40 Jahre nach Reaktorunglück: Wo die Folgen von Tschernobyl in Deutschland noch messbar sind

Datum26.04.2026 15:09

Quellewww.spiegel.de

TLDRVierzig Jahre nach Tschernobyl sind die Folgen des Reaktorunglücks in Deutschland noch messbar. Radioaktives Cäsium-137 ist weiterhin in Waldböden, besonders in Süddeutschland, vorhanden. Dies kann zu erhöhter Belastung in Wildschweinfleisch und Pilzen führen. Supermarktprodukte sind streng kontrolliert. Jägern und Pilzsammlern wird geraten, ihren Konsum zu begrenzen. Das BVA erstattet Jägern Kosten für nicht vermarktbares Wild.

InhaltAuch Jahrzehnte nach dem GAU in Tschernobyl findet sich noch erhöhte Radioaktivität in deutschen Waldböden, vor allem in Süddeutschland. Was Jäger und Pilzsammler beachten sollten. Auch 40 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl sind dessen Folgen in Deutschland noch messbar. So können vor allem Wildschweinfleisch und Pilze weiterhin radioaktiv belastet sein. Denn in Waldböden gebundenes radioaktives Cäsium wird von Pilzen aufgenommen und gelangt über die Nahrungskette auch in Wildschweine, die unter anderem unterirdisch wachsende Hirschtrüffel fressen. Diese können das Element besonders stark anreichern. Wer allerdings nicht zu jeder Mahlzeit übermäßig belastete Pilze oder Wildschweinfleisch zu sich nehme, müsse sich keine Sorgen machen, sagt Martin Steiner, Leiter des Fachgebiets Radioökologie beim Bundesamt für Strahlenschutz. Die erhöhte radioaktive Belastung finde sich zudem nur in bestimmten selbst gesammelten oder erlegten Lebensmitteln. Was im Supermarkt verkauft werde, unterliege strengen Richtlinien, auch hinsichtlich der Radioaktivität. Das Bundesumweltministerium empfiehlt, wegen möglicher Belastungen mit Cäsium-137 sowie Schwermetallen wie Quecksilber und Cadmium nicht mehr als 200 bis 250 Gramm frische Wildpilze pro Woche zu essen. Für Kinder gilt eine entsprechend geringere Menge. Bei dem Reaktorunfall in Tschernobyl im Jahr 1986 gelangten verschiedene radioaktive Stoffe in die Atmosphäre, darunter Jod, Cäsium, Strontium und Plutonium. Heute sei in Deutschland nur noch Cäsium-137 von Bedeutung, teilte das rheinland-pfälzische Landesumweltministerium mit. Das Cäsium habe sich im Boden abgelagert und sei mit einer Halbwertszeit von etwa 30 Jahren erst zu rund 60 Prozent zerfallen. In Ackerböden sei es fest gebunden, Pflanzen könnten den Stoff dort nur geringfügig aufnehmen. In Waldböden sei das anders, hier sei der Stoff weniger gebunden und werde stärker von Mikroorganismen, Pflanzen und Pilzen aufgenommen. Jägerinnen und Jäger sind deshalb verpflichtet, bei der Vermarktung von Wildfleisch Eigenkontrollen durchzuführen. Ergänzend dazu überprüft die amtliche Lebensmittelüberwachung stichprobenartig Schwarzwildfleisch aus Handel, Gastronomie und spezialisierten Metzgereien. Das Bundesverwaltungsamt (BVA) zahlt Jägerinnen und Jägern eine Erstattung für Wild, das wegen zu hoher Strahlenbelastung nicht verkauft werden darf. Im vergangenen Jahr wurde diese Erstattung laut BVA deutschlandweit für knapp 3000 Tiere gezahlt. Der größte Teil davon – etwa 2300 – stammte demnach aus Bayern. In Baden-Württemberg waren es 491 Wildschweine. Anderes Wild war deutschlandweit nicht betroffen. Nach dem Reaktorunfall lagerten sich radioaktive Stoffe vor allem im Süden Deutschlands ab, etwa in Gebieten südlich der Donau und im Bayerischen Wald. Mit einem Experiment mit Pilzen wies der Fotograf Bernd Blumrich nach, was in der DDR niemand wissen durfte: Die Folgen der Katastrophe von Tschernobyl gefährdeten auch im SED-Staat die Gesundheit der Menschen. Mehr dazu lesen Sie hier .