Radko Mladić will in Serbien sterben, Opferverbände lehnen Verlegung ab

Datum26.04.2026 19:37

Quellewww.spiegel.de

TLDRRatko Mladić, verurteilter Kriegsverbrecher und ehemaliger bosnisch-serbischer Armeechef, möchte wegen seines schlechten Gesundheitszustands in Serbien behandelt werden. Opferverbände des Bosnienkriegs lehnen eine Verlegung entschieden ab. Sie sehen darin eine Ungerechtigkeit und eine Gefahr für die Glaubwürdigkeit internationaler Justiz, da Mladić einst mit Hilfe Serbiens der Justiz entkam. Sein Antrag auf vorzeitige Entlassung wird als weitere Provokation für die Opfer des Srebrenica-Massakers betrachtet.

Inhalt16 Jahre war der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladić auf der Flucht, bis er 2021 gefasst wurde. Nun sitzt der schwer erkrankte Greis in Den Haag ein – lebenslang. Das will er ändern. Verbände von Opfern des Bosnienkriegs haben sich gegen eine mögliche Verlegung des Kriegsverbrechers Ratko Mladić nach Serbien ausgesprochen. Die Familien der Kriegsopfer sähen es als eine "schwere Ungerechtigkeit an", falls der zu lebenslanger Haft verurteilte Kriegsverbrecher der weiteren Haft unter internationaler Aufsicht entgehen würde. So haben es die Vertreter von fünf Opferverbänden in einem am Samstag veröffentlichten Brief an die Präsidentin des Internationalen Mechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMCT), Graciela Gatti Santana, formuliert. Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Mladić war 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ) in Den Haag verurteilte ihn wegen seiner Verantwortung für das Massaker von Srebrenica sowie weiterer Kriegsverbrechen im Bosnienkrieg zu lebenslanger Haft. Trotz seiner Verurteilung wird Mladić von manchen Serben bis heute als Held verehrt. Seine Anwälte versuchten in den vergangenen Jahren mehrfach, eine vorzeitige Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen zu erreichen. Nach Angaben seiner Familie hatte Mladić vor zwei Wochen einen Schlaganfall erlitten und befindet sich in "dramatisch schlechtem" Zustand. Mladićs Anwalt beantragte am Freitag, den 84-Jährigen vorläufig aus der Haft zu entlassen, damit er in Serbien im Krankenhaus behandelt werden könne. Sollte dem Antrag stattgegeben werden, wäre dies eine "weitere Erniedrigung für die Opfer und würde die Glaubwürdigkeit der internationalen Justiz in Frage stellen", erklärten die Opferverbände in ihrem am Samstag veröffentlichten Schreiben. Mladić sei "mit der Unterstützung genau des Staates, in den er verlegt werden soll, jahrelang der Justiz entkommen". In der bosnischen Stadt Srebrenica hatten serbische Einheiten im Sommer 1995 rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Das Massaker gilt als eines der schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.