Datum26.04.2026 00:24
Quellewww.spiegel.de
TLDRNach seiner Wahlniederlage zieht sich Viktor Orbán nach 16 Jahren aus dem ungarischen Parlament zurück, um seine Partei neu zu organisieren. Die konservative Tisza-Partei von Péter Magyar errang eine Zweidrittelmehrheit und kündigte einen "Regimewechsel" an. Orbán, ein Verbündeter Russlands, dessen EU-kritische Politik wiederholt zu Konflikten führte, bleibt Parteichef, falls die Delegierten dies im Juni beschließen.
Inhalt16 Jahre regierte er Ungarn und legte sich immer wieder mit der EU an. Nach seiner Wahlniederlage will sich Viktor Orbán nun aus dem Parlament in Budapest zurückziehen. Er werde dort "derzeit" nicht gebraucht. Nach seiner klaren Niederlage bei der Parlamentswahl in Ungarn hat der scheidende Regierungschef Viktor Orbán angekündigt, seinen Sitz im künftigen Parlament aufzugeben. Er habe entschieden, sein Abgeordnetenmandat abzugeben, da er "derzeit" nicht im Parlament gebraucht werde, erklärte Orbán am Samstag via Facebook. Vielmehr wolle er sich auf die "Neuorganisation des nationalen Lagers" in Ungarn konzentrieren. Gleichzeitig betonte Orbán, er stehe weiter als Chef seiner rechtsnationalistischen Fidesz-Partei bereit, wenn die Delegierten eines Parteitags im Juni sich dafür aussprächen. Bei der Parlamentswahl vor zwei Wochen hatte die konservative Tisza-Partei von Oppositionsführer Péter Magyar eine Zweidrittelmehrheit im Parlament errungen, was dem künftigen Regierungschef grundlegende Reformen ermöglicht. Magyar löst damit den EU-kritischen und Kreml-freundlichen Orbán nach 16 Jahren an der Macht ab – mehr über das Ende des Autokraten Orbán lesen Sie hier . Der 62-Jährige Orbán sitzt seit 1990 im Parlament in Budapest. Das neu gewählte Parlament soll am 9. Mai zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommen. Wahlsieger Magyar hat einen "vollständigen Regimewechsel" angekündigt. Orbáns Wahlniederlage war in vielen EU-Staaten mit Erleichterung aufgenommen worden. Beim ersten Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs nach der Ungarnwahl erlaubte sich der polnische Ministerpräsident Donald Tusk einen Seitenhieb gegen Orbán: "Das erste Mal seit Jahren waren keine Russen im Raum, wenn Sie wissen, was ich meine", sagte Tusk am zweiten Tag des Gipfels am Freitag zu Journalisten in Nikosia. Orbán gilt als wichtigster Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der EU. Am Treffen in Zypern nahm er nicht mehr teil. Die prorussische Haltung der ungarischen Regierung hatte immer wieder zu Streitigkeiten mit den anderen EU-Ländern gesorgt. Insbesondere die ungarischen Blockaden bei Entscheidungen über die Unterstützung der Ukraine oder Sanktionen gegen Russland sorgten regelmäßig für Ärger.