Lars Klingbeil will härter gegen Steuerbetrug vorgehen

Datum27.04.2026 07:07

Quellewww.spiegel.de

TLDRFinanzminister Lars Klingbeil plant, Steuerbetrug härter zu bekämpfen. Künftig soll eine Selbstanzeige nicht mehr automatisch zur Straffreiheit führen, insbesondere bei höheren Beträgen. Ziel ist es, Anreize zur Steuerhinterziehung zu reduzieren und dafür zu sorgen, dass Ehrliche nicht benachteiligt werden. Ein Aktionsplan gegen Steuerkriminalität sieht zudem den Ausbau von Sondereinheiten und die zentrale Datenanalyse mittels KI vor. Dies geschieht vor dem Hintergrund budgetärer Beratungen und gegen eine ablehnende Haltung der Union bezüglich der Schuldenbremse.

InhaltWer Steuern hinterzieht, kommt oft mit einem einfachen Trick straffrei davon. Das will Finanzminister Klingbeil ändern. Die Union hat andere Prioritäten. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) möchte bei Steuerbetrügern künftig härter durchgreifen. "Ich will, dass eine Selbstanzeige nicht mehr generell zur Straffreiheit führt", sagte der SPD-Vorsitzende der Funke Mediengruppe. "Kriminelle dürfen sich nicht mehr so einfach freikaufen können." Niemand sollte darauf spekulieren, dass er straffrei ausgehe, wenn er Steuern hinterzogen habe und bei Gefahr der Entdeckung einfach eine Selbstanzeige erstatte, so Klingbeil. "Der Rechtsstaat muss hier durchgreifen. Denn die Milliardenschäden durch Steuerbetrug gehen zulasten von uns allen." Steuerhinterziehung wird in der Regel mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft, in besonders schweren Fällen sind auch zehn Jahre möglich. Eine Selbstanzeige kann jedoch zur Straffreiheit führen, wenn sie vollständig ist und rechtzeitig erfolgt, also bevor etwa eine Prüfung angekündigt oder die Tat bereits entdeckt ist. Die hinterzogenen Steuern samt Zinsen müssen dann nachgezahlt werden, bei höheren Beträgen kommen häufig Zuschläge hinzu, oder es gelten verschärfte Voraussetzungen. Im Jahr 2024 wurden nach einer Statistik des Bundesfinanzministeriums insgesamt 19.110 Steuerstrafverfahren eingestellt, darunter 5154 Verfahren nach Selbstanzeigen, bei denen es um Steuerhinterziehung bis zu 25.000 Euro ging. In 36 Fällen von Selbstanzeigen, die höhere Summen betrafen, sei gegen eine zusätzliche Zahlung von der Strafverfolgung abgesehen worden, heißt es im Monatsbericht des Finanzministeriums aus dem November 2025. Die Idee dahinter ist, dass Steuerbetrügern die Rückkehr zur Ehrlichkeit erleichtert werden soll. Im Bundesfinanzministerium wird dem Bericht zufolge jedoch beklagt, dass die bestehende Straffreiheit zu Fehlanreizen führe und dazu verleite, Steuern zu hinterziehen und sie erst vor der befürchteten Entdeckung per Selbstanzeige zu erklären. Das Ministerium will den Angaben zufolge deshalb eine Gesetzesänderung vorschlagen, nach der die Selbstanzeige künftig "oberhalb bestimmter Schwellenwerte" nur noch strafmildernd, aber nicht mehr strafbefreiend wirkt. Klingbeil sagte den Funke-Medien: "Wir schützen die, die sich an die Regeln halten. Die Ehrlichen dürfen nicht die Dummen sein." Der Vorstoß ist dem Bericht zufolge Teil eines Aktionsplans, um Steuerkriminalität besser zu bekämpfen. Dazu gehöre auch, dass die Sondereinheit gegen Steuerhinterziehung im Bundeszentralamt für Steuern aufgerüstet werde. Daten der Finanzbehörden sollten künftig zentral auf einer Plattform gespeichert und mithilfe von künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. "Das Signal an Steuerhinterzieher muss sein: Versucht es erst gar nicht, wir erwischen euch", sagte Klingbeil. Die schwarz-rote Koalition steht vor entscheidenden Tagen. Am Mittwoch will Klingbeil die Eckpunkte für den Haushalt 2027 und seine Planung für die Folgejahre ins Kabinett bringen. Den kürzlichen Vorstoß der SPD zur Aussetzung der Schuldenbremse aufgrund des Irankriegs lehnen führende Politiker der CDU ab. Diese fordern im Gegenzug ein Sparpaket von Lars Klingbeil. "Der Finanzminister muss jetzt seinen Job machen und Kürzungsvorschläge vorlegen", sagte der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand (PKM), Christian von Stetten, der "Bild". Nötig seien Sparmaßnahmen und Kürzungen in den Ministerien.