorgen starten. Das teilte der DLRG mit, der laut eigenen Angaben mit 20 ehrenamtlichen Helfern und sechs Rettungsboten die Initiative unterstützt.