Datum26.04.2026 07:15
Quellewww.spiegel.de
TLDRÖkonom Marcel Fratzscher schlägt vor, einen Teil der deutschen Goldreserven im Wert von 440 Milliarden Euro zu verkaufen, um die aktuellen Krisenkosten zu finanzieren und Bürger sowie Unternehmen zu entlasten. Er kritisiert auch den Tankrabatt und plädiert für autofreie Sonntage. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer warnt vor einer Abwärtsspirale und verweist auf Polens Wirtschaftswachstum.
InhaltPolitik und Wissenschaft suchen nach dem besten Weg, die Kosten der Krise zu finanzieren. Und die Bürger entlasten. Der Wirtschaftsforscher Fratzscher fragt: Warum nicht den Schatz des Staats nutzen, der in den Tresoren liegt? Deutschland sollte nach Meinung des Ökonomen Marcel Fratzscher angesichts der aktuellen Krise einen Teil seiner Goldreserven verkaufen. "Die deutschen Goldreserven haben einen Wert von heute knapp 440 Milliarden Euro", sagte Fratzscher, der das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin leitet, dem Nachrichtenportal t-online. "Das ist ein riesiges Sparschwein für Krisen. Einen zumindest kleinen Teil davon sollten wir zur Bekämpfung dieser Krise und zur Entlastung von Bürgerinnen und Bürgern und Unternehmen nutzen." Fratzscher nannte auch die Möglichkeit, den Erlös in die Bildung oder die Infrastruktur zu investieren. Die Goldbestände der Deutschen Bundesbank von 3350 Tonnen sind weltweit die zweitgrößten nach denen der USA. "Das Gold wird von der Bundesbank verwaltet", schränkte Fratzscher ein. "Selbst ein Bundeskanzler kann nicht einfach sagen: Ihr müsst jetzt das Gold verkaufen." Dennoch sprach er sich dafür aus, mit dem "Tabu" zu brechen, diese Reserven anzutasten. Fratzscher kritisierte, dass der Bund die Steuern auf Kraftstoffe wegen der gestiegenen Ölpreise senkt. "Durch den Tankrabatt reduzieren die Deutschen ihr Autofahren nicht ausreichend, obwohl das dringend nötig wäre", sagte der Ökonom. "Wir haben im Augenblick weltweit zehn bis fünfzehn Prozent weniger Öl und Gas." Der DIW-Chef sprach sich erneut dafür aus, den Verbrauch durch autofreie Sonntage und Tempolimits zu senken. Wie heftig die politische Debatte über die Wege aus der aktuellen Krise wogen, kann man an Aussagen des sächsischen Ministerpräsidenten ablesen. Michael Kretschmer sieht Deutschland in einer Abwärtsspirale, "die im Desaster enden kann". "Deutschland fährt sich gerade runter", sagte der CDU-Vize der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" . Bisher sei es nicht gelungen, dem Land einen positiven Ruck zu geben. Es müssten endlich Verbesserungen her, die die Bevölkerung im täglichen Leben spüre. Aus Kretschmers Sicht sollte sich Deutschland ein Beispiel am polnischen Nachbarn nehmen. "Polen hat bis über drei Prozent Wachstum, und wir sind in der Rezession", sagte er. "Also müssen wir schauen: Was sind deren Energiekosten, was sind deren Arbeitskosten? Wie viele Stunden arbeitet man? Und daraus die Konsequenzen ziehen." Mit dem Tankrabatt verteilt die Regierung in der Krise erneut Geld per Gießkanne, dabei gibt es längst einen Mechanismus für Direktzahlungen. Doch der wird immer noch nicht genutzt. Hier lesen Sie, wie er funktioniert.