Datum27.04.2026 08:21
Quellewww.zeit.de
TLDRDas Volleyball-Finale der deutschen Meisterschaft bestreiten die favorisierte SVG Lüneburg und die BR Volleys. Lüneburgs Trainer Stefan Hübner, ein Top-Coach, trifft auf Markus Steuerwald, der kurzfristig als Chefcoach der Berliner eingesprungen ist. Lüneburg strebt die erste Meisterschaft an, während Berlin seinen zehnten Titel in Serie gewinnen will, um die Saison zu retten. Beide Teams haben eine gewachsene Rivalität.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Volleyball-Finale“. Lesen Sie jetzt „Der Drei-Wochen-Chef fordert den besten deutschen Trainer“. Der eine hat seinen Verein in mehr als zehn Jahren zu einem internationalen Spitzenclub geformt, der andere ist erst seit ein paar Tagen der Chef an der Seitenlinie. Und beide waren vor rund 20 Jahren Teamkollegen in der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft. Wenn die erfolgsverwöhnten Seriensieger der BR Volleys ab Mittwoch (20.00 Uhr/Dyn) im Duell um die deutsche Meisterschaft auf die favorisierte SVG Lüneburg treffen, stehen vor allem die Trainer im Fokus. Auf der einen Seite Stefan Hübner. Deutschlands begehrtester und in den Augen vieler Experten bester Trainer, der Lüneburg zu einem Topteam geformt hat. Lockrufen von anderen Clubs und auch einem möglichen Engagement als Bundestrainer erteilte der 50-Jährige stets eine Absage und verlängerte bis 2030 bei der SVG. Die Aufgabe sei weiter "sehr, sehr reizvoll." In der anderen Ecke steht Markus Steuerwald, der nach dem Abgang von Alexandre Leal "aus familiären Gründen" erst am Donnerstag zum Chefcoach befördert wurde. Der frühere Weltklasse-Libero ist zwar kein Unbekannter, sollte die Rolle als Chefcoach aber eigentlich erst in der kommenden Saison übernehmen - bei den Grizzlys Giesen. Geht das Finale über die volle Distanz bis zu Spiel fünf am 13. Mai, wäre Steuerwald genau 21 Tage Berliner Trainer. Wie schon im Vorjahr haben die Niedersachsen die Chance, die jahrzehntelange Dominanz von Berlin und Friedrichshafen im deutschen Männer-Volleyball zu durchbrechen. Seit 1997 gab es keinen anderen Meister. Im Vorjahr unterlag die SVG dem Hauptstadtclub glatt mit 0:3, doch die Vorzeichen sind dieses Mal andere. Das Team von Hübner geht als Favorit in die Serie. "Wir haben das Ziel, es enger zu gestalten als letztes Jahr", sagte Hübner kleinlaut. Ihren kleinen Titel-Fluch beendeten die Lüneburger bereits im Pokalfinale gegen Friedrichshafen. Anschließend ging die SVG erstmals als Hauptrunden-Erster in die Playoffs und gab sich dort keine Blöße. Vier Siege und nur zwei verlorene Sätze lieferten einen Vorgeschmack auf den Showdown im Finale. "Ich schiebe die Favoritenrolle gerne rüber zu Lüneburg", sagte Berlins Kapitän Ruben Schott vor dem Duell, das Potenzial hat, der neue deutsche Volleyball-Klassiker zu werden. "Es hat sich über die letzten Jahre aufgebauscht. Da ist eine besondere Rivalität entstanden", befand der Nationalspieler. Lüneburgs Bonus als Spitzenreiter? Ein mögliches fünftes Duell würde vor heimischer Kulisse stattfinden. Berlins Geschäftsführer Kaweh Niroomand sprach trotzdem von einer "50:50"-Ausgangslage - und von vollem Vertrauen in Steuerwald. "Souverän, sehr reif. Er hat einen guten Zugang, gute Ansprache an die Spieler. Da mache ich mir wirklich null Sorgen", lobte Niroomand. Bei seiner Premiere gegen Friedrichshafen war Steuerwald am Sonntag der Inbegriff der Ruhe. Kaum jemand in der Halle strahlte eine vergleichbare Gelassenheit aus. Der 37-Jährige führte das auf eine gründliche Vorbereitung zurück – genau die wird auch vor den Finalspielen entscheidend sein. "Wenn man den Saisonverlauf anguckt, ist Lüneburg die konstantere Mannschaft. Wir haben aber Erfahrung, wie man Meisterschaften gewinnt", erklärte Steuerwald, der 2023 als Co-Trainer nach Berlin kam. Für Lüneburg geht es um die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Berlin will mit dem zehnten Meistertitel in Serie die Saison retten. Im Pokal scheiterte man im Halbfinale, in der Champions League in der Gruppenphase. Der Branchenprimus wünscht sich seit Jahren mehr ernstzunehmende Konkurrenten - in dieser Spielzeit wurde der Wunsch vielleicht übererfüllt. Aber: Die Berliner haben eine positive Bilanz gegen die SVG. Den Ligacup und das Rückspiel in der Liga gewannen die Volleys. "Wir nehmen die kleine Turnhalle auseinander", schickte Schott scherzhaft als Kampfansage in den Norden und reagierte damit auf eine Spitze aus dem Vorjahr. SVG-Geschäftsführer Andreas Bahlburg hatte damals erklärt: "Der Fernsehturm wackelt." Letztendlich musste das Berliner Wahrzeichen lediglich eine kleine Böe aushalten. Das könnte sich diesmal ändern. © dpa-infocom, dpa:260427-930-997640/1