Mali: Dschihadisten und Tuareg-Rebellen bekennen sich zu Angriffen in Mali

Datum26.04.2026 11:38

Quellewww.zeit.de

TLDRDschihadisten des JNIM und Tuareg-Rebellen der FLA bekennen sich zu koordinierten Angriffen auf militärische Ziele in Mali. Die Regierung meldet 16 Verletzte, während die FLA die Einnahme von Kidal verkündet. Es gab Gefechte in Bamako und weiteren Städten. Mali nähert sich Russland an, westliche Länder werden zur Vorsicht aufgerufen. Beobachter sprechen von einer koordinierten Offensive, wie seit 2012 nicht mehr gesehen. UN-Generalsekretär verurteilt die Taten.

InhaltDie dschihadistische JNIM und die Tuareg-Rebellen FLA haben in Mali nach eigenen Angaben mehrere militärische Ziele attackiert. Laut der Regierung gab es 16 Verletzte. Nach den Angriffen auf militärische Ziele in Mali haben sich mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Dschihadisten und die von Tuareg dominierte Rebellenallianz FLA zu gemeinsamen Angriffen bekannt. "Gemeinsam führen wir eine wahrhaftige Transformation aus, im Dienste der Religion, des Landes und des Volkes", gab der regionale Al-Kaida-Ableger JNIM bekannt. In Malis Hauptstadt Bamako und weiteren Städten des westafrikanischen Krisenstaates war es zuvor zu Gefechten zwischen der Armee und bewaffneten Angreifern gekommen. Die Gruppen hatten sich zunächst unabhängig voneinander zu Angriffen auf verschiedene Orte bekannt. Die FLA teilte in sozialen Medien mit, ihre Kämpfer hätten "die Kontrolle" über Kidal und mehrere Stellungen in Gao übernommen. In einer Mitteilung bekannte sich der regionale Al-Kaida-Ableger JNIM zu den Überfällen in Kati, Kidal, auf den Flughafen von Bamako sowie in weiter nördlich gelegenen Orten, darunter Mopti, Sévaré und Gao. Darunter waren auch Angriffe auf die Wohnhäuser des malischen Militärjuntachefs Assimi Goita in Kati und des Verteidigungsministers General Sadio Camara. Gerüchte, wonach Camara bei der Detonation verletzt wurde, wies das Umfeld des Generals zurück. Laut einem Regierungssprecher wurden 16 Menschen verletzt. Das Militär teilte mit, dass die Situation "unter Kontrolle" sei. Die Tuareg-Rebellengruppe FLA gab allerdings an, sie habe die Stadt Kidal im Norden des Landes eingenommen. Die Regierung in Bamako verhängte eine nächtliche Ausgangssperre für die nächsten drei Tage. Das Auswärtige Amt aktualisierte seine Reise- und Sicherheitshinweise und rief deutsche Staatsbürger in Mali zu äußerster Vorsicht auf. Deutschen Staatsangehörigen werde empfohlen, an einem sicheren Ort zu bleiben und Mali auf dem Luftweg zu verlassen, wenn die Sicherheitslage dies zulässt und der Flugbetrieb wieder aufgenommen wurde. Am Samstagmorgen waren nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters laute Explosionen und anhaltendes Gewehrfeuer in der Nähe von Malis wichtigstem Militärstützpunkt in Kati bei Bamako, in der Stadt Sévaré im Zentrum des Landes sowie in Kidal und Gao im Norden Malis zu hören gewesen. Angriffe von etwa 250 Kämpfern auf den Flughafen von Bamako und einen nahegelegenen Militärstützpunkt seien abgewehrt worden, teilte das russische Außenministerium mit. Mali hat die Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und weiteren westlichen Ländern abgebrochen und sich Russland angenähert. Nach Einschätzung von Beobachtern hätten die Angriffe auf Regierungstruppen am Samstag eine neue Qualität. "Wir haben es mit einer riesigen koordinierten Offensive im ganzen Land zu tun, wie wir es seit 2012 nicht mehr gesehen haben, als die Regierung das halbe Land verloren hat", sagte Charlie Werb vom Sicherheitsberatungsunternehmen Aldebaran Threat Consultants der Nachrichtenagentur AFP. In Mali kommt es seit vielen Jahren zu massiver Gewalt. Nach zwei Putschen in den Jahren 2020 und 2021 herrschen Militärs in dem Land. Islamistische Extremisten verüben wiederholt Anschläge und Angriffe auf Regierungstruppen. Zudem sind kriminelle Banden in dem Land aktiv. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Gewalttaten in Mali und rief nach Angaben seines Sprechers zu koordinierter internationaler Unterstützung auf, um der "Bedrohung durch gewalttätigen Extremismus und Terrorismus in der Sahelzone zu begegnen".