Datum27.04.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDREbay Kleinanzeigen wird als besseres Social Media dargestellt, da es echte Interaktionen fördert. Der Artikel berichtet über Marathonrekorde, die Ablehnung Olympia durch die Linken und die Schließung einer Suchtklinik für Jugendliche. Zudem wird ein neues Franzbrötchenrezept vorgestellt, und eine Ausstellung über Care-Arbeit im Museum der Arbeit erwähnt.
InhaltDie Elbvertiefung am Montag – Mit Rekorden beim Marathon, klarer Olympiaablehnung und Franzbrötchen mal anders ich miste zu Hause gerade etwas aus. Dabei stieß ich auf meine alte CD-Sammlung. Weil ich keinen CD-Spieler besitze und Musik im Internet hören kann, beschloss ich, nur Alben zu behalten, die einen besonderen emotionalen Wert für mich haben. Einen Stapel von 22 CDs fotografierte ich und lud das Bild bei Ebay Kleinanzeigen hoch: "Hip-Hop-Klassiker, CDs Gesamtpaket", 10 Euro. Ein Interessent namens Elvis schrieb mir. Ob die CDs Kratzer hätten? Nein, schrieb ich. Wenig später klingelte es an der Tür, da stand ein Mann mit Cappy auf dem Kopf, eine große Uhr am Handgelenk, die Klamotten weit; dass er Hip-Hop-Fan war, überraschte mich nicht. "Was machst du?", fragte er. "Wieso verkaufst du die ganzen CDs?" Elvis sagte, er liebe Hip-Hop. Er sei 51 und habe schon als 13-Jähriger in Hamburg die Musik der kalifornischen Rap-Gruppe N.W.A gehört. Zu Hause habe er eine CD-Anlage und einen Plattenspieler. Er zog einen kleinen Bluetooth-Lautsprecher aus der Jackentasche und zeigte auf sein Fahrrad: "Ich höre unterwegs auch immer Hip-Hop, die Leute denken, ich bin verrückt." Auf Konzerte gehe er nicht, weil er Platzangst bekomme. "Ich mache meine eigene Party", sagte Elvis, seinen neuen CD-Stapel vor sich. The Chronic von Dr. Dre, King von T.I., Word of Mouf von Ludacris, Get Back von Little Brother, Free at Last von Freeway. Elvis grinste wie ein Kind an Weihnachten. "Du bist ein Engel, ey. Hip-Hop ist einfach das Beste." Wir sprachen noch ein wenig. Dann fuhr er davon. Manchmal denke ich, Ebay Kleinanzeigen ist das bessere Social Media. Bei Instagram und Co. fehlt mir oft die echte Interaktion mit Menschen, aber durch Kleinanzeigen haben sich für mich schon viele schöne Gespräche ergeben. Vielleicht sollte ich öfters etwas verkaufen. Das Leben im Kapitalismus kann so einfach sein! Als ich diesen Text schrieb, hörte ich übrigens die Musik, die ich weggegeben hatte, per Stream im Internet. Aber bereuen tue ich den Verkauf nicht. Denn ich weiß ja: Irgendwo sitzt Elvis mit meinen CDs und hat die Zeit seines Lebens. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Yannick Ramsel Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de. Am Sonntag erzielte Samuel Fitwi beim 40. Hamburg-Marathon mit 2:04:45 Stunden die bisher zweitbeste Zeit eines deutschen Athleten auf dieser Strecke. Schneller war nur der Marokkaner Othmane El Goumri mit 2:04:24 Stunden. Bei den Frauen feierte die Kenianerin Brillian Jepkorir Kipkoech mit 2:17:05 Stunden einen Streckenrekord. Bei ihrem zweitägigen Landesparteitag haben sich die Linken erneut gegen eine Olympiabewerbung ausgesprochen. Landessprecher Thomas Iwan nannte es eine "Scheißidee", mit der den Hamburgerinnen und Hamburgern "vorgegaukelt" werden solle, Olympia sei die Lösung für alle Probleme. Ende Mai entscheiden rund 1,3 Millionen Einwohner per Referendum über die Bewerbung. Die Stadt Hamburg zahlte 2025 rund 160 Millionen Euro, um Geflüchtete in Hotels unterzubringen – 30 Millionen Euro weniger als 2024, teilte der Senat auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion mit. Seit 2022 summieren sich die Ausgaben auf 600 Millionen Euro. Die AfD-Fraktion kritisierte entstehende Haushaltslöcher. In Hamburg ist die Zahl der Suizide 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent zurückgegangen, vor allem bei Männern. Wie der Senat auf eine Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion mitteilte, wurden 201 statt zuvor 276 Selbsttötungen registriert. Besonders häufig nahmen sich Menschen über 75 Jahre das Leben; 32 Fälle waren assistierte Suizide. Eine gewisse Dunkelziffer bleibe. Das Schauspielhaus setzt weiter auf Stoffe aus der Antike. Nach dem Erfolg seiner Anthropolis-Reihe über die Stadt Theben (vielfach ausgezeichnet, etwa als "Inszenierung des Jahres 2024"), verarbeitet Fremde Sonne in der kommenden Spielzeit in sechs Teilen den Argonauten-Mythos. Die Regie übernimmt erneut die Intendantin Karin Beier, den Text Roland Schimmelpfennig. