Datum27.04.2026 13:07
Quellewww.zeit.de
TLDRHessen testet ein neues Modell zur Notfallversorgung: Rettungsdienste können Patienten mit leichten Erkrankungen nun zu Hausärzten statt ins Krankenhaus bringen. Das Projekt "Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung" (SaN) soll Rettungsdienste und Notaufnahmen entlasten und Patienten schneller an die richtige Stelle leiten. Nach erfolgreicher Pilotphase startet das System nun im Echtbetrieb. Bisher nehmen 35 Praxen teil; eine Ausweitung zur besseren Abdeckung ist geplant. Die Bundesregierung erwägt eine Reform der ambulanten Notfallversorgung, wofür Hessen ein Vorbild sein könnte.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Gesundheit“. Lesen Sie jetzt „Mit dem Rettungsdienst in die Praxis?“. Hessen baut die Notfallversorgung weiter um. Ein bundesweit einmaliges Modellprojekt wurde gerade ausgeweitet und soll bundesweit Schule machen. Rettungsdienste können damit Patienten mit Bagatellerkrankungen auch zu einer Hausarztpraxis bringen statt ins Krankenhaus. Das System starte nun "in den Echtbetrieb", so die Kassenärztliche Vereinigung (KV). "Mit dem neuen System kommen Patienten direkt an die richtige Stelle – damit werden Rettungsdienst und Notaufnahmen entlastet", sagte Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) laut Mitteilung. "Wer medizinische Hilfe braucht, soll künftig schneller an die richtige Stelle geleitet werden. So bekommen Patienten die passgenaue Hilfe, die sie brauchen – bei gleichzeitiger Entlastung von Rettungsdienst und Notaufnahmen." Wie meist bei gesundheitspolitischen Themen hat das Kind einen ziemlich sperrigen Namen. In diesem Fall: "Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung", kurz "SaN". Ganz allgemein gesprochen geht es um Fälle, in denen Menschen den Notruf 112 wählen und dann von einem Rettungsdienst in die Notaufnahme einer Klinik gebracht werden, obwohl sie gar nicht so schwer krank sind. Diese Menschen sollen zu einem Haus- oder Facharzt gebracht werden. Das Modell wird bereits erprobt – in drei hessischen Pilotregionen: Main-Taunus-Kreis, Main-Kinzig-Kreis und Landkreis Gießen. Die zweite Stufe des Projekts begann am 13. April, wie die KV Hessen berichtet: Nachdem technische Hürden aus dem Weg geräumt wurden, läuft der Prozess inzwischen "durchgängig digital". Wie das im Einzelnen funktioniert, ist für die Patienten vermutlich nicht so wichtig. In Kürze kann man sagen, dass zuerst der medizinische Bedarf ermittelt wird, dann wird entschieden: stationär oder ambulant? Je nachdem steuert der Rettungsdienst Klinik oder Praxis an. Auch wenn das völlig logisch klingt: Das ist nicht die Regel. Damit diese Idee funktioniert braucht man Praxen, die sich bereiterklären, diese Patienten spontan zu behandeln. Das ist bisher der Engpass. Laut KV machen bisher in Hessen 35 Partnerpraxen und die 8 Bereitschaftsdienstzentralen mit. Rund 1.300 solcher Zuweisungen gab es seit dem Start des Projekts vor vier Jahren. Bei diesen Zahlen sei noch "Luft nach oben", findet die KV Hessen. Weil das Partnerpraxis-Netz noch recht löchrig ist, werde dann leider doch oft das nächste Krankenhaus angesteuert. Ein Jahr lang wird das Modell nun vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung evaluiert. Noch in diesem Jahr will die Bundesregierung die ambulante Notfallversorgung reformieren – Hessen könnte ein Vorbild sein. © dpa-infocom, dpa:260427-930-997063/2