Philippinen: Armee tötet 19 kommunistische Rebellen – darunter zwei US-Amerikaner

Datum26.04.2026 18:09

Quellewww.spiegel.de

TLDRBei Gefechten auf den Philippinen wurden 19 mutmaßliche kommunistische Rebellen, darunter zwei US-Amerikaner, getötet. Die "New People's Army" sei eine der ältesten aktivierten kommunistischen Milizen Asiens. Menschenrechtsgruppen fordern eine unabhängige Untersuchung, da auch Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen. Die USA und die EU stufen die Rebellengruppe als terroristisch ein.

InhaltSie sollen nur wenige Wochen zuvor ins Land gekommen sein: Zwei US-Amerikaner haben sich offenbar einer kommunistischen Miliz auf den Philippinen angeschlossen. Sie starben in einem der ältesten aktiven Konflikte Asiens. Unter 19 mutmaßlichen kommunistischen Guerillakämpfern, die bei Zusammenstößen mit philippinischen Truppen getötet wurden, sollen sich zwei US-Amerikaner befunden haben. Das gab eine Spezialeinheit der philippinischen Armee am Samstag bekannt. Zu den Gefechten war es am vergangenen Sonntag in einer zentralphilippinischen Provinz gekommen. Demnach seien die US-Amerikaner zusammen mit 17 weiteren mutmaßlichen Guerillakämpfern der New People’s Army bei einer Reihe von Zusammenstößen mit Armee-Einheiten am 19. April in der Küstenstadt Toboso in der Provinz Negros Occidental getötet worden. Die Spezialeinheit warnte US-Amerikaner philippinischer Herkunft in den Vereinigten Staaten davor, sich von linken Aktivistengruppen dazu verleiten zu lassen, sich den Aufständischen auf den Philippinen anzuschließen oder diese zu unterstützen. Sie bezeichnete diesen Rekrutierungsprozess als "Terror-Grooming". Die Philippinen wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von den USA kontrolliert und waren zwischenzeitlich eine US-Kolonie. Menschenrechtsgruppen forderten jedoch eine unabhängige Untersuchung der Zusammenstöße. Sie erklärten, dass Zivilisten getötet worden seien, darunter ein Studierendenführer der staatlichen University of the Philippines, zwei lokale Verfechter der Bauernrechte und ein Journalist, der seine Unterstützung für verarmte Dorfbewohner habe bekunden wollen. "Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, diesen Fall genau zu beobachten, da es sich nicht um einen Einzelfall handelt, sondern um Teil eines anhaltenden Musters von Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht in den ländlichen Gebieten der Philippinen", teilte die Menschenrechtsgruppe National Union of People’s Lawyers mit. Ein führender Vertreter der philippinischen Spezialeinheit sagte, alle 19 Getöteten seien identifiziert und ihre sterblichen Überreste den Familien übergeben worden. "Diese Fakten deuten auf eine beunruhigende Konstellation hin: Ausländische Staatsangehörige in einer realen Kampfsituation, in der die Risiken unmittelbar und die Folgen irreversibel sind", sagte er. Die beiden US-Amerikaner seien im März auf den Philippinen eingetroffen und "sollen anschließend nach Negros Occidental gereist sein, wo sie am 19. April getötet wurden." Laut philippinischen Militärvertretern kam es zu dem Zusammenstoß, als Armee-Einheiten Hinweisen von Dorfbewohnern auf die Anwesenheit mutmaßlicher Rebellen nachgingen. Dabei wurde ein Rebellenkommandant getötet, auf den ein Kopfgeld von einer Million Pesos (umgerechnet 16.600 Dollar) ausgesetzt war. Ein Soldat wurde bei den Kämpfen verwundet. Am Ort der Zusammenstöße beschlagnahmte die Spezialeinheit nach eigenen Angaben 24 Schusswaffen und nahm eine nicht näher bezifferte Anzahl flüchtender Guerillakämpfer gefangen. Die USA und die EU stufen die New People’s Army ebenso als terroristische Organisation ein wie die Philippinen. Auf ihrem Höhepunkt vor Jahrzehnten zählte die Rebellengruppe schätzungsweise 25.000 Kämpfer, die einen der längsten kommunistischen Aufstände Asiens führten. Durch verlorene Schlachten, Spaltungen und sich ergebende Kämpfer besteht die Gruppe laut Sicherheitsbeamten nur noch aus weniger als 900 Rebellen. Der Konflikt zwischen philippinischer Regierung und kommunistischen Rebellen gehört zu den ältesten auf dem asiatischen Kontinent. Der bewaffnete Arm der Kommunistischen Partei hatte 1969 einen maoistisch beeinflussten Aufstand gegen die Regierung in Manila begonnen. Schätzungen zufolge wurden in dem Konflikt bislang mehr als 30.000 Menschen getötet. Von Norwegen vermittelte Friedensgespräche scheiterten 2017 unter dem früheren philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte, nachdem beide Seiten einander vorgeworfen hatten, trotz der Verhandlungen weiterhin tödliche Angriffe zu verüben.