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Deutschlands größte Suchtklinik für drogenabhängige Jugendliche muss schließen – aus finanziellen Gründen. Nun ist die Versorgung gefährdet. Wie konnte es so weit kommen? Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Redakteurin Katja Klapsa. Manchmal, sagt Pascal, denkt er darüber nach, was ohne die Klinik passiert wäre. Wenn er einfach weitergemacht hätte wie die Jahre zuvor. "Wahrscheinlich", sagt Pascal und blickt in den Himmel, "wäre ich jetzt tot." Der 19-Jährige sitzt auf einer Holzbank im Innenhof der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik, einer Reha-Einrichtung für junge Suchtkranke zwischen zwölf und 20 Jahren. Es ist ein kühler, sonniger Tag im April, vor ihm steht eine Feuerschale mit verkohlten Holzresten. Pascal, der eigentlich anders heißt, hat gestern mit anderen jungen Patienten Würstchen und Marshmallows gegrillt, es wurde viel geredet und gelacht. Für ihn ist das noch neu, ausgelassen zu sein, ganz ohne Drogen. Seit vier Monaten lebt Pascal in der Suchtklinik im niedersächsischen Ahlhorn im Landkreis Oldenburg. Die Einrichtung ist die größte Anlaufstelle für drogenabhängige Kinder und Jugendliche in Deutschland, seit 1984 wurden hier mehrere Tausend Patienten behandelt. Vielen von ihnen gelang danach der Übergang in ein normales Leben, sie fanden einen Job und eine stabile Partnerschaft. Doch jetzt, mehr als 40 Jahre später, steht die Klinik vor dem Aus. Pascal gehört zu den letzten Patienten, die aufgenommen wurden. Ende März beschloss der diakonische Klinikbetreiber Leinerstift, die Einrichtung wegen finanzieller Probleme Ende Juni zu schließen. "Dahinter steckt ein strukturelles Systemversagen, das die schwächsten unserer Gesellschaft, suchterkrankte Kinder und Jugendliche, unversorgt lässt", schrieb der Klinikbetreiber in einem Statement. Wie es zu der Schließung gekommen ist, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Zitronen-Mohn-Franzbrötchen: Probieren geht über Tourieren! Nie mehr Angst vorm Plunderteig: Dank eines vereinfachten Arbeitsschrittes sind diese Mohn-Franzbrötchen etwas weniger blättrig, dafür aber umso saftiger und weicher. ZEIT-Autorin Yelda Yilmaz wagt sich an einen Hamburger Klassiker und stellt das Rezept für Zitronen-Mohn-Franzbrötchen vor. → Zum Artikel (Z+) Bis zum kommenden Sonntag haben Sie noch Zeit, die Ausstellung Care! Wenn aus Liebe Arbeit wird im Museum der Arbeit anzuschauen. Care-Arbeit ist in unserer Gesellschaft noch immer unterschätzt – ob in der bezahlten Sorgearbeit in Kitas, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen oder in der unbezahlten Pflege innerhalb von Familien. Die Ausstellung zeigt historische Fotos aus dem Krankenhausalltag, aktuelle Aufnahmen, Objekte, Videos und Filmausschnitte. Auch die Frage, welche Rolle Robotik künftig in der Pflege spielen kann, wird verhandelt. "Care! Wenn aus Liebe Arbeit wird", bis 3. Mai; Museum der Arbeit, Wiesendamm 3; Mi.–Fr. 10–17 Uhr, Sa.+So. 10–18 Uhr, Mo. 10–21 Uhr; am Sonntag, 3. Mai findet ab 15 Uhr die Finissage der Ausstellung statt Wir denken laut über mögliche Ziele für einen Kurzurlaub nach: "Florenz wäre mal wieder nett, mit dem schönen Dom und so." Unsere 8-jährige Tochter ruft vom Nebenzimmer: "Pffff, so ein langweiliger Dom ohne Karussells!" Gehört von Kally Peche Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. 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