Beatrice Venezi in Venedig: Dirigentin und Meloni-Vertraute wird La Fenice doch nicht leiten

Datum26.04.2026 19:33

Quellewww.spiegel.de

TLDRBeatrice Venezi wird doch nicht Musikdirektorin des Teatro La Fenice in Venedig. Trotz ihrer Ernennung im Oktober 2023 wurden alle geplanten Projekte gestrichen. Kritiker bemängelten Venezis mangelnde Erfahrung und ihre Nähe zur Regierung Meloni. Auch die Belegschaft und frühere Bürgermeister protestierten. Ausschlaggebend für die Absage waren laut Opernhaus "schwerwiegende öffentliche Äußerungen" Venezis über das Orchester und dessen Arbeitsweise, die als beleidigend und unvereinbar mit den Werten des Theaters gewertet wurden.

InhaltDie vorgesehene neue Musikdirektorin Beatrice Venezi wird nun doch nicht Venedigs größtes und bekanntestes Opernhaus leiten. Zuvor hatte es Protestaktionen gegeben. Im bekannten Opernhaus La Fenice in Venedig muss die umstrittene Dirigentin Beatrice Venezi gehen – noch bevor sie überhaupt angefangen hatte. Alle geplanten gemeinsamen Projekte mit der 36-Jährigen werden gestrichen, teilte die Stiftung des Opernhauses in der italienischen Lagunenstadt mit. Das Teatro La Fenice – das größte und bekannteste Opernhaus in Venedig – hatte Venezi vergangenen Oktober zur neuen Musikdirektorin ernannt. Sie sollte eigentlich ab Oktober dieses Jahres das Amt übernehmen, bis März 2030. Die Ernennung der Dirigentin zur Musikdirektorin des Teatro La Fenice sorgt aber seit Monaten für Streit. Kritiker bemängelten , sie sei unerfahren, da sie noch nie eines der großen Orchester der Welt dirigiert hat. Sie gilt als politisch nah an der rechten Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, und als persönliche Vertraute. Venezi sei nur wegen dieser Verbindungen zu Premierministerin ausgewählt worden, so ein weiterer Vorwurf. Die Belegschaft kritisierte, nicht in die Entscheidung eingebunden worden zu sein. Ihre Forderung war es, die Entscheidung rückgängig zu machen. Auch vier frühere Bürgermeister von Venedig hatten sich laut Medienberichten zuvor in den Konflikt eingeschaltet. Nach ihren Worten wurden bei der Ernennung bewährte Verfahren missachtet. Dazu gehöre, dass sich sich Dirigent und Orchester vor einer dauerhaften Verpflichtung zuerst kennenlernen und zusammenarbeiten. Insbesondere Intendant Nicola Colabianchi, der Venezis Engagement verteidigt hatte, erntete von Orchester, Chor und Beschäftigten Kritik. Die Belegschaft reagierte mit Arbeitsniederlegungen und weiteren Aktionen, die bis über die Grenzen Venedigs für Wirbel gesorgt hatten. Ausschlaggebend für die Beendigung der Zusammenarbeit waren nun laut Stiftung des Opernhauses "wiederholte und schwerwiegende öffentliche Äußerungen" von Venezi. Diese hätten den "künstlerischen und professionellen Wert der Stiftung Teatro La Fenice und ihres Orchesters beleidigt und beeinträchtigt". Sie seien mit den Grundsätzen des Theaters unvereinbar. In einem Interview mit der argentinischen Zeitung "La Nacion" kritisierte Venezi zuletzt die Arbeit im Orchester und sagte unter anderem, Stellen würden "praktisch von Vater zu Sohn" weitergegeben. Sie bemängelte in dem Opernhaus ein Umfeld, das nötige Veränderungen nicht akzeptieren wolle.