US-Botschaft in Luxemburg retuschiert frühere Botschafterin aus Foto

Datum27.04.2026 10:33

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie US-Botschaft in Luxemburg hat ein Foto nachträglich bearbeiten lassen, um die frühere Botschafterin Cynthia Stroum zu entfernen. Stroum war wegen ihres Führungsstils umstritten und soll das Personal verärgert haben. Die Luxemburger Delegation distanzierte sich von der Bildbearbeitung. Der Vorfall erinnert an die Retuschen in der Sowjetunion und wirft Fragen nach der Glaubwürdigkeit digitaler Medien in Zeiten von KI und Fake News auf.

InhaltIn ihrer kurzen Amtszeit als US-Botschafterin in Luxemburg soll Cynthia Stroum große Teile des Personals gegen sich aufgebracht haben. Jetzt sorgt ein Foto-Fake um die Frau für Aufsehen. Es ist eine Posse, die tief blicken lässt: Die US-Botschaft in Luxemburg hat auf ihrer Instagram-Seite ein retuschiertes Foto veröffentlicht . Die vermeintliche Aufnahme zeigt eine Gruppe um die US-Botschafterin Stacey Feinberg und den luxemburgischen Großherzog Guillaume bei einem Empfang in New York City. Dem Chefredakteur des Luxemburger "Tageblatt", Armand Back, fiel auf, dass einer Person im Hintergrund sowohl Schulter als auch Arm fehlen, wie er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erzählte . Ein erstes Indiz darauf, dass hier nachgeholfen worden sein muss. Tatsächlich ergab Backs Recherche , dass ursprünglich eine weitere Person auf dem Foto zu sehen war: die frühere US-Botschafterin Cynthia Stroum. Ein weiteres, nicht retuschiertes Foto zeigt sie dann auch an entsprechender Stelle. Nur etwas mehr als ein Jahr war sie in Luxemburg im Amt, soll in der Zeit aber große Teile des Personals gegen sich aufgebracht haben. Ein offizieller Bericht kam zum Schluss , dass unter anderem Stroums Führungsstil dazu geführt habe, dass wesentliche Bereiche der Botschaft dysfunktional waren. Ließ die Botschaft die demokratische Politikerin deswegen von dem Foto verschwinden? Die Luxemburger Delegation distanzierte sich auf jeden Fall von dem Vorgehen und wollte nichts damit zu tun haben. Die US-Botschaft antwortete auf eine Anfrage des "Tageblatt" nicht auf Fragen, ob sie es etwa für unbedenklich hält, derart bearbeitete Bilder zu veröffentlichen oder warum das Foto überhaupt bearbeitet wurde. Mehr noch als das Warum interessiert in diesem Fall ohnehin die Wirkung. Zumal die US-Regierung unter Donald Trump deutlich freihändiger mit der Bearbeitung digitaler Inhalte agiert als ihre Vorgängerinnen. Der US-Präsident selbst veröffentlicht regelmäßig KI-Videos . Back bezeichnet den Fall als "Blaupause für alles, was später noch kommen sollte", wie er der "FAZ" sagte. "Hier wird die Öffentlichkeit getäuscht, das Bild entspricht nicht mehr der Wirklichkeit. Wir sollten sehr darauf achten, dass ein solches Vorgehen in Zeiten von KI und Fake News nicht Usus wird." Das retuschierte Bild – eine Peinlichkeit, die für mehr steht also? In den sozialen Netzwerken erinnern Nutzer an das Vorgehen in der Sowjetzeit. Diktator Josef Stalin ließ damals offizielle Fotos retuschieren, um ein neues Narrativ zu spinnen. Damals brauchte es noch Schere und Klebstoff oder Retuschierpinsel. Heute reicht oft schon das Smartphone.