Mali: Verteidigungsminister bei Angriff von Dschihadisten getötet

Datum26.04.2026 16:41

Quellewww.zeit.de

TLDR

InhaltIn Mali führen Dschihadisten gemeinsam mit Tuareg-Rebellen weiter Angriffe auf die Armee aus. Bei der Explosion einer Autobombe starb Verteidigungsminister Sadio Camara. Bei den andauernden Angriffen von Dschihadisten und Tuareg-Rebellen in Mali ist der Verteidigungsminister der Militärjunta, Sadio Camara, getötet worden. Dies berichtet der französische Radiosender RFI. Auch die Nachrichtenagentur AFP meldet unter Berufung auf seine Familie und Regierungskreise den Tod des Ministers. Camara sei am Samstag durch die Explosion einer Autobombe in seiner Residenz in Kati, einem Vorort der malischen Hauptstadt Bamako, getötet worden. Bei dem Angriff seien auch seine zweite Frau und zwei seiner Enkel getötet worden. "Wir haben einen sehr geliebten Menschen verloren, den Verteidigungsminister. Er ist auf dem Feld der Ehre gefallen", hieß es aus Regierungs- und Armeekreisen. Seit Samstag führen in Mali Dschihadisten, die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündet sind, gemeinsam mit der Tuareg-Rebellengruppe FLA landesweit koordinierte Angriffe auf die Armee aus. Die Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) erklärte, ihre Kämpfer hätten die Wohnhäuser von Junta-Chef Assimi Goita und Verteidigungsminister Camara angegriffen. Auch der internationale Flughafen von Bamako und weitere Ziele seien attackiert worden. Die Tuareg-Rebellengruppe FLA erklärte, die Stadt Kidal im Norden Malis eingenommen zu haben. Auch am Sonntag wurden wieder Kämpfe in mehreren Städten des Landes gemeldet. Neben Kati waren demnach Gao, Sévaré und Kidal Schauplatz heftiger Gefechte. Ein Einwohner in Kati sagte, die Kämpfe seien "überall" wieder aufgeflammt und die Dschihadisten "auf dem Hügel" über dem Ort. Ein anderer Einwohner berichtete von Flugzeugen über der Stadt. Am Sonntag gab die Tuareg-Rebellengruppe FLA allerdings eine "Einigung" mit russischen Streitkräften bekannt, welche die malische Junta unterstützen. Die Einigung sehe vor, dass die malische Armee und ihre russischen Verbündeten vom Afrikakorps ein Lager verlassen könnten, "in dem sie sich seit gestern verschanzt hatten", sagte ein FLA-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Mali hat - wie auch seine Nachbarstaaten Niger und Burkina Faso - die Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich abgebrochen und sich Russland angenähert. Die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) teilte mit, sie koordiniere die Angriffe mit der FLA. "Gemeinsam führen wir eine wahrhaftige Transformation aus, im Dienste der Religion, des Landes und des Volkes", erklärte der Al-Kaida-Ableger. Die malischen Streitkräfte hatten am Samstag mitgeteilt, "terroristische Gruppen" hätten am frühen Morgen Kasernen und andere Punkte in Bamako und weiteren Landesteilen angegriffen. Mali wird seit vielen Jahren von massiver Gewalt erschüttert, nicht zuletzt nach den zwei Militärputschen in den Jahren 2020 und 2021. Die herrschenden Militärs sehen sich unter anderem mit einer Rebellion islamistischer Extremisten konfrontiert. Die Angriffe auf Regierungstruppen am Wochenende hatten nach Einschätzung von Beobachtern aber eine neue Qualität. Die EU verurteilte die "Terroranschläge" in Mali aufs Schärfste, wie es in einer Erklärung der Außenbeauftragten Kaja Kallas hieß. Auch UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die "Gewalttaten" in Mali. Er rief nach Angaben eines Sprechers zudem zu koordinierter internationaler Unterstützung auf, um der "Bedrohung durch gewalttätigen Extremismus und Terrorismus in der Sahelzone zu begegnen